Ansichtssache
Berlusconi will über alle Berge
Die Schweiz darf sich über einen neuen, finanziell nicht ganz impotenten Zuwanderer freuen.

(Bild: Meinrad Schade)
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Der abgewählte italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat seiner Schwiegermutter ein stattliches Haus mitten im pittoresken Engadiner Dorf S-chanf kaufen lassen, wie die «NZZ am Sonntag» uns enthüllte.
Diese neue Residenz passt zu Berlusconis Hang zur Peripherie: Er bewegt sich gerne am Rande des Gesetzes, und nicht ungerne auch jenseits. Auf Sardinien an Italiens Rand besitzt er eine weitere Villa. Zu einigen ehrenwerten Herren auf der anderen grossen Randinsel Sizilien soll er ebenfalls gute Beziehungen haben. Und in der italienischen Naherholungszone Oberengadin haben seine Mailänder Industriellenfreunde ein Piccolo Milano zusammengekauft. Jetzt, da die «Communisti» und «Coglioni» den Berlusconi aus dem Regierungspalast vertreiben, muss der arme Kerl wohl um Asyl im Bündnerland nachsuchen. Vielleicht braucht er den pompösen Sitz in S-chanf als Residenz für eine Exilregierung, von der aus er die Wiederbefreiung Italiens organisieren kann.
Man muss Verständnis haben für den Mann: Der musste plötzlich mit Entsetzen feststellen, dass sogar in seinem eigenen Innenministerium lauter Kommunisten oder politische Anfänger sitzen, die nicht einmal richtig zählen und ihm die nötigen Stimmen organisieren können. Auch das höchste Gericht Italiens hat Berlusconis Niederlage verkündet. Aber dass die Richter allesamt Linksextreme mit persönlichen Hassgefühlen gegen ihn seien, das hat er ja schon immer gesagt.
Das ganze Gesetzbuch hat er nach seinem Gusto umschreiben lassen, nur die Abschaffung der Demokratie, die allein ihn hätte vor der Niederlage retten können, hat er schlicht und einfach vergessen. Wahrscheinlich weil er diese seltsame Demokratie während seiner Regierungszeit überhaupt nicht wahrgenommen hat.
Schwiegermutter Flora hat das Haus im Engadin gut ausgesucht: Darin war früher nämlich die Banca Engiadinaisa untergebracht. Da wirds dem Milliardär aus dem Süden bestimmt warm ums Herz. Einen kleinen Tresor für seine paar Schätze werden sie ihm beim Umbau wohl stehen lassen. Und selbstverständlich kann er sich bei der Renovation alle Freiheiten herausnehmen. «Haus der Freiheiten» hiess ja auch sein Wahlbündnis - die «Süddeutsche Zeitung» hat es angesichts seines Demokratieverständnisses in «Haus der Frechheiten» umbenannt.
Dass er das Engadiner Anwesen laut Berichten vom Schau- und Bauplatz fast vollständig aushöhlen lässt, ist nichts als logisch. Mit dem italienischen Staat hat er das während seiner Regierungszeit auch getan.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 26. Apr 2006 - Alle Rechte vorbehalten








