Ansichtssache
Das neue Schweizer «Team Sauber»
Die Schweizer glänzen mal wieder durch Sparsamkeit und Sauberkeit - sogar beim Autobau.

(Bild: DUKAS/GAMMA)
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Die ETH zeigt uns den Weg in eine Zukunft ohne Energiesorgen. 5385 Kilometer mit einem einzigen Liter Sprit – that’s the spirit! Na ja, genau genommen wars gar kein Sprit. Wasserstoff ist der neue Stoff, aus dem die Energieträume sind.
Mit der Apothekerdosis von 1,02 Gramm Wasserstoff legte der Pac-Car der ETH-Maschinenbaustudenten am «Shell Eco-Marathon» in Frankreich satte 20,68 Kilometer zurück. Und das bedeutet, dass er mit 270 Gramm, was einem Liter Benzin entspricht, 5385 Kilometer geschafft hätte – oder mit nicht ganz acht Litern Benzin um die ganze Welt gekommen wäre. Die Schweizer als Weltmeister in Sachen Sparsamkeit. Und hinten raus lässt die Maschine nichts als Wasser – von der saubersten Sorte.
Schweizerisch sauber war auch das Fahrzeug. Vor dem Start mussten die jungen Autobauer ihr Gefährt pingelig genau putzen, um jeden Luftwiderstand wegzufegen. Jetzt hat die ETH-Crew ihre klinisch saubere Fahrzeugnase ideal im Trendwind. In Zeiten, da selbst die Stromversorgungen unserer SBB, unserer nationalen elektronischen Medien und des Kantons Neuenburg implodieren können – von den explodierenden Erdölpreisen gar nicht zu reden –, brauchts dringend energiesparende Gefährte. Einst hiess die Zukunftsvision «In 80 Tagen um die Welt», heute «Mit 8 Litern um die Welt».
Um in diese Sparkarosse zu steigen, müssten wir Wohlstandsschweizer allerdings mächtig abspecken. Wir werden nicht nur beim Erd-, sondern auch beim Speiseöl sparen müssen. Wie uns «10 vor 10» zeigte, waren es im ETH-Team vor allem die Männer, die konstruierten, planten und theoretisierten, während zwei schlanke Frauen als Fahrerinnen dafür sorgten, dass der Karren lief. Mit Frauen am Steuer fallen die Rekorde.
Ausgerechnet der Projektleiter machte dann aber in einem Interview die Träume von der definitiven Sicherung der Energiezukunft zunichte. Die Herstellung des umweltfreundlichen und sparsamen Treibstoffs Wasserstoff verbraucht laut ETH-Professor Lino Guzzella «mehr Energie, als man am Schluss erhält». Da verwundert es nicht mehr so sehr, dass Erdölmulti Shell den Eco-Marathon sponsert. Energisch.
Und Michelin stellte den Teams modernste Radialreifen zur Verfügung, die angeblich Energieeinsparungen um 25 Prozent erlauben. Wegen seiner vorschnell platzenden Pneus hatte der Reifenmännchen-Konzern beim Formel-1-GP von Indianapolis noch für einen Skandal gesorgt. 14 Rennwagen mit Michelin-Reifen verzichteten dort aus Sicherheitsgründen auf den Start. Das war ohne Zweifel eine besonders effiziente Art, Treibstoff zu sparen. Da können die ETH-Studenten noch viel lernen.
© Beobachter Ausgabe 14 vom 07. Jul 2005 - Alle Rechte vorbehalten








