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Ansichtssache

Die Schokoladenseite des Business

Text:
  • Martin Hauzenberger
Bild:
  • Dominic Büttner
Ausgabe:
7/05

Die Schoggikönige von Lindt & Sprüngli machen alles, was sie durch den Kakao ziehen, zu Gold.

Die Pralinéburg steht fest und süss, wohlbewacht vom Goldhasen. Lindt & Sprüngli schreibt unbeirrt Schoggibilanzen, hat den Umsatz erstmals überhaupt auf über zwei Milliarden Franken gesteigert und innert vier Jahren den Gewinn verdoppelt. Die Schokoladenkönige vom Zürichsee ziehen alles profitbringend durch den Kakao.

Andere grosse Schweizer Schoggischmelzereien dagegen gehören längst den Ausländern: Toblerone und Suchard sind zum «Kraft»-Futter mutiert, die kraftspendende Ovomaltine gehört den Engländern, und Nestlé ist ein internationaler Gemischtwarenladen. Von den Grossen verteidigt nur noch Lindt & Sprüngli die eigenständige schweizerische Schoggikultur in der Welt draussen.

Das ist bestimmt ein Trost für die wackeren Wirtschaftspatrioten, die sich heute vor allem gegen die Deutschen wehren müssen. Die deutschen Billig-Lebensmittelhändler setzen mit einem Lidl auf den Lippen zum Sturm auf die Schweiz an, und die Lufthansa nimmt die Swiss unter ihre Fittiche. Christoph Franz, der deutsche Swiss-Chefpilot mit Zielflughafen Frankfurt, gab zu Protokoll, er habe den Auftrag bekommen, «aus Scheisse Pralinen zu machen». Da hats Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner viel schöner. Der darf Schokolade verwenden. In Deutschland mag man offenbar beide Pralinésorten.

«Im Gegensatz zur Swiss bleibt Lindt & Sprüngli eine Ikone der Schweizer Wirtschaft», schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Ein passender Vergleich: Die kostbaren Ikonen in den russischen Kirchen und Klöstern wurden mit noch mehr Gold bemalt als die umsatzbolzenden Goldhasen von Lindt & Sprüngli.

Dann versetzte die «Frankfurter Allgemeine» dem schweizerischen Patriotenherz noch einen Stich, als sie maliziös beifügte, dass diese Goldhasen «allesamt von der deutschen Tochtergesellschaft produziert und von Konkurrenten gerne kopiert werden».

Aber Lindt & Sprüngli hat keine Angst vor der Konkurrenz. Die Kilchberger halten nichts von Preiskampf und Dumpingpreisen. Sie verkaufen in der ganzen Welt ihre teure Ware und werden damit reich. Auch ihre Aktien sind mit einem Kurs von rund 18000 Franken eher für Leute auf der goldenen Seite des Lebens. Und trotzdem bleibt Lindt & Sprüngli immer hübsch bescheiden in seinen Prognosen für die kommenden Jahre. Am Ende des Firmennamens steht schliesslich eine jener herzigen Verkleinerungsformen, die Deutsche an den Schweizern so mögen.

Am Zürichsee wird man weiterhin zum Sprüngli in fremde Länder ansetzen. Zu den nächsten Zielen gehört Mexiko, wo die Schokolade einst bei den Maya und Azteken als bitteres Getränk namens Xocolatl ihre Karriere begonnen hat. Die mittelamerikanischen Völker gebrauchten Kakaobohnen damals auch als Rechnungseinheit und Zahlungsmittel. Schon die machten aus Kakao Geld.

© Beobachter Ausgabe 7 vom 31. Mär 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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