Ansichtssache
Platz da!
Markante Plätze werden derzeit in Zürich so wie in Bern umgestaltet. Diese Gemeinsamkeit ergibt aber noch keine bessere Beziehung der beiden Städte. Schliesslich hat Bern etwas, was Zürich gebrauchen könnte.

(Bild: Eddy Risch)
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Zürich macht Platz. Der Bahnhofplatz wird praktisch neu gebaut, wie der Blick von oben zeigt. Der alte Eisenbahnkönig Alfred Escher auf seinem Sockel in der Platzmitte darf endlich wieder einmal erleben, wie zu seinen Füssen Schienen verlegt werden, auch wenn es diesmal nur dem städtischen Nahverkehr gilt.
Gleich um die Ecke wird rückgebaut. Seit ein neues Parkhaus eingeweiht worden ist, werden Parkdecks über der Sihl abgebrochen, und erstaunt entdecken Zürcherinnen und Zürcher, dass ein Fluss durch ihre Stadt fliesst, von dem sie bisher kaum etwas gesehen haben. Vom Beton befreit sind Ströme und Bäche, und der Verkehrsstrom ist auch nicht stärker ins Stocken geraten als früher.
Auch in Bern wurde ein zentraler Platz umgebaut. Auf dem Bundesplatz wird in Zukunft ein Springbrunnen mit 26 Fontänen unsere 26 Kantone symbolisieren. Bern und Zürich also mit frischem Platz. Das müsste die beiden Städte doch ebenso verbinden wie die neue Bahn 2000, die die Bahnfahrt um ein paar Minuten verkürzen wird.
Eine solche Verständigung zwischen der wirtschaftlichen und der politischen Metropole passt einigen Zürcher SVPlern aber gar nicht. Sie wehren sich lautstark gegen den neuen Finanzausgleich, mit dem angeblich die fleissigen Zürcher Leuen die faulen Berner Bären finanzieren müssten. Man wolle sozialistisch regierten Kantonen wie Bern keine Entwicklungshilfe leisten, lästern die Zürcher SVP-Inserate gegen den Finanzausgleich.
Wir danken der Zürcher SVP, dass sie uns die Augen geöffnet hat. Bisher dachten wir, die Abkürzung SVP stehe für die Schweizerische Volkspartei, die im Bernbiet Parlament und Regierung dominiert. Jetzt wissen wir dank der gütigen Nachhilfe des Zürcher Parteiflügels, dass mit SVP Sozialistisches Vaulenzer-Pack gemeint ist. Und das hält im Kanton Bern ausgerechnet das Finanz- und das Volkswirtschaftsdepartement in der Hand.
Peter Good heisst der Mann, der uns diese Einsicht beschert hat. Der Zürcher SVP-Präsident ist auch Gemeindepräsident von Bauma im Zürcher Oberland und profitiert dort gerne vom kantonalen Finanzausgleich. Das sei ganz was anderes, erklärte er dem Lokalfernsehen Tele-Züri. Seine Gemeinde sei eben so abgelegen und strukturschwach. Ach ja. Es gab Zeiten, da wussten sogar SVPler aus dem Zürcher Oberland, dass es im Berner Oberland mit den noch etwas höheren Bergen ebenfalls abgelegene und strukturschwache Gebiete gibt.
Die Versöhnung zwischen Bern und Zürich klappt nicht mal am 1. August. Denn an der Einweihung des nationalen Denkmals auf dem Bundesplatz spricht nicht Bundesrat Moritz Leuebärger, der Leuen und Bären vielleicht hätte zusammenbringen können. Stattdessen weiht jetzt der Bundespräsident persönlich den Springbrunnen ein. Flut, Deiss und Fontänen. Und in Zürich träumen sie von einem Platz, in dem wie in Bern die Wasserwerfer gegen Demos bereits eingebaut sind.
© Beobachter Ausgabe 15 vom 22. Jul 2004 - Alle Rechte vorbehalten








