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Ansichtssache

Schlagfertige Spitzenbeamte

Text:
  • Martin Hauzenberger
  •  und EQ images
Ausgabe:
1/04

Martin Hauzenberger «analysiert» die sportlichen Ambitionen von Spitenbeamten.

Das Wort hat der Herr des Rings. Daniel Eckmann, Sprecher des scheidenden Finanzministers Kaspar Villiger, amtierte am vergangenen Stephanstag als Speaker des Berner Boxmeetings. Als erfahrener Hobbyboxer versteht Eckmann auch von dieser Materie einiges.

Und diesmal durfte er in aller Offenheit erklären, wer da gerade wen in die Seile beförderte. Wenn er als Kaspar Villigers Delegierter für Kommunikation über die Angelegenheiten des Finanzdepartements informierte, musste er oft etwas vorsichtiger sein. Es ging da zwar wesentlich gesitteter zu als beim Boxen. Nach den amtlichen Verlautbarungen aber dachte man sich oft mit Faust: «Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.» Es gab zwar keine blauen Augen wie im Boxring, aber um allen Erklärungen Glauben zu schenken, brauchte es einige Blauäugigkeit.

Aktive oder ehemalige Hobbyboxer sind neben Eckmann auch einige weitere Spitzenleute der Bundesverwaltung. Der Direktor des Bundesamts für Verkehr, Max Friedli, beispielsweise war trotz seinem Namen einst ein begeisterter Faustkämpfer. Das war bestimmt eine gute Karrierevorbereitung: In seinem Amt muss er heute einiges durchboxen und reichlich Schläge einstecken.

Auch Vizekanzler Achille Casanova hat das Duell mit harten Bandagen im Boxkeller erprobt. Zusammen mit anderen Prominenten waren Friedli und Casanova ebenfalls am Stephanstag-Meeting dabei: die Bundesbeamten am Boxmeeting am Boxing Day. Der hat seinen Namen allerdings nicht vom Boxen, sondern von den Boxes, den Schachteln, in denen man einst in England den weniger Begüterten Weihnachtsgeschenke machte. Auch in der Politik werden Päckli gemacht. Nur kommen sie leider eher selten den weniger Begüterten zugute.

In seinen besten sportlichen Zeiten war Speaker Daniel Eckmann nicht Boxer, sondern Handballtorhüter. Und zwar einer der besten der Welt, reaktionsschnell und unerschrocken, wenn er sich in die Scharfschüsse der Gegner warf. Mit weit ausgestreckten Armen und Beinen versuchte er, Unheil und Bälle vom Tor der Schweizer Nationalmannschaft fern zu halten. Bei solchen Paraden sieht auch der eleganteste Torhüter wie ein Hampelmann aus – und genauso gab später der Kommunikationsdelegierte Eckmann für seinen Villiger gelegentlich den Kaspar, wenn er sich in die Angriffe ausländischer Medien und Finanzbehörden warf und aus dem Bankgeheimnis ein echtes Geheimnis machen wollte.

Jetzt geht er zur SRG, als stellvertretender Generaldirektor. Den Posten gabs bisher gar nicht, aber Eckmann ist dank seinem regelmässigen Boxtraining so fit, dass mit seiner Person wohl selbst eine zusätzliche Hierarchiestufe eine Verschlankung der Strukturen bedeutet. Und als einstiger Kommunikationschef bei Fernsehen DRS weiss er, dass diese Institution so hart und dauernd attackiert wird wie ein Handballtorhüter oder ein Boxer. Gerade beim Fernsehen sind Weitblick und eine gute Deckung gefragt. Sonst könnte die Kritik ins Auge gehen.

© Beobachter Ausgabe 1 vom 08. Jan 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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