Ansichtssache
Werbung, Werbung über alles
Das Rennen wäre schon hart genug. Aber hinter dem Ziel wartet auf die Skistars die nächste Herausforderung.

(Bild: Andrea Rustioni)
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Nein, liebe Leserin, nein, lieber Leser, dies ist keine Inserateseite. Sie sieht nur so aus. Der alpine Skizirkus war zu Gast in der Schweiz, und der Schnee war vor lauter bunten Firmenfarben kaum zu sehen.
Bis jetzt kannten wir die Kombination im Skisport als Verbindung von Abfahrt und Slalom. Doch die auch nicht mehr ganz neue Kombination von Fahren und Werben nimmt im Abfahrtstempo überhand. Neuerdings sind in dieser Disziplin selbst die Betreuer höchst aktiv. Die Skistars strecken zwar noch immer jene Latten in Richtung Kamera, auf denen sie gefahren sind. Aber im Adelbodner Riesenslalom sah man auch Fahrer, die gleich hinter dem Ziel von einem Helfer ein Paar frische Skier ohne störende Schneespuren in die Arme gedrückt bekamen. Dies geht so fix wie sonst in der Werbung nur noch der stets von goldmedaillenverdächtigen Schnellsprechern abgesonderte Satz: «Lassensiesichvoneinerfachpersonberatenundlesensiediepackungsbeilage.»
Ich wüsste zu gerne, ob man auf diesen Schaulatten, die so dekorativ den Kameras entgegengereckt werden, auch wirklich fahren könnte – oder ob das Reklametafeln sind, die sich als echte Skier ausgeben. Zum Höhepunkt der Werbeorgie wird die Siegerehrung. Da stapfen die Fahrer mit ihren Skiern aufs Podest, oft noch die Skischuhe zur besseren Markenerkennung über die Schulter gehängt und den Rest des Körpers von weiteren Sponsorennamen zugedeckt. And the winner is: Audi, 68 Hundertstelsekunden vor Carlsberg und 75 Hundertstel vor den zeitgleichen Atomic und Fischer. Der überdeutliche Name des Rennorts soll Verwechslungen mit fast identischen Bildern aus Val d’Isère und Beaver Creek verhindern.
Erstaunlich, dass die riesigen Schneeflächen der Rennpisten bisher noch ungenutzt weiss geblieben sind. Da liessen sich doch noch reichlich Werbebotschaften unterbringen. Wenn unsere Computerdrucker vierfarbige Schriftzüge aufs Papier sprühen können, werden das die teuren Schneekanonen am Slalomhang ja wohl auch hinkriegen. Die Schneekanonen haben die Schweizer ja noch, die Skikanonen kommen gegenwärtig aus dem Ausland.
Bei allem Respekt vor der Vielseitigkeit der heutigen alpinen Cracks: Früher gabs noch wesentlich wildere Kombinationen. In den Gründerjahren des Skirennsports, so geht die Sage, lief man zuerst einen Langlauf, dessen Ziel zugleich der Start eines Slaloms war, der direkt auf die Sprungschanze mündete. Drei Disziplinen am Stück – alle mit den gleichen Skiern. Die mussten damals eben noch keine Sponsoringbotschaften zu Tal schleppen.
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© Beobachter Ausgabe 2 vom 19. Jan 2006 - Alle Rechte vorbehalten








