Auch das noch: Frieda findet keinen Frieden
In St. Gallen gehts zu wie in einem Taubenschlag: Eine Friedenstaube aus Pappmaché wurde wiederholt aus ihrem Nest vertrieben.

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Noch immer sitzt Frieda auf der St. Galler Bahnhofsuhr
und es dürfte nicht die letzte Station ihrer Reise
sein. Dass sie mit ihrer Friedenstaube aus Pappmaché
ein solches Echo auslösen würden, hatten die drei
Burschen und zwei jungen Frauen nicht erwartet, als sie Frieda
in jener Nacht Ende März «aussetzten». Punkt
Viertel nach vier Uhr in der Früh war die Aktion auf
dem St. Galler Marktplatz beendet: Frieda sass in der offenen
Hand des Reformators Vadian. Mit dem Friedenssymbol auf der
Statue wollten die Jugendlichen ein Zeichen gegen den Irak-Krieg
setzen. Sie hatten jedoch nicht mit den Polizisten gerechnet,
die ihnen in der Finsternis auflauerten: Als sie sich vom
Sockel des Denkmals schwingen wollten, wurden sie gestellt.
Der Wortführer wanderte in Gewahrsam, und die Feuerwehr
beendete flugs Friedas Gastspiel auf dem Denkmal.
Der Papiervogel wurde zum Stadtgespräch. «Niemand
konnte die rüde Vorgehensweise der Behörden verstehen»,
sagt der Pfarrer Andreas Nufer. Innert kürzester Zeit
wurden über 3500 Unterschriften gesammelt: Die Taube
solle bis Kriegsende auf Vadians Hand nisten dürfen.
Inzwischen hatte Frieda in einer Kirche Unterschlupf gefunden.
Doch damit wollten es die Aktivisten nicht bewenden lassen.
Sie entschieden sich für ein noch symbolträchtigeres
Nest für ihren Friedensvogel: die Bahnhofsuhr, «weil
sie von vielen Leuten beachtet wird», sagt Andreas Nufer.
Die Kriegsgegner bekamen von der St. Galler Nationalrätin
Pia Hollenstein Schützenhilfe. Die grüne Politikerin
wandte sich direkt an SBB-Chef Benedikt Weibel. «Von
uns aus kann Frieda für kurze Zeit in den Bahnhof St.
Gallen fliegen und dort zwischenlanden», antwortete
die Direktion prompt.
Die Sympathie für Frieda beeindruckte auch den Stadtrat:
Nach ein paar Tagen Bedenkzeit hatte er nichts mehr «gegen
eine vorübergehende Platzierung auf dem Vadiandenkmal
einzuwenden». Man einigte sich auf eine Installationsdauer
von drei Tagen. Danach sollte Frieda für einen Monat
in den Bahnhof zügeln.
25 Tage nachdem die Feuerwehr die Friedenstaube in einer
Nacht-und-Nebel-Aktion aus Vadians Hand gehievt hatte, wiederholte
sich das Prozedere in umgekehrter Reihenfolge: Mit
einigem Aufwand wurde Frieda erneut auf die Statue gesetzt.
Am Samstag darauf hatte die Feuerwehr bereits Übung,
als sie Frieda wieder herunterholte.
Wohin es die Taube dereinst verschlagen wird, ist Stoff
für Spekulationen. Gut im Rennen sei die Eingangshalle
der St. Galler Stadtpolizei, verrät Andreas Nufer augenzwinkernd.
© Beobachter Ausgabe 11 vom 29. Mai 2003 - Alle Rechte vorbehalten








