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Auch das noch: Frieda findet keinen Frieden

Text:
  • Sibylle Stillhart
Ausgabe:
11/03

In St. Gallen gehts zu wie in einem Taubenschlag: Eine Friedenstaube aus Pappmaché wurde wiederholt aus ihrem Nest vertrieben.

Noch immer sitzt Frieda auf der St. Galler Bahnhofsuhr

– und es dürfte nicht die letzte Station ihrer Reise

sein. Dass sie mit ihrer Friedenstaube aus Pappmaché

ein solches Echo auslösen würden, hatten die drei

Burschen und zwei jungen Frauen nicht erwartet, als sie Frieda

in jener Nacht Ende März «aussetzten». Punkt

Viertel nach vier Uhr in der Früh war die Aktion auf

dem St. Galler Marktplatz beendet: Frieda sass in der offenen

Hand des Reformators Vadian. Mit dem Friedenssymbol auf der

Statue wollten die Jugendlichen ein Zeichen gegen den Irak-Krieg

setzen. Sie hatten jedoch nicht mit den Polizisten gerechnet,

die ihnen in der Finsternis auflauerten: Als sie sich vom

Sockel des Denkmals schwingen wollten, wurden sie gestellt.

Der Wortführer wanderte in Gewahrsam, und die Feuerwehr

beendete flugs Friedas Gastspiel auf dem Denkmal.

Der Papiervogel wurde zum Stadtgespräch. «Niemand

konnte die rüde Vorgehensweise der Behörden verstehen»,

sagt der Pfarrer Andreas Nufer. Innert kürzester Zeit

wurden über 3500 Unterschriften gesammelt: Die Taube

solle bis Kriegsende auf Vadians Hand nisten dürfen.

Inzwischen hatte Frieda in einer Kirche Unterschlupf gefunden.

Doch damit wollten es die Aktivisten nicht bewenden lassen.

Sie entschieden sich für ein noch symbolträchtigeres

Nest für ihren Friedensvogel: die Bahnhofsuhr, «weil

sie von vielen Leuten beachtet wird», sagt Andreas Nufer.

Die Kriegsgegner bekamen von der St. Galler Nationalrätin

Pia Hollenstein Schützenhilfe. Die grüne Politikerin

wandte sich direkt an SBB-Chef Benedikt Weibel. «Von

uns aus kann Frieda für kurze Zeit in den Bahnhof St.

Gallen fliegen und dort zwischenlanden», antwortete

die Direktion prompt.

Die Sympathie für Frieda beeindruckte auch den Stadtrat:

Nach ein paar Tagen Bedenkzeit hatte er nichts mehr «gegen

eine vorübergehende Platzierung auf dem Vadiandenkmal

einzuwenden». Man einigte sich auf eine Installationsdauer

von drei Tagen. Danach sollte Frieda für einen Monat

in den Bahnhof zügeln.

25 Tage nachdem die Feuerwehr die Friedenstaube in einer

Nacht-und-Nebel-Aktion aus Vadians Hand gehievt hatte, wiederholte

sich das Prozedere – in umgekehrter Reihenfolge: Mit

einigem Aufwand wurde Frieda erneut auf die Statue gesetzt.

Am Samstag darauf hatte die Feuerwehr bereits Übung,

als sie Frieda wieder herunterholte.

Wohin es die Taube dereinst verschlagen wird, ist Stoff

für Spekulationen. Gut im Rennen sei die Eingangshalle

der St. Galler Stadtpolizei, verrät Andreas Nufer augenzwinkernd.

© Beobachter Ausgabe 11 vom 29. Mai 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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