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Auch das noch: Wild aufs Mobiltelefonieren

Ausgabe:
19/02

Bündner Jäger dürfen diese Saison erstmals mit dem Handy auf die Pirsch. Es soll jedoch keinen Wildwuchs an Telefongesprächen geben.

«Bei denen piepst es wohl», schiesst es den

Unterländern als Erstes durch den Kopf, wenn sie die

Botschaft hören: «Bündner Jäger mit Handys.»

Werden jetzt Wanderer auf Bergpfaden, wo sich Fuchs und

Hase gute Nacht sagen, von Handyklingeltönen ins Bockshorn

gejagt? Sprechen sich die rund 5000 patentierten Weidmänner

Graubündens während der Hochjagd bis Ende September

gar schnurlos untereinander ab, wenn sie einen der 4175 zum

Abschuss freigegebenen Hirsche im Visier haben?

Alles nur halb so wild, wie das Kleingedruckte klarstellt.

Der Beschluss des Bündner Regierungsrats lässt weder

jagdtechnische Regieanweisungen noch persönliche Plauderstündchen

zu. Wie auch in den übrigen Kantonen darf das Handy im

Bündner Gebirge nur «im ausgeschalteten Zustand»

mitgetragen werden und ausschliesslich in «Notsituationen»

zum Einsatz kommen.

Die positiven Seiten des Mobilfunks sind denn auch unbestritten.

Bei einem Jagdunfall kann ein Notruf per Handy über Leben

und Tod eines Verletzten entscheiden. Ebenso hilft ein Jäger,

den Leidensweg eines angeschossenen Tiers zu verkürzen,

wenn er beim Pikettdienst sofort einen Führer mit Schweisshund

anfordert, um die «Wundfährte» aufzunehmen.

Für Laien: Schweiss bedeutet in der Weidmannssprache

Blut.

Graubünden war bisher der einzige Kanton, der noch

am Handyverbot festhielt. Lange Zeit suchte man nach einer

optimalen flächendeckenden Kontrolle. Jetzt ist die rund

75-köpfige Wildhut für die neue Aufgabe in freier

Wildbahn gewappnet. Über die Strategie schweigen sich

die Verantwortlichen aus. Georg Brosi, Leiter des kantonalen

Amts für Jagd und Fischerei, glaubt, den Grossteil der

Jäger lasse dieses Thema kalt. Zu einer geschäftlichen

Besprechung oder einem persönlichen Schwatz sei ihnen

ohnehin nicht zumute: «Man sucht ja Ruhe und will die

Schönheit der Bergwelt geniessen.» Zudem herrsche

im unwegsamen Gelände naturgemäss sowieso oft Funkstille.

Auf das Verständnis der Jäger setzt auch Hannes

Jenny, Wildbiologe beim Amt für Jagd und Fischerei. Auf

der Pirsch könnten sie wohl kaum Vergnügen daran

finden, wenn es kurz vor dem finalen Schuss plötzlich

piepse. Jenny weist auch auf die Tradition Graubündens

hin, wo schon seit 476 Jahren die Volksjagd hochgehalten wird.

Kein Wunder, stossen hier neue Regelungen auf mehr Skepsis

als in Kantonen mit Revierjagd. Das Handy empfindet er trotzdem

nicht als «Stilbruch», er trage es aber «wahrscheinlich»

während der Jagd nicht mit sich: «Ich bin ein Hardliner.»

© Beobachter Ausgabe 19 vom 19. Sep 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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