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E-Mail-Verkehr: Schlechte Werbung

Text:
  • Markus Koch
Ausgabe:
18/02

Ungebetene kommerzielle E-Mails sind eine echte Plage. Noch ist kein Kraut gewachsen, das dem «Spam» ein Ende macht – doch mit ein paar Tricks lässt er sich eindämmen.

Je mehr Leute sich im Internet tummeln, desto schamloser gebärden sich jene, die potenzielle Kundinnen und Kunden in den diversen Foren und per E-Mail mit unverlangter Werbung – meist für Sexangebote, Wunderprodukte oder dubiose Einkommenschancen – bombardieren. Spam oder Junkmail, wie diese Werbebotschaften im Jargon heissen, werden zu einem Problem. Der weltweit tätige Provider AmericaOnline schätzt, dass mehr als 30 Prozent des E-Mail-Verkehrs Spam enthalten.

Zwar ist eine Werbemail schnell aus der Welt geschafft – auf direktem Weg in den Papierkorb damit! Und die meisten Mailprogramme sind sogar bei der Entsorgung behilflich: Für eingehende Nachrichten können die Empfänger spezielle Filter festlegen, die Mails von gewissen Adressen und Domänen oder mit bestimmten Schlüsselwörtern im Text automatisch löschen.

Doch wenn Spam täglich im Dutzend oder sogar zu Hunderten in der Mailbox landet, wirds ärgerlich. Nicht nur, dass man im übervollen Postfach die erwünschten Mails vom Spam mühsam trennen muss. Der Empfänger hat auch noch zu zahlen: für die Online-Zeit, um den Schrott vom Mailserver auf seinen Rechner zu kopieren. Je nach Anzahl Spam kann die Werbeflut deshalb durchaus ins Geld gehen: Gegen 15 Milliarden Franken, so schätzt die EU-Kommission, beträgt der jährliche Aufwand für die europäische Internetgemeinde.

Dabei ist es für viele Anwender ein Rätsel, wie sie auf die Verteilliste einer Werbemail gelangen konnten. Denn sie hatten bislang weder Kontakt mit den Absendern, noch surften sie je auf Sexseiten – und wenn doch, hinterliessen sie garantiert nicht ihre Mailadressen. Doch darauf sind die Spammer gar nicht angewiesen. Wer eine Werbemail verschicken will, findet im Internet diverse Anbieter von Adresslisten. Einige versprechen, mit ihrer Kartei weit über 1,5 Millionen Menschen erreichen zu können!

Gesammelt werden solche E-Mail-Anschriften häufig mit spezialisierten Programmen, die ähnlich einer Suchmaschine das Internet abgrasen. Sie durchforsten sämtliche erreichbaren Quellen nach Mail-adressen und sammeln sie. Wer sich je in einem Chat, Forum, Gästebuch oder sonst wo verewigt hat, wird früher oder später also Spam erhalten.

Die Empfänger sind Machtlos

Ein anderer Trick – besonders beliebt fürs Spammen von Kunden grosser Mailprovider wie Hotmail, GMX oder Bluewin – ist das automatische Versenden von Nachrichten an alle theoretisch möglichen Mailboxen eines Mailsystems. Ein nimmermüder Computer generiert dabei Mailadressen, indem er sämtliche Buchstabenkombinationen ausprobiert. Die meisten werden zwar ungültig sein, doch einige wenige ihr Ziel erreichen.

Gegen diese Spammethode können die Empfängerinnen und Empfänger von unerwünschten E-Mails praktisch nichts ausrichten; ausser vielleicht, zu einem kleineren Mailprovider zu wechseln, der dieser Form der Spamattacke aufgrund der statistisch niedrigeren Erfolgschancen weniger ausgesetzt ist als die grossen Anbieter. Ansonsten bleiben vor allem zwei Massnahmen, um zumindest ein Überborden der Werbeflut zu verhindern: eine restriktive Bekanntgabe der Mailadresse im Netz und eine konsequente Zwei-Mailboxen-Strategie (siehe «Werbeflut», Seite 54).

Allerdings: Das konsequente Ausfiltern von Spam und die Zwei-Mailboxen-Strategie sind nichts anderes als Symptombekämpfung. Nur die Provider können die Ursache angehen, da ihre Mailserver einerseits die Spammails akzeptieren und ins Internet speisen sowie diese anderseits auch noch in den Mailboxen ihrer Kundschaft ablegen.

Selbstverständlich beteuern sämtliche Maildienst-Anbieter, viel Zeit und Geld ins Ausfiltern von Spammails vor der Auslieferung in die Kunden-Mailboxen zu investieren. Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Während beispielsweise die GMX-Kundschaft in aller Regel relativ wenig Spam erhält, berichten Hotmail-Kunden von einer wahren Werbeflut. Im schlimmsten Fall kann diese eine Mailbox wegen Überschreitung der Speicherkapazität sogar unbrauchbar machen.

Provider riechen das Geschäft

Dies mag daran liegen, dass das Erkennen von Spam ausserordentlich schwierig ist. Einerseits können Spammer Filter durch den Wechsel der Absenderadresse oder gar die Fälschung von Mailheadern (darin sind die Angaben zum Absender enthalten) einfach austricksen. Anderseits ist es unmöglich, Filter zu entwickeln, die zuverlässig und automatisch den Inhalt einer Mail analysieren und Spam von regulären Mails trennen.

Doch ganz ungelegen kommen die Spamfluten den Providern auch nicht, da sie neue Einnahmequellen für eine Branche eröffnen, deren Dienstleistung, nämlich die Mailboxen, meist kostenlos ist. Die meisten Gratis-Maildienstleister bieten jedenfalls in letzter Zeit kostenpflichtige Mailabos an – mit besseren Spamfiltern als die für die Gratiskunden.

© Beobachter Ausgabe 18 vom 06. Sep 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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