Editiorial

Lies und freu

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
1/08

«Selbst Einheimische verstehen mitunter nur Bahnhof - oder in der heutigen SBB-Sprache: ‹Railcity›.»

Wissen Sie, was «Kollusionsgefahr» ist? Und was ein «Kampffussel»? Wenn nicht, dann erfahren Sie es in diesem Heft. Denn unsere Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Im Land der Grüezini und Gwaaggen») dreht sich um die spannende sprachliche Vielfalt, die in der Deutschschweiz herrscht: Neben der Standardsprache gibt es über 30 Dialekte, ungezählte Fachjargons und milieuspezifische Begriffe. So dass selbst Einheimische mitunter nur Bahnhof verstehen - oder in der heutigen SBB-Sprache: «Railcity».

Doch auch wenn man kapiert, was gemeint ist, ist nicht jede Neuschöpfung überzeugend. Mit «proaktiv» etwa will ich mich partout nicht anfreunden. Denn früher konnte man etwas «aktiv vorantreiben», und das verhiess bereits eine gewisse Dynamik. Heute dagegen muss man Aufgaben «proaktiv» angehen, um nicht als Faulpelz zu gelten. Aus Protest benutze ich die Luftblase «proaktiv» deshalb in einer Weise, die man zeitgeistig korrekt wohl «propassiv» nennen müsste - nämlich gar nicht.

Aber solche Ärgernisse sind eher Ausnahmen. Dass die Begegnung mit unbekannten Begriffen Spass machen kann, erfahren Sie, wenn Sie lesen, wie unsere Verständnistests abgelaufen sind. In einer abenteuerlich übersetzten Gebrauchsanweisung heisst es dort: «Auspack und freu». In diesem Sinne wünsche ich Ihnen - pardon, liebe Deutschlehrer - «lies und freu».

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© Beobachter Ausgabe 1 vom 09. Jan 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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