Editorial
Die Vernunft hats schwer
Nie war es so leicht wie heute, umfassend informiert zu sein. Gute Zeiten für rationale Entscheidungen, könnte man meinen. Doch so schnell setzt sich die Vernunft nicht durch, wie einige Artikel in diesem Heft zeigen.

Artikel zum Thema
Beispiel Nanotechnologie: Ob das superleichte Velo oder das stets saubere Fenster - immer wieder hören wir von sagenhaften Materialien. Dass deren Risiken kaum erforscht sind, hindert uns nicht daran, derartige Produkte fleissig zu kaufen. Jetzt warnt ein ETH-Forscher vor einer ähnlichen Entwicklung wie beim allzu sorglosen Einsatz von Asbest (siehe Artikel zum Thema «Nanopartikel: Zauberstoff oder Zeitbombe?»).
Beispiel Atomkraft: Viele von uns sind gegen AKWs - auch wenn Axpo-Chef Heinz Karrer Versorgungsengpässe prophezeit, falls nicht bald neue Meiler gebaut werden (siehe Artikel zum Thema «Heinz Karrer: ‹Unsere finanzielle Lage ist solide›»). Wer keine AKWs will, müsste Strom sparen. Aber uns ist noch nicht einmal klar, wo wir Energie verschleudern. Oder haben sie gewusst, dass eine einzige Suchanfrage bei Google so viel Strom braucht wie eine Sparlampe pro Stunde (siehe Artikel zum Thema «Stromverbrauch: Der Computer killt das Klima»)?
Beispiel Teuerung: Wir jammern gern über steigende Preise, scheuen aber den oft nur geringen Aufwand, um etwa bei Krankenkassen, Hypotheken oder Hotels eine Menge zu sparen. Im Artikel «Geiz ist geil, allein es fehlt der Wille» gehen wir der Frage nach, warum wir oft mehr zahlen als nötig (siehe Artikel zum Thema). Mit Vernunft hat auch das meist nicht viel zu tun.
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© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten
