Handykosten: So funkts bei den Jungen
Viele Teenager nutzen ihr Mobiltelefon intensiv. Mit Prepaid-Karten und Limiten lässt sich ein Gebührenschock am Monatsende vermeiden.

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Schulkinder mit dem Handy am Ohr, Teenager, die mit wieselflinkem Daumen Kurzmitteilungen schreiben: In nur wenigen Jahren ist das Mobiltelefon vom teuren Arbeitsgerät von Managern zum trendigen Modeaccessoire für Jugendliche geworden.
Laut einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Psychologie besitzen im Raum Zürich drei Viertel aller Buben zwischen 12 und 16 Jahren ein Handy, unter den Mädchen dieser Altersklasse ist sogar nur eines von fünf ohne mobiles Telefon unterwegs. Eine Umfrage unter deutschen Schulkindern ergab, dass sich sogar drei Viertel aller Abc-Schützen in der Unterstufe ein Handy wünschen. Wer keines hat, ist eben oft ein Aussenseiter.
Doch das Mobiltelefon ist nicht nur ein Statussymbol, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Bei Jugendlichen, die jeden Tag durchschnittlich mindestens fünf Telefonate führen und rund zehn Kurzmitteilungen verschicken, schlucken die Gebühren einen beträchtlichen Teil des Lehrlingslohns oder Taschengelds. Nicht wenige man schätzt fünf bis zehn Prozent vertelefonieren sogar mehr, als ihnen an Mitteln zur Verfügung steht. Familien- und Budgetberatungsstellen sprechen deshalb bereits von der «Schuldenfalle Handy».
Maximalbetrag vereinbaren
Für die Telefonrechnung geradestehen müssen die Eltern, da Jugendliche ohne deren Zustimmung keinen Mobilfunkvertrag abschliessen können. Sie sollten daher die Vertragsunterzeichnung nutzen, um mit den Kindern einen Maximalbetrag zu vereinbaren, der für das Telefonieren verwendet werden darf. Budgetberatungsstellen halten bei Minderjährigen rund 30 Franken pro Monat für angebracht.
Wählt man ein Mobilfunkabonnement mit einer Gebührenlimite, ist gewährleistet, dass diese Abmachung eingehalten wird: Ist ein im Voraus festgelegter Betrag vertelefoniert, sperrt der Netzbetreiber das Handy bis Monatsende für abgehende Anrufe und SMS.
Der Nachteil der Gebührenlimite ist, dass die in einem Monat «gesparten» Telefonate und Kurzmitteilungen nicht auf die nächste Abrechnungsperiode übertragen werden können: Wer also nur 20 Franken beansprucht, statt die Limite von 30 Franken auszuschöpfen, kann im Folgemonat nicht für 40 Franken telefonieren.
Eigenverantwortung fördern
Gebührenlimiten sind eine reine Disziplinierungsmassnahme; einen Anreiz zum sparsameren Umgang mit dem Handy schaffen sie nicht. Dass dies in Familien zu Diskussionen führt, liegt auf der Hand.
Zudem sind solche Kostenbremsen nur beschränkt erhältlich: Nur Orange bietet sie für alle Abonnementsvarianten an. Konkurrent Sunrise hingegen kennt gar keine Gebührenlimiten und die Swisscom nur beim Service «Natel Easy Kid». Bei diesem Zusatzdienst zum regulären Swisscom-Abo telefoniert der Jugendliche über das Gebührenkonto der Eltern zu speziellen Konditionen.
Mehr Auswahl hat man mit den Prepaid-Angeboten, die alle Netzbetreiber feilbieten: Das Handy wird von einer Wertkarte mit einem Betrag «aufgeladen». Ist das Guthaben verbraucht, kann man nicht mehr telefonieren und keine SMS verschicken. So lernen die Jugendlichen den haushälterischen Umgang mit dem Handy.
Dieses erzieherische Mittel ist allerdings nicht gratis zu haben. Telefonieren und insbesondere das bei Jugendlichen beliebte Verschicken von Kurzmitteilungen sind mit Prepaid-Karten deutlich teurer als mit regulären Abonnements. Im Extremfall beträgt der Preisunterschied pro SMS bis zu 40 Prozent. Dafür entfällt die bei Abos übliche monatliche Grundgebühr.
Es empfiehlt sich, die Angebote der Mobilfunkanbieter genau zu studieren (siehe Nebenartikel «Angebotsvergleich: Die Telefongebühren sind mit Prepaid-Karten stets unter Kontrolle»). Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei ihre eigenen Berechnungen anstellen und selber entscheiden können, ob sie ein Mobiltelefon mit Abovertrag und Gebührenlimite von beispielsweise 30 Franken oder jeden Monat eine neue Wertkarte über denselben Betrag für ihr Prepaid-Handy bevorzugen denn am Schluss müssen sie mit den wertvollen Gesprächsminuten haushalten.
Weitere Infos:
Wie das Handy schon manch einen Teenager in Not brachte, erzählen Betroffene auf der Website www.ohne-moos.de. Zudem werden Tipps gegeben, wie man verhindert, wegen des Mobiltelefons in die Schuldenfalle zu tappen.
© Beobachter Ausgabe 7 vom 04. Apr 2003 - Alle Rechte vorbehalten








