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HD-Fernseher

Konsumenten gucken in die Röhre

Text:
  • Thomas Grether
Bild:
  • Agentur Gettyimages
Ausgabe:
7/06

Die Bildqualität von HD-Fernsehern ist ein Augenschmaus - oder wäre es zumindest: Ohne Satellit und Decoder läuft in der Schweiz vorerst gar nichts.

(Bild: Agentur Gettyimages)

Eine neue Technologie revolutioniert das Fernsehen: High Definition Television (HDTV). Das hochauflösende Fernsehen bringt dank fünfmal mehr Bildinformationen einen dramatischen Gewinn an Bildschärfe, Plastizität und Farbtreue. Für die Fernsehindustrie ist die neue Technologie ein Segen, denn wer HDTV sehen will, muss einen neuen Fernseher kaufen.

Besonders vor Weihnachten liefen die Verkäufe rund. Anbieter wie Media-Markt zogen den Kunden den Speck durch den Mund, liessen HD-Programme laufen, und die Verkäufer verwiesen auf die Fussball-WM und Fernsehsender wie Pro 7 und Sat 1, die heute schon in HD-Qualität senden würden. Vor allem bei der männlichen Bildschirmfraktion war die Euphorie gross. Gingen im Jahr 2004 noch 107’000 Flachbildschirme in der Schweiz über den Ladentisch, so waren es 2005 bereits mehr als doppelt so viel: 262’000 Stück. Viele Käufer glaubten, ein HD-Flachbildschirm genüge, um bei der WM in voller Schärfe dabei zu sein.

Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Denn das «HD-Ready»-Logo auf dem Bildschirm allein genügt nicht, um hochauflösendes Fernsehen geniessen zu können. «Nur wer eine Satellitenschüssel hat, kann zurzeit HDTV-Programme empfangen», sagt Albrecht Gasteiner vom HDTV-Forum Schweiz, einer werbefreien Informationsplattform im Internet. Zudem braucht es einen passenden Empfänger, der die Sender decodiert (siehe Nebenartikel «HDTV: Fünf Fragen und fünf Antworten»).

Sender und Netzbetreiber warten ab


Wer keine Satellitenschüssel hat, sondern die Programme via Kabelnetz empfängt, guckt noch lange in die Röhre: Keiner der über 200 Kabelnetzbetreiber bringt in naher Zukunft HD-Qualität in die Stuben. Zwar kann jedes Kabelnetz fast ohne Mehrkosten auch HD-Programme verbreiten, aber die meisten Netzbetreiber wollen zuwarten, bis die Nachfrage steigt. Deshalb halten sich auch die Fernsehstationen mit Investitionen zurück. «Wir stellen frühestens im Jahr 2010 das Vollprogramm auf HD um, und selbst dieser Zeithorizont ist optimistisch», sagt Peter Kaufmann vom Schweizer Fernsehen. Die Produktion und das Senden hochauflösender Bilder koste rund 15 Prozent mehr - 30 Millionen Franken pro Jahr. «Gebührenfinanzierte Sender sind vorsichtig. Sie wollen sich nicht dem Vorwurf aussetzen, viel Geld auszugeben für etwas, was einer begüterten Minderheit zugute kommt», sagt HD-Experte Gasteiner.

Laut Gasteiner werden HDTV und das Standardformat während Jahren parallel bestehen. Das Schweizer Fernsehen wird schon bald HD-Produktionen in Auftrag geben. Zu Übungszwecken produziert das TV-Produktionscenter (TPC), eine Tochtergesellschaft der SRG, bereits heute HD-Sendungen. Unter anderem wurden vier Operninszenierungen im Zürcher Opernhaus aufgezeichnet.

Um gerüstet zu sein, hat das TPC für zehn Millionen Franken einen HDTV-Übertragungswagen gekauft. Einen Mercedes-Sattelschlepper auf zwölf Rädern, voll gestopft mit HDTV-Technik von Sony und mit Platz für 22 Personen in Bild- und Tonregie. Für Grossproduktionen lassen sich bis zu 24 Kameras anhängen.

Umstellung dauert fünf bis zehn Jahre


Auf ein 24-Stunden-Vollprogramm in HD umgestellt haben Pro 7 und Sat 1 - dies behaupten die Sender jedenfalls gern. Doch bei Sat 1 wurden im März gerade mal zwei Filme in echter HD-Qualität ausgestrahlt. Der Rest sei im bisherigen Standard produziert und auf HD hochgerechnet, so Sat-1-Pro-7-Sprecher Christian Garrels. Solche Bilder sind zwar deutlich besser, HDTV-Qualität erreichen sie aber nicht. Der Anteil echter HD-Inhalte bei Sat 1 und Pro 7 halte sich aus Verfügbarkeits- und Kostengründen in Grenzen, werde aber in den nächsten Monaten erhöht, so Garrels. Für eine Umstellung des ganzen Programms müsse man mit fünf bis zehn Jahren rechnen.

Im deutschen Sprachraum strahlt einzig der kostenpflichtige deutsche Sender Premiere regelmässig echte HD-Sendungen aus: Sport, Spielfilme und Dok-Sendungen. Premiere will zudem sämtliche Fussballspiele der WM hochaufgelöst übertragen - der Sender hat sich dafür neben zwei japanischen HDTV-Stationen die Rechte gesichert. Wer bei Premiere HD will, muss allerdings einen Mehrpreis berappen. In der Schweiz ist das Programm nur über den Pay-TV-Sender Teleclub in Standardqualität zu empfangen. Laut Patrick Gantner von Teleclub soll HD «in Kürze über Satellit» gegen eine zusätzliche Abogebühr erhältlich sein.

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© Beobachter Ausgabe 7 vom 30. Mär 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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