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Internet: Ohne Werbefenster durchs Netz surfen

Text:
  • Markus Koch
Ausgabe:
4/02

Werbebanner und Reklamefenster: Online-Werbung geht vielen Surfern auf den Geist. Doch sie müssen sich nicht alles bieten lassen: Mit dem richtigen Programm bleibt der Bildschirm werbefrei.

Für Anbieter von Informationen im World Wide Web sind die Zeiten hart. Es gibt derzeit noch kein brauchbares und verbreitetes System, um Anwendern und Anwenderinnen die Nutzung von Webseiten einzeln zu verrechnen. So versuchen sie halt wie Gratiszeitungen, die Kosten mit Werbung zu finanzieren.

An sich ist gegen diese Finanzierung nichts einzuwenden, denn sie ermöglicht ein weitgehend kostenloses Internet. Die Umsetzung kann dem Zielpublikum allerdings leicht die Freude am Surfen verleiden: Die aufgerufenen Seiten werden nur im Schneckentempo oder gar nicht angezeigt, weil die Server Mühe haben, die datenintensiven Werbebanner zu laden. Zudem lenken die zappeligen Animationen vom Inhalt ab.

Die Banner bleiben hängen

Noch mehr nerven die Pop-up-Werbefenster, die beim Aufruf oder Schliessen einer HTML-Seite aufklappen. Das Üble bei diesen Zusatzfenstern sind die lange Ladezeit und ihre Aufdringlichkeit. Einige lassen sich nur mühsam wegklicken. Es kann sogar passieren, dass sich mit jedem Klick die Zahl der offenen Browserfenster vermehrt, bis das Programm überlastet abstürzt. In diesem Fall sind die zugrunde liegenden Java-Scripts unsauber programmiert.

Und schliesslich versuchen die Werbefirmen auch noch mit aller Raffinesse, Informationen über die Surferinnen und Surfer zu erhalten. In den Seiten integrierte kleine Programme (Scripts und Cookies) speichern, wo sie leben, welche Seiten sie schon aufgerufen haben, wohin sie weiter surfen, welche Soft- und Hardware sie benutzen und weitere persönliche Daten – alles heimlich und ohne ihr Wissen.

Die Surfenden sind den Werbeattacken indes nicht hilflos ausgeliefert. Spezialisierte Programme ermöglichen es, viele dieser Seitenelemente auszuschalten. In der Regel arbeiten diese Werbeblocker als so genannte Proxy-Server. Sie filtern den Datenstrom zwischen dem Internetprogramm (Browser) und dem Netz. Werbebanner und Werbe-Scripts werden so gar nicht erst geladen, und umgekehrt werden Informationen vom Rechner des Nutzers an die besuchte Website nur eingeschränkt übermittelt.

Einige dieser Werkzeuge bieten zudem eine Cookie-Verwaltung und können grosse Hintergrundbilder und Sounds ausblenden. Der Vorteil all dieser Massnahmen: Es schrumpft nicht nur die Menge der zu übertragenden Daten um bis zur Hälfte, auch der Datenschutz wird verbessert.

Der verbreitetste Werbeblockierer dieser Art heisst «Webwasher». Er wurde von Siemens entwickelt und besticht vor allem durch die Bedienungsfreundlichkeit: Selbst nicht versierte Computernutzer kommen dank automatischer Installation und einfacher Konfiguration damit zurecht. Der «Webwasher» erkennt Banner einerseits an ihren Abmessungen, reagiert aber auch auf spezifische HTML- und Java-Script-Codes, die Werbeaktivitäten verraten. Zudem kann eine Adress-Filterliste vom Hersteller-Server geladen und individuell weiterentwickelt werden. In der gleichen Manier arbeiten auch der etwas umständlich zu bedienende «Junkbuster» sowie der in den USA stark verbreitete «Naviscope».

Manche Filter sind zu stark

Neue Wege beschreitet dagegen «Guidescope», das allerdings erst in einer Beta-Version vorliegt. Statt auf eine zentral von einem Hersteller gepflegte Filterliste setzt «Guidescope» auf die Mitarbeit der Anwender: Wer eine bisher nicht berücksichtigte Quelle von Werbung findet, kann sie der «Community Filtering Blocklist» hinzufügen. Durch diesen kollektiven Datenaustausch soll «Guidescope» seine Leistung ständig verbessern. Alle diese Programme sind für die private Nutzung kostenlos.

Restlos alle Werbeelemente auf Webseiten vermag allerdings keines der Programme zu unterdrücken. Denn selbstverständlich versuchen die Werber mit immer neuen Kniffen, die Werbefilter auszutricksen. Wie bei Viren-Software sollten deshalb die Programme regelmässig aktualisiert und die Blockierlisten auf den neusten Stand gebracht werden.

Manchmal sind die Filterprogramme allerdings gar zu rigoros und blenden auch Grafiken aus, die zum Seiteninhalt gehören. Dies lässt sich zwar korrigieren, ist aber lästig und kompliziert das Surfen. Ganz umsonst ist eben auch das werbefreie Internet nicht zu haben.

© Beobachter Ausgabe 4 vom 22. Feb 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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