Internet: So findet, wer suchet
Suchmaschinen sind eine grosse Hilfe im Datendschungel des World Wide Web – vorausgesetzt, man weiss sie richtig einzusetzen.

Das Internet ist das grösste Archiv der Welt. Zwischen
sechs und acht Milliarden Dokumente liegen in den digitalen
Speichern, und täglich kommen sieben bis acht Millionen
neue Seiten dazu. Ein Eldorado für Rechercheure
könnte man meinen. Doch die riesige Datenmenge macht
Surfern die Suche nach bestimmten Informationen zuweilen ziemlich
schwer: Man findet zwar allerhand Spannendes, doch selten,
was man sucht.
Ein Patentrezept für die erfolgreiche Suche gibt es
nicht, dafür aber eine Reihe digitaler Helfer. Bei Tutorials
wie zum Beispiel www.suchfibel.de, www.suchmaschinen-verstehen.de
oder www.suchmaschinentricks.de können sich Online-Rechercheure
das nötige Know-how holen. Aber auch Leute, die sich
nicht so sehr in die Materie vertiefen wollen, können
ihre Trefferquote verbessern wenn sie fünf Suchregeln
beherzigen:
- Google ist die Beste. www.google.ch ist mit über
drei Milliarden Seitenverweisen die grösste und schnellste
Suchmaschine. Rund drei Viertel aller Recherchen weltweit
werden mit Google getätigt. Aller Effizienz zum Trotz:
Erfasst wird kaum die Hälfte aller Infos im Web, und
die Daten werden nach Popularität sortiert (je mehr Links
auf eine Seite verweisen, desto besser ist die Platzierung)
was nicht unbedingt gleichbedeutend mit Qualität
ist.
- Nach Alternativen suchen. Konsultieren Sie verschiedene
Suchmaschinen. Der Webkatalog de.yahoo.com führt in der
Kategorie «Suchmaschinen» 174 Einträge, und
die Suchmaschinen-Suchmaschinen www.klug-suchen.de und www.suchmaschinen.de
kennen über 1000 Suchhilfen auch kleinere, die
sich nur auf ein bestimmtes Thema oder eine Region konzentrieren.
Diese Dienste sind zwar nicht so umfassend wie Google, aber
je nach Fragestellung die bessere Wahl: weil ihre spezialisierte
Datenbasis kleiner und präziser ist und sie deshalb weniger
Fehltreffer produzieren als die Grossen und weil sie oft noch
unerforschte Bereiche des Netzes berücksichtigen. Zur
vertieften Suche empfehlen sich auch die Google-Konkurrenten
www.alltheweb.com oder www.altavista.ch.
- Lernen Sie die Suchmaschinen kennen. Jede Suchhilfe tickt
anders. Um ihre Antworten richtig zu interpretieren, muss
man ihre Funktionsweise verstehen. Bei Google zum Beispiel
empfiehlt es sich wegen der Prioritätensortierung, auch
die weiter hinten rangierenden Treffer zu kontrollieren. Sie
sind mit weniger Sites verlinkt mitunter aber nur,
weil sie zu ausführlich sind. Infos zum Verhalten von
Suchhilfen vermitteln die Hilfeseiten der Suchmaschinen.
- Sprechen Sie die richtige Sprache. Suchanfragen mit einem
einzigen Stichwort fachspezifische und seltene Begriffe
ausgenommen liefern oft zu umfangreiche und zu wenig
präzise Trefferlisten. Suchhilfen präzisieren die
Recherche. Am bekanntesten sind die UND-Verknüpfung der
Stichworte (mehrere Begriffe müssen im selben Dokument
vorkommen) sowie Ausschlussfunktionen (Begriff darf nicht
im Dokument vorkommen). Praktisch fürs Personensuchen
ist die Wortfolgesuche, die Dokumente mit einem haargenauen
Zitat findet. Viele Suchmaschinen benutzen das «+»
als UND-Verknüpfung (+Uno +Schweiz), das «»
als Ausschlussoperator (+Uno Schweiz) sowie Anführungs-
und Schlusszeichen für die Wortfolgesuche («Kaspar
Villiger»). Auf den Hilfeseiten der Suchmaschinen erfährt
man, welche Operatoren es gibt und was sie bewirken.
- Legen Sie die Worte auf die Goldwaage. Je genauer die Suchbegriffe und Verknüpfungen sind, desto brauchbarer ist die Trefferliste. Gute Stichworte sind Fachbegriffe (Zwölftonmusik, Paronychie) und präzise Namen; geringe Erfolgschancen hat man mit allgemeinen Begriffen wie Musik oder Geschichte, sofern sie nicht clever verknüpft werden. Zu beachten sind auch unterschiedliche Schreibweisen (Delfin, Delphin) und fremdsprachliche Begriffe.
Wenn Sie trotz diesen Tipps nicht zu befriedigenden Informationen
kommen, hilft vielleicht ein alter, banaler Recherchiertrick:
Stellen Sie die Reihenfolge der Suchausdrücke um oder
lassen Sie einzelne Stichworte weg. Manchmal führt dies
zu überraschenden Resultaten.
© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten
