Kochen im Zoo
Tierisches Festessen
Wollen Sie sich demnächst einen Elefanten zulegen? Vorsicht: Die Menüpreise sind ruinös. Billiger fahren Sie mit einem Tukan.

(Bild: Niklaus Spoerri)
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Nie sind meine Katzen freundlicher, als wenn ich den Schrank öffne, in dem sich die Futterdosen befinden. Die Büsi streichen mir ungeduldig um die Beine, miauen oder schnurren um die Wette. Ähnliches passiert im Zoo: Wenn der Tierpfleger im Elefantenhaus Futter bereitlegt, hören das die Tiere und drücken den Rüssel an der Tür platt. Und wenn die Dickhäuter dann reindürfen, muss der Pfleger aufpassen, dass er nicht überrannt wird.
Die kulinarische Exkursion in den Zürcher Zoo beginnt im Kühlhaus - bei frostigen minus 23 Grad. Hier lagern tiefgefroren die Vorräte für alle Fleischfresser: Fische, Hühner, Kaninchen, Mäuse, Ratten, halbe Rinder. In anderen Räumen stapeln sich neben Silos mit Kraftfutter Kisten voller Früchte und Gemüse, säuberlich nach Tierart geordnet.
Für die Elefanten liegt nebst Heu und Stroh in einem Rollwagen eine ansehnliche Menge Fenchel, Rüebli, Lauch, Stangensellerie, Blumenkohl, Tomaten, Orangen, Birnen und Äpfel parat - durchwegs frische Ware von guter Qualität. 10 bis 15 Kilogramm Futter verschlingt ein erwachsenes Tier pro Tag; dazu gibt es Brot und Futteräste, die nebenbei der Beschäftigung und der Zahnpflege dienen. Das Wasser wird an Tränken angeboten: 100 bis 250 Liter pro Tier und Tag.
Bei den Tischmanieren haperts
Tierpfleger Carlo Cathomen gibt mir eine Banane, damit ich sie der einjährigen, 500 Kilo schweren Farha anbieten kann. Bananen sind Dickmacher und werden nicht verfüttert - sie dienen lediglich als Belohnung. Die Kleine hat den Geruch schnell wahrgenommen und langt mit ihrem Rüssel durch die Gitterstäbe. Zielstrebig kringelt sich ihr Rüssel zu meiner Hand hin und greift mit dem feuchten Ende nach der Frucht. Der Happen ist schnell weg und der Besucher nur noch halb so interessant.
Etwas abseits steht die Mutter Ceyla Himali. Die 31-jährige, dreieinhalb Tonnen schwere Elefantenkuh hat sich noch nicht entschieden, ob sie zuerst Fenchel oder Randen fressen will. Als Vorspeise gibt es deshalb einen Ast. Mit dem Fuss beschwert Ceyla Himali das dünne Ende, während sie mit dem Rüssel die Blätter
abzieht. Farha spielt mit einem Apfel, den sie vergeblich zu fassen versucht. Immer wieder rollt er davon. Schliesslich wird es ihr zu bunt: Sie hebt ein Bein und drückt den Apfel flach wie eine Briefmarke.
Jedes der Tiere habe seinen eigenen Essbereich, der von den anderen respektiert werde, sagt Carlo Cathomen. Nur der männliche Elefant muss strikt vom Rest der Tiere getrennt werden; das gilt vor allem in der Zeit der Musth, wenn der Bulle übermässig viel Testosteron produziert und deshalb sehr aggressiv ist. Elefanten sind Herdentiere und gewohnt, einem Chef zu gehorchen. Fehlt der Bulle, übernehmen die Tierpfleger die Rolle der Leittiere, und das wird in aller Regel auch respektiert.
Nach einer Viertelstunde sind Gemüse, Früchte und Äste, die vorher ordentlich auf einem Haufen lagen, über den gesamten Boden verteilt. Chaos im Elefantenhaus! Doch Carlo Cathomen macht sich keine Sorgen: «Die Tiere haben 15 Stunden Zeit, um aufzuräumen. Bis zur nächsten Fütterung haben sie alles gefressen und gleichzeitig ein paar Misthaufen gesetzt.»
Wie man einen Tukan übers Ohr haut
Wenn Michael Wüst im Regenwaldhaus Futter für Rotkopfstärlinge, Trompetervögel, Zwergwachteln oder Tukane vorbereitet, fühlt man sich fast wie in einer konventionellen Restaurantküche: Rund zwei Dutzend verschieden grosse Teller stehen parat, auf denen der Tierpfleger Salat, Gemüse, Früchte und Kräuter verteilt - je nach Vorliebe seiner Kostgänger. 78 verschiedene Zutaten verarbeite er jede Woche, erzählt Wüst, während er zur Dekoration eine Hand voll Mehlwürmer und Maden auf die Teller verteilt. Der Vergleich mit der Restaurantküche ist wohl doch nicht so zutreffend.
Wir statten dem Tukan einen Besuch ab, der wegen seines grossen bunten Schnabels schon in manchem Kinderbuch die Hauptrolle spielte. Im Zürcher Zoo leben Tukane gemeinsam mit Schnurrbarttamarinen im gleichen Gehege; damit die Affen den Vögeln nicht ans Futter gehen, müssen sie zuerst gefüttert werden. Eine Tamarinenmutter schaut neugierig aus ihrem Häuschen, um sich dann mit ihrem Jungen auf dem Rücken schwungvoll zum Teller mit den Leckerbissen zu hangeln.
Die Tukane hingegen machen sich nicht so locker ans Fressen: Die Vögel sind scheu und gestresst durch den unbekannten Besuch. Misstrauisch beobachten sie die ungewohnte Situation, ohne sich dem Teller mit dem Futter zu nähern. Schliesslich wagt sich einer vor: Er pickt einen Happen mit der Spitze seines Schnabels, wirft ihn in die Luft und fängt die Portion mit weit geöffnetem Schnabel auf.
Der Reifegrad der Früchte ist für den Tukan übrigens von zentraler Bedeutung: Wie der Mensch isst der Vogel mit den Augen. Es gilt die Gleichung «Rot gleich reif, reif gleich essbar». Was er nicht weiss: Michael Wüst überlistet ihn, indem er die ganze Portion mit Randensaft einfärbt.
Rezepte
Die bisher im Beobachter erschienenen Artikel von Röbi Koller samt den dazugehörigen Rezepten finden Sie hier.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 26. Apr 2006 - Alle Rechte vorbehalten








