Kochen mit Kurt Aeschbacher
Auch am Herd im Bild
Die Mail des Fotografen vor diesem Treffen hatte mir zu denken gegeben. Er freue sich «auf das Duell der TV-Moderatoren», liess er verlauten. Ich fragte mich, wie es wohl sein würde, den Kollegen Kurt Aeschbacher zu interviewen. Zu gut kenne ich die Situationen, in denen Platzhirsche gegenseitig um Redezeit kämpfen und keiner mehr zuhört.

(Bild: Niklaus Spoerri)
Nebenartikel
Artikel zum Thema
Die Begegnung mit Kurt Aeschbacher verläuft überraschend ruhig. Der Mann, der seit mehr als 25 Jahren beim Schweizer Fernsehen arbeitet und den wir zu kennen glauben wie unseren Nachbarn, wohnt mitten in der Stadt Zürich. Seine herrschaftliche Wohnung bezeichnet er als «gäbig», doch es ist nicht zu übersehen: Sie ist so geräumig, dass man sich «gäbig» darin verlaufen könnte.
Wir arbeiten in der Küche, die, wie alle anderen Zimmer, grosszügig mit Kunst behängt ist. «Das ist Hobby und Altersvorsorge in einem», sagt Aeschbacher, «wenn mal nichts mehr geht, kann ich das eine oder andere Werk verkaufen.» Mein Vorschlag, eine Galerie zu eröffnen, um die Schätze einem breiten Publikum zugänglich zu machen, begeistert ihn jedoch nicht: «Ich bin egoistisch und möchte die Bilder lieber selber anschauen.»
Ländliche Idylle mitten in der Stadt
Ein überraschendes Bild zeichnet das Fenster, das den Blick auf eine Weide freigibt. Kaum zu glauben, dass man sich gleich hinter dem Bahnhof Enge befindet, wo Züge, Trams und Motorfahrzeuge für ein urbanes Feeling sorgen. Geschäftigkeit und Lärm sind hier wie weggeblasen, und es scheint, als wache der Üetliberg über die letzten städtischen Grünflächen.
Kurt Aeschbacher hat seine Erfahrungen, die er vor Jahren mit der Spitzenköchin Elfie Casty in der TV-Sendung «Karussell» gemacht hat, nicht vergessen. Er überlässt nichts dem Zufall. Der Fotograf soll die Abläufe sauber dokumentieren können und dabei keine Nebensächlichkeiten vor die Linse bekommen. Unser Gastgeber hat sogar eine zweite Suppe vorbereitet, damit wir die einstündige Kochzeit überspringen können.
Diesen Sommer spielt Aeschbacher wieder einmal den Fernsehkoch. Im Juli und im August wird er, anstatt im Studio zu talken, mit jungen talentierten Küchenchefs mit einer fliegenden Küche in der Schweiz unterwegs sein wird. Haute Cuisine im Open-Air-Ambiente.
Die spanische Suppe, die heute auf dem Menüplan steht, gibt wenig zu rüsten. Dafür räumt der Gastgeber immer wieder auf und arrangiert die Zutaten. Die Mise-en-place geschieht in Porzellan- oder Glasschalen. Hier werden weder Plastikbehälter noch Kartonverpackungen toleriert.
Die Rolle des Gastgebers spielt Kurt Aeschbacher leidenschaftlich – wenn auch nicht überall mit den gleichen Prioritäten. Im Restaurant Zuppamundial, das er vor kurzem im Zürcher Kreis 5 eröffnet hat, möchte er nicht an der Front arbeiten. Ihn habe vor allem gereizt, das Konzept zu entwickeln und umzusetzen, sagt er.
Und wenn Gäste kommen, die den TV-Moderator persönlich treffen möchten? «Das ist ihr Problem, nicht meins», meint Kurt Aeschbacher. Anders ist dies beim Fernsehen: Dort präsentiert er seine wöchentliche Talkshow wie eh und je vor der Kamera.
Die Liebenswürdigkeit hat Grenzen
Kurt Aeschbacher erweckt den Eindruck, ein sanfter und verständnisvoller Mensch zu sein. Das ist nicht falsch – und doch gibts Grenzen. Wenn ein Journalist eine Geschichte schreibt über «teure Bubenträume» von reichen Männern und dabei Aeschbacher im gleichen Satz neben Tito Tettamanti und Ernst Beyeler anführt, dann droht sein Geduldsfaden zu reissen. Und wenn der grösste Teil der Story, in der ihm in seiner Karriere «finanzielle Disaster» unterschoben werden, frei erfunden sei, dann holt Aeschbacher seinen Anwalt zu Hilfe: «Findest du das übertrieben?», fragt er, nachdem er den Journalisten kurz am Telefon hatte. Die Frage ist wohl rhetorisch gemeint, denn ich spüre bei ihm keine Unsicherheit, sondern habe das Gefühl, es sei ihm sehr ernst dabei.
Die ersten Auftritte vor Publikum hatte Aeschbacher bereits mit zehn Jahren. Wenn die Eltern spätabends Freunde mit nach Hause nahmen, schlich Kurt aus dem Bett und servierte den Gästen Cervelat und Landjäger, kunstvoll arrangiert auf einem Teller. Damals muss er erstmals gespürt haben, dass es eine Verwandtschaft gibt zwischen Gastronomie und Showbusiness.
Kurt Aeschbachers Mutter pflegte eine gute Küche und sorgte dafür, dass man gemeinsam am Tisch sass. Das hat bei Kurt Spuren hinterlassen: «Ich bin vielleicht altmodisch, aber ich kann es nicht ausstehen, wenn sich die Leute einzeln verpflegen wie die Vögel auf meinem Fensterbrett.»
Wenn er am Herd stehe, sagt Aeschbacher, sei er oft am Experimentieren: «Manchmal wirds chaotisch: Entweder habe ich beim Einkaufen die Hälfte vergessen oder weiss nicht genau, wie viele Gäste kommen werden.» Stur nach Rezept zu kochen sei nicht sein Ding. Er gehe nach seinem Gspüüri und verwende die Zutaten, die gerade vorhanden seien. «Nicht immer mit Erfolg», fügt er noch bei.
Heute gibts hoffentlich nichts zu klagen. Kurt ruft uns in väterlicher Sorge zu Tisch: «Kommt, Buben, das Essen ist bereit.» Die Suppe sieht mit den (essbaren) Blumen nicht nur hübsch aus, sondern schmeckt auch vorzüglich. Der Ärger über den Journalisten scheint fast vergessen.
© Beobachter Ausgabe 13 vom 24. Jun 2004 - Alle Rechte vorbehalten








