Nachlese
Affäre hinter dem Silberrücken des Chefs
Der Wert der Familie und die guten Sitten seien bedroht, geht heute oft die Klage. Dass auch bei den Gorillas im Zoo die Traditionen aufgemischt werden und der Seitensprung geübt wird, ist hingegen neu.

(Bild: Zoo Basel)
Die 68er schafften bekanntlich die Sexualmoral ab. Wer mehr als einmal mit der gleichen Frau beziehungsweise dem gleichen Mann intimen Kontakt hatte, gehörte bereits zum Establishment. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass diese Irrlehre auf unsere nächsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, übergreift. Ein Gentest hat den «Silberrücken» Kisoro, 17, als gehörnten Patriarchen der Gorilla-Grossfamilie im Basler Zolli entlarvt. Wima, der Mutter der heute dreijährigen Chelewa, haftet seither der Makel der promiskuitiven Kommunardin an.
Für die Basler Zoologen ist es eigentlich keine Überraschung, dass es so weit kommen konnte. Üblich ist gemäss Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich, dass die Weibchen jeweils die Initiative zum Schäferstündchen ergreifen. Allerdings hat Wima die Sache übertrieben: Sie hat sogar den Betreuern eindeutige Zeichen gegeben - hinter dem silbernen Rücken von Clanchef Kisoro. Klar auch, dass der heute neunjährige Viatu auf die Anmache der gleichaltrigen Wima reagierte - wer eine Gelegenheit nicht nutzt, den bestraft das Leben.
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Das süsse Geheimnis verteidigt
Doch wenn ein raffiniertes Weibchen wie Wima mitmischt, können sich die Zoologen nicht auf die natürliche Ordnung im Affenclan verlassen. Da Gorillas bedroht sind und sich der Zoo Basel am europäischen Erhaltungszuchtprogramm beteiligt, muss über die Vaterschaft absolute Gewissheit herrschen, sonst droht die Gefahr der Inzucht, wenn Tiere in andere Zoos verlegt werden. Der Gentest drängt sich auf. «Wima zeigte sich höchst unkooperativ, als die Betreuer Haare und Kot von ihrem Jungtier holen wollten», sagt Tanja Dietrich, «man musste sie überlisten, um an Chelewa heranzukommen.» Wima muss geahnt haben, dass diese Proben gar manches ans Licht bringen würden.
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© Beobachter Ausgabe 13 vom 25. Jun 2008 - Alle Rechte vorbehalten





