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Nachlese

Die Invasion der Edelweisse

Text:
  • Edith Lier
Bild:
  • Michael Leuenberger
Ausgabe:
3/07

Sie gelten als rare, kostbare Symbole einer heilen Bergwelt. Dabei sind Edelweisse längst zur Massenware geworden. Denn findige Firmen wollen ihre Heilkraft nutzen.

(Bild: Michael Leuenberger)

Der Zuchtversuch mit der einsamen Königin der Alpen treibt nach zehn Jahren erste Blüten. Einem Team der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) ist es mit Hilfe eines Kreuzungsprogramms gelungen, das Edelweiss zu domestizieren. Die Sorte trägt den Namen Helvetia und soll für den Anbau im Berggebiet wie geboren sein. «Die erste Ernte vermochte die Erwartungen der Agronomen und Produzenten zu erfüllen», zieht Claude-Alain Carron von der ACW Bilanz.

Das Edelweiss hat es in sich: Die robuste Wildpflanze entfaltete im Lauf der Entwicklung zu ihrem eigenen Schutz verschiedene Stoffe, die beim Menschen entzündungshemmend wirken und die Haut schützen. Vor allem die Kosmetik- und die Lebensmittelindustrie versprechen sich von der Kultivierung lukrative Absatzchancen. Vereinzelt werden schon heute Sonnenschutzmittel und Cremen mit rein biologischen Edelweissextrakten als Labsal für die Haut angepriesen. So wirbt die Weleda AG in Arlesheim BL mit dem Slogan: «Das Edelweiss weiss, wie man sich vor Sonne schützt.»

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Schon seit 1878 geschützt
Das auf anthroposophische Naturheilmittel und Kosmetika spezialisierte Unternehmen versuchte schon 1994, den Wirkstoffen der Wildpflanze auf die Spur zu kommen. Mit Erfolg: Heute pflanzen im Auftrag der Firma verschiedene Bergbauern im Wallis die putzig-pelzigen Silbersterne an. Weitere Höhenversuche sollen stofflichen Analysen dienen und Aufschluss über die Entwicklung der Pflanze geben.

Heil dir, Helvetia: Vorbei die Zeiten, als wagemutige Bergsteiger Kopf und Kragen riskierten, um an Felswänden eines der immerweissen Glückssymbole zu erheischen, die in der Schweiz seit 1878 geschützt sind. Heute wachsen die kultivierten Edelweisspflanzen in Reih und Glied und blühen züchtig zur selben Zeit.

Edelweissextrakte sollen den Konsumenten nicht nur in Töpfchen und Tuben schmeicheln, sondern auch Genussmittel veredeln. Die Vinothek Vuithier in Langenthal BE etwa bietet als Weltpremiere einen Bio-Edelweisslikör an. Eine weitere Weltexklusivität beschert uns das Freiburger Unternehmen Villars: Edelweisstränen aus Milchschokolade, mit Bergblumenlikör gefüllt. Helvetischer kann Schweizer Schokolade gar nicht sein.

© Beobachter Ausgabe 3 vom 31. Jan 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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