Nachlese
Hols der Düppel!
Wenn eine Regenfront erscheint, wo gar keine sein kann, sehen Meteorologen alt aus. Des Rätsels Lösung: Düppel. Auf den Spuren eines nicht alltäglichen Phänomens.

(Bild: Meteo Schweiz)
Volksmund weiss: Irren ist wetterfröschlich. Doch nicht immer sind fehlerhafte Vorhersagen der Meteorologen auf Unvermögen zurückzuführen. Manchmal hat etwas namens Düppel Schuld. So auch am 7. Februar dieses Jahres, als der Radar von Meteo Schweiz eine unerklärliche Regenfront über dem Mittelland verzeichnete und damit die vorherrschende Schönwetterlage in Misskredit, Wetterfrösche zum Staunen und Verschwörungstheoretiker zum Munkeln brachte.
Düppel. Düppel? Ein schönes, fast schon wohlklingendes Wort. Nur: Heisst es das Düppel? Vielleicht die Düppel? Oder gar der Düppel? Und vor allem: Was zum Teufel sind Düppel?
Düppel ist ein Verwandlungskünstler, schmückt sich mit verschiedenen Artikeln und damit auch unterschiedlichen Bedeutungen: Das Düppel etwa ist ein Quartier des Berliner Stadtteils Berlin-Zehlendorf und gehört zur Gattung der Freilichtmuseen. Da Siedlungsstätten mit musealem Charakter gemeinhin nicht im Verdacht stehen, Regenfronten zu erzeugen, muss weitergeforscht werden.
Hauptverdächtiger: das Militär
Die Düppeler Schanzen, ebenfalls ein geographischer, wetterfreier Begriff, schützten den Übergang zur Insel Alsen und zur dänischen Stadt Sonderburg. Sie waren am 18. April 1864 Schauplatz der entscheidenden Schlacht im Deutsch-Dänischen Krieg - mit positivem Ausgang für die Preussen, nicht jedoch für unsere Forschung nach dem Wesen des Düppels.
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Heute wird der Düppel nicht nur in militärischen Versuchen, sondern auch in der Atmosphärenforschung eingesetzt, etwa um hochatmosphärische Luftströme zu vermessen. Giftig, schädlich oder umweltschädlich sind die Geisterwolken, entgegen weit verbreiteten Verschwörungstheorien, aber nicht.
Da die Urheberschaft der Wolke vom 7. Februar nicht bekannt ist, darf mit Fug und Recht davon ausgegangen werden, dass es sich um eine streng geheime militärische Aktion gehandelt hat. Der Name Düppel wurde den Stanniolstreifchen übrigens von den deutschen Militärs verliehen. Weil - und hier schliesst sich der Kreis - die Verschleierungstechnik eben in Berlin-Düppel getestet wurde.
© Beobachter Ausgabe 7 vom 02. Apr 2008 - Alle Rechte vorbehalten
