Nachlese
Kein Eintrag unter diesem Namen
Das gabs noch nie in der Geschichte des Schweizer Telefonbuchs: Erstmals fehlt in einem Swisscom-Verzeichnis eine ganze Seite. Die Betroffenen nehmen die Panne gelassen.

(Bild: Georgios Kefalas)
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Zwimpfer Monika hat es «natürlich» sofort gemerkt. Auch Zwiglin Doris hat «grad reingeschaut, als es im Briefkasten lag», und den Fehler gesehen. Und Zurkinden Rösly sagt, sie sei «eine der Ersten gewesen, die angerufen und reklamiert hat». Was die drei Baslerinnen gemeinsam haben: Sie fehlen im neuen Stadtbasler Telefonbuch - wie weitere 169 Private und 13 Firmen mit insgesamt 214 Festnetz-, Fax- und Mobilanschlüssen. Zürcher Sybille bis Zytynska Sylwia sind unauffindbar, quasi ihrer kommunikativen Identität beraubt.
Seite Nummer 635, die allerletzte, ging irgendwie bei der Datenübermittlung in die Druckerei verloren. «Wo der Fehler passiert ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren», sagt Swisscom-Directories-Sprecher Martin Lüthi. «So etwas ist in der 126-jährigen Geschichte des Telefonbuchs in der Schweiz noch nie vorgekommen.»
Die Aussagen der drei zufällig herausgepickten Betroffenen belegen: Auch im Internet-Zeitalter wird das Telefonbuch immer noch gelesen - auch wenn Zysset Hellmuth sagt: «Heutzutage schaut doch jeder die Nummern im Internet nach.» Immerhin räumt der Getränkehändler ein, dass er von einem Kunden darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sein Eintrag fehlt - notabene von einem, dessen Nachname ebenfalls mit Z beginnt und der selbst betroffen ist. Trotzdem fürchtet Zysset keinen Kundenverlust: «Wer mich finden will, der kann dies auch.» Wie bei Zwiauer Helena geschehen: Sie erhielt einen Anruf eines Kollegen, der ihre Nummer vergeblich gesucht hatte und im alten Telefonbuch nachschaute.
Der Directories-Sprecher sagt zwar dem Beobachter, man habe den Fehler selber bemerkt, aber Mitte Mai die laufende Verteilung nicht mehr stoppen können. Allerdings betonen sowohl Zurkinden Rösly wie auch Zwiglin Doris, sie hätten reklamiert - und dann einfach ein zweites unvollständiges Telefonbuch gekriegt. Erst im zweiten Anlauf habe die Swisscom realisiert, dass die Seite nicht nur in einzelnen Büchern fehlt, sondern in der ganzen Auflage von 155’000 Exemplaren. «Dass man mich zuerst nicht ernst genommen hat, hat mich schon verärgert», berichtet Zurkinden.
Eine Fotokopie als Entschuldigung
Immerhin: In der Zwischenzeit haben sämtliche rund 200 Betroffenen einen Entschuldigungsbrief erhalten, samt einer Fotokopie der fehlenden Seite. Alle anderen Baslerinnen und Basler hingegen müssen sich mit einer Beilage zum Gratisblatt «Baslerstab» behelfen, die fehlende Seite aus dem Internet herunterladen - oder ein Jahr warten, bis das nächste Basler Telefonbuch erscheint.
© Beobachter Ausgabe 18 vom 30. Aug 2006 - Alle Rechte vorbehalten








