Nachlese
Spinnertes Warnsystem
Aus heiterem Himmel bremste im deutschen Weil am Rhein eine Nebelmeldung die Autobahnbenutzer. Grund der Verwirrung: eine Spinne.

(Bild: Gilbert Projer)
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Das Terrain ist flach, die Strecke gerade: Das deutsche Autobahnstück bei Weil am Rhein lockt zur freien Fahrt. Rund zwölf Millionen Fahrzeuge passieren die Strecke im Jahr.
Pfingstsamstag. Der Feiertagsverkehr fliesst unter strahlender Sonne. Kurz nach 15 Uhr ein überraschendes Signal: Tempo 40 wird angezeigt, ein Grund dafür ist nicht in Sicht. Um 15.40 Uhr gehen bei der Polizei die ersten Beschwerden ein. Sofort rückt eine Streife aus – ein kurzer Blick auf den Wettermelder offenbart das Corpus Delicti. Es handelt sich um einen Gliederfüsser, der dem menschlichen Fortkommen ansonsten kaum hinderlich ist. Eine Spinne hatte ihr Netz über den Sensor gelegt – und dieser meldete pflichtgemäss Nebel.
Details des Tathergangs waren kaum zu eruieren. Die Uniformierten taten, was Menschen in einer solchen Situation eben tun: Sie entfernten die Kreatur und ihr Werk auf der Stelle.
Spinnen als Komplizen von Dieben?
Samuel Zschokke vom Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel zieht als Verursacherin eine Baldachin- oder eine Kugelspinne in Betracht: «Anders als eine Radnetzspinne bauen diese ihr Netz sehr dicht. Regendach und Seitenwand eines Messgeräts bieten dem Geflecht den idealen Halt.»
Spinnen haben bis zu acht Augen, vier Beinpaare, und ihr Spinnapparat befindet sich am Hinterleib. Sie sind diskrete Mitspieler unserer Meldesysteme. Ab und zu ist auch der Wetterkanal im Schweizer Fernsehen davon betroffen – die Beeinträchtigung sei allerdings «gering», wie von den Verantwortlichen betont wird. Wie viele Einbrecher bislang dank dergestalt verhüllten Überwachungskameras unerkannt blieben, ist nicht bekannt.
Das hiesige Autobahnnetz aber kann von Spinnen nicht beeinträchtigt werden. Das in Deutschland übliche Warnsystem ist hierzulande nicht in Gebrauch. 105 Kameras überwachen die 210 Kilometer lange Autobahn des Nebelkantons Aargau; Fritz Häusermann von der mobilen Einsatzpolizei betont, dass noch kein Gerät je von einer Spinne besetzt worden sei. «Die Kameras sind wohl in zu grosser Höhe montiert», mutmasst er. «Möglicherweise wird es den Tierchen da oben schwindlig.»
So bleibt der Durchblick in unserem Land gewahrt. Zumindest auf den aargauischen Autobahnen. Was auf der Strecke bleibt: die Langsamkeit schenkende Versponnenheit.
© Beobachter Ausgabe 14 vom 08. Jul 2004 - Alle Rechte vorbehalten








