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Schlusspunkt

Ente gut, alles gut

Text:
  • Beat Grossrieder
Bild:
  • Luca Schenardi
Ausgabe:
2/08

«Allmählich durchschaute ich, was für ein Spiel Baumer mit mir trieb. In mir hatte er einen treuen Kunden entdeckt, der - weil der Mechanik unkundig - ihm alles glaubte.»

(Bild: Luca Schenardi)

Vor Jahren kaufte ich einen Citroën 2CV, eine «Ente». Ein solches Gefährt braucht auch den richtigen Garagisten, bei dem man es in guten Händen weiss. Nach etlichen Anläufen fand ich IHN - nennen wir ihn Baumer - und seine Hinterhofwerkstatt, irgendwo im Mittelland. Die Bruchbude schien dem Lehrbuch der Unfallverhüter Suva zu entstammen, aber Baumer selbst, ein kleiner Mann in ölverschmiertem Overall, gab sich so rührig, dass ich ihm in die Falle ging.

Die ersten Aufträge gingen gut - Service, Winterreifen, neues Dach. Weniger erfreulich fiel die Höhe der Rechnung aus, aber Qualität hat ihren Preis, dachte ich. Doch dann ging immer mehr schief: Kaum hatte ich das Auto abgeholt, fiel der Scheibenwischer aus; nach dem Wintercheck war der Blinker tot; nach dem grossen Service (1'000 Franken) stotterte der Motor, so dass am dritten Rotlicht Feierabend war und ich den Pannendienst brauchte. Und als ich das Auto vorführen wollte, lachte sich der Experte schief ob der Rostflecken («Die Masern!»), obwohl der 2CV frisch aus der Werkstatt kam.

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Allmählich durchschaute ich, was für ein Spiel Baumer mit mir trieb. In mir hatte er einen treuen Kunden entdeckt, der - weil der Mechanik unkundig - ihm alles glauben musste. Gekonnt flickte Baumer mein Auto so, dass es wenig später wieder bei ihm über die Schwelle rumpeln würde. Zwar beschwerte ich mich immer enervierter - doch das Einzige, was besser wurde, waren Baumers Ausreden. «Das ist doch eben noch gelaufen; wahrscheinlich waren nur die Kerzen feucht vom Regen; Sie haben wohl den Kaltstarter nicht gezogen; das Ersatzteil ist fehlerhaft...»

Bald fuhr ich im Zweiwochenrhythmus zur Werkstatt. Das hatte auch seine unerwartet schönen Seiten: Um das Auto zu holen und zu bringen, musste ich vom Bahnhof zur Garage eine Strecke von gut fünf Kilometern bewältigen. Taxi? Zu teuer. Bus? Zu mühsam. Ich beschloss, den Weg mit den Rollerskates zu fahren. Je öfter mein 2CV in Pflege war, desto öfter kam ich zum Skaten. Meine Technik verbesserte sich sprunghaft, bald konnte ich Pirouetten drehen und rückwärts fahren. Und ich begann, für die vielen Zugfahrten Bücher einzupacken; Robert Musil, Umberto Eco, Platon - all jene Wälzer, die ich schon immer lesen wollte, aber nie Musse dazu fand. Kurz: Ich wurde sportlich und gebildet, brachte Körper und Geist in Einklang wie ein Jogameister - Baumer sei Dank. Zum nächsten, konsequenten Schritt war es dann nicht mehr weit: Ich habe die «Ente» kürzlich verkauft.

© Beobachter Ausgabe 2 vom 23. Jan 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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