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Schlusspunkt

Wann ist ein Mann ein Mann?

Text:
  • Balz Ruchti
Bild:
  • Luca Schenardi
Ausgabe:
21/07

Sonntags zum Fussball zu gehen, das verspricht irdische Freuden am Tage des Herrn: Bier und Wurst und Schlachtgesang. Ich schlendere frohgemut durch den gelbschwarzen Reigen zum Sektor D. «Taschen leeren.» Dass der Stiernacken am Eingang in mir eine mögliche Bedrohung sieht, ist irgendwie schmeichelhaft.

Ein Ritterschlag gegenüber den pubertierenden Rabauken, die sich bemühen, grimmig dreinzublicken, und trotzdem mit Nichtbeachtung gestraft werden. Innerlich lächelnd fange ich an auszupacken: Zigaretten, Feuerzeug, iPod, Handy, Schlüsselbund, Sonnenbrille mit Etui und Portemonnaie. Der Türsteher grunzt müde und wendet sich einem anderen zu. Wars das? Kein Abtasten? Ich mustere meinen Kram. Nein, das sind wahrlich nicht die Insignien eines Kriegers. Wäre jetzt Winter, würden Papiertaschentücher, Lippenpomade und irgendwelche Hustenpastillen die Auslage komplettieren. Abgesehen vom iPod sieht es aus, als hätte meine Oma ihre Handtasche ausgeleert.

Meine Oma. «Ein rechter Bub hat ein Sackmesser bei sich», pflegte sie zu sagen, «ein Taschentuch und ein Stück Schnur.» Ein rechter Bub ist einer, der sich selbst zu helfen weiss. Hätte er eine stark blutende Wunde, würde er aus Schnur, Nastuch und Messer einen Druckverband basteln. Und weiterarbeiten. Ich habe nichts von alledem. Meine Habseligkeiten zeichnen ein ganz anderes Bild. Würde ich hier und jetzt plötzlich das Zeitliche segnen und jemand müsste meine Accessoires zusammenklauben, wäre ihm sofort klar, dass da ein Stadtschnösel zu Tode kam. Ein williges Opfer von Konsumtrends und Markenkult, das lieber jemanden anruft, statt sich selbst zu helfen. Schlimmer noch: Einer, der sich von der Welt abkapselt, indem er seine Sinne mit Kopfhörern und getönten Gläsern dämpft - als ob er sich in den Mutterbauch zurücksehnen würde.

Unterdessen hat die Partie begonnen, und meine Laune bessert sich. Zur Pause führt YB bereits mit zwei zu null. Ich sende den Halbzeitstand per SMS an ein paar Kumpels. Ich wette, die haben auch kein Messer. Oder kein richtiges, höchstens so ein spiessiges Offiziersmesser. Am Ende noch mit USB-Stick! Weicheier.

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© Beobachter Ausgabe 21 vom 10. Okt 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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