Stichworte
Spiele-Entwicklerin
Skihüttentauglich muss es sein
Stefanie Rohner erfindet zusammen mit ihrem Partner Spiele. Die besten Ideen für ein erfolgreiches Spiel liefert ihr der Alltag.
«Spieleentwicklung ist keine romantische Angelegenheit, sondern ein knallhartes Business», sagt Stefanie Rohner. Gemeinsam mit ihrem Partner Christian Wolf erfindet sie seit über 20 Jahren Spiele. Die Ideen gehen dem Autorenpaar nie aus, das Leben bietet ihnen Anreize en masse. Von Anfang an grosses Potential haben laut Stefanie Rohner Spielideen, die auf konkreten Bedürfnissen basieren. «Zum Beispiel auf Themen, die uns selber interessieren.» So hätten sie sich einst die Frage gestellt, wie eigentlich Schokolade hergestellt werde, woraus das Spiel «Schokohexe» entstanden sei. Oftmals definiert das Paar aber zuerst seine Zielgruppe: «Wir überlegen uns, wen wir ansprechen wollen, und recherchieren, was diese Leute interessiert.» Vom Zeitpunkt der konkreten Idee bis zum fertigen Produkt vergeht mindestens ein Jahr. «Es ist wie das Schälen einer Zwiebel: Schicht für Schicht fällt weg.»
Übrig bleibt schliesslich nur der Kern - ein möglichst einfaches Spiel notabene, damit die Spieler nicht lange über den Regeln brüten müssen. Neben der Einfachheit sind Rohner auch Kriterien wie Spannung und Wetteifer wichtig. Ausserdem sollten möglichst alle Spieler ständig integriert sein; auch die Verlierer dürften nicht zu früh ausscheiden. Beliebt seien auch Spiele, die «skihüttentauglich» seien, «solche, die mit viel Humor die richtige Stimmung bringen». Komplexität und Abstraktes haben keinen Platz.
Um herauszufinden, ob ihre Spiele diese Kriterien erfüllen, probieren Rohner und Wolf diese aus - ein wichtiger Teil der Arbeit. Die Erfinderin erklärt anhand eines Beispiels: «Beim Goldrauschspiel ‹Klondike› wollten wir unbedingt die typische Bewegung der Wäscher imitieren. Die Spielenden sollten sich in das Gefühl der Goldsucher hineinversetzen können und ebenso vom Goldrausch erfüllt werden.» Das passiert ganz schnell, wenn sie die Kiesel und Nuggets in Schwung bringen wie eine Münze beim Talerschwingen. Fallen die schwarzen oder die goldenen Holzkugeln aus dem Aluminiumteller? Bis dieser Mechanismus aber überhaupt funktionierte, hatten die beiden unzählige Experimente mit verschiedenen Materialien durchgeführt.
Den fertigen Prototyp ihrer Idee präsentieren sie schliesslich einem Verleger. «Häufig ist es eine schwierige Aufgabe, diesen zu überzeugen», erzählt Rohner. Nicht zuletzt, weil auch Techniker und Graphiker die Ideen umsetzen können müssen. Bei «Klondike» hat es funktioniert.
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 26 vom 19. Dez 2007 - Alle Rechte vorbehalten
