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Asylunterkunft

Öffentliche Hand macht die Faust

Text:
  • Marc Caprez
Ausgabe:
16/04

Die Schwyzer Familie Späni beherbergte jahrelang Asylbewerber – im Auftrag von Kanton und Gemeinden. Jetzt lassen die Behörden das Ehepaar im Stich.

Prächtig und zum Greifen nah heben sich die Urner Alpen aus dem imposanten Alpenpanorama. Der Blick von der Pension Sonnenberg in Sattel SZ, wo während 18 Jahren Asylanten untergebracht waren, zeigt die Schweiz von der Schokoladenseite. Ein weit unerfreulicheres Bild bietet sich im Innern des Hauses: Fenster und Türen sind kaputt, Thermostaten an den Radiatoren fehlen, Lavabos sind beschädigt, Wände und Dielen verdreckt. Die jahrelange Nutzung durch Asylsuchende hat Spuren hinterlassen. Schriftlich hielt der Gemeindeweibel von Rothenthurm fest, «dass massive gewalttätige Sachbeschädigungen vorhanden sind». Gemäss Offerten betragen die Sanierungskosten rund 60000 Franken.

Zuerst gabs noch Dankesschreiben


Für die Kosten will niemand geradestehen. «Kanton und Gemeinden schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu», ärgert sich der 73-jährige Josef Späni, Eigentümer des beschädigten Hauses.

Während fast zwei Jahrzehnten haben sich die Spänis weit über Gebühr engagiert, wie eine Aktennotiz der Gemeinde Sattel belegt: «Sehr bedankenswert sind auch ihre Bemühungen und die gute Betreuung der Asylanten sowie die Zusammenarbeit mit den Behörden.»

1986 hatten Josef und Susanne Späni dem Kanton Schwyz bei der Suche nach Unterkünften für Asylsuchende aus der Patsche geholfen. Da sich die Nutzung des ehemaligen Kinderheims Sonnenberg als Pension nicht verwirklichen liess, schloss das Paar mit dem Kanton einen Vertrag.

Spänis erhielten vom Kanton pro untergebrachten Asylbewerber eine feste Tagespauschale. Diese sollte die Kosten für Unterbringung und Verpflegung decken. Die Betreuung der Asylsuchenden war alleinige Aufgabe des Kantons. Dieser wurde verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen, die Instandstellungsarbeiten und Beschädigungen von Mobiliar, Einrichtungen und Immobilien deckt. «Diese Klausel war mir sehr wichtig», betont Josef Späni. «Ich wusste von anderen Fällen, dass mit Schäden zu rechnen war.»

Heute fühlt sich der Kanton Schwyz nicht an die Vereinbarung von 1986 gebunden. Die Asylbetreuung und somit der alte Vertrag seien auf die Gemeinden Sattel und Rothenthurm übergegangen. «Der Kanton hat seit 1988 keine Asylsuchenden mehr in der Pension Sonnenberg untergebracht», sagt Peter Schmid, Abteilungsleiter Soziales. Die Gemeinden müssten die Ansprüche der Familie Späni prüfen.

Kanton und Gemeinden klemmen


Der ursprüngliche Kontrakt ist aber nie aufgelöst respektive angepasst worden. Gekündigt wurde der Vertrag erst, als die Spänis Anfang 2004 gegenüber dem Kanton Schwyz Forderungen stellten. Ein Umstand, der Josef Späni erst recht in Rage bringt: «Das beweist doch, dass ich einen Vertrag mit dem Kanton abgeschlossen habe. Ein nicht bestehender Vertrag muss ja sicher nicht gekündigt werden.»

Von einer Kostenbeteiligung wollen jedoch auch die Gemeinden Sattel und Rothenthurm nichts wissen. «Das Gesetz schreibt vor, dass in der Unterbringungspauschale auch die Kosten für die Wiederherstellung inbegriffen sind», erklärt Pirmin Moser, Gemeindeschreiber von Sattel. Auch die Versicherung der Gemeinde Sattel verweigert jegliche Deckung – mit einer Begründung, die Wasser auf die Mühlen von Josef Späni ist. Die «Winterthur» argumentiert, dass einzig der Kanton Schwyz von 1986 bis Ende Februar 2004 Vertragspartner der Familie Späni war.

So spielen sich Kanton und Gemeinden unverdrossen den Ball zu. Mittendrin im bösen Spiel die Spänis, die wohl noch eine Weile im Abseits stehen dürften.

© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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