Atomkraftwerke
Das lange Warten auf die Pille danach
Jodtabletten sollen bei atomarer Strahlung helfen. Denjenigen, die im Umkreis von Atomkraftwerken leben, werden sie gratis abgegeben. Nur klappt der Nachschub nicht.

(Bild: Archiv)
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1,8 Millionen Einwohner in der Nähe von Schweizer Atomkraftwerken warten seit anderthalb Jahren auf frische Jodtabletten. Die vor zehn Jahren an die Haushaltungen abgegebenen Jodtabletten sind seit Ende 2001 abgelaufen. Im Fall einer radioaktiven Verstrahlung soll das präventive Schlucken dieser Tabletten Schilddrüsenkrebs verhindern.
Doch die Bewohner der «Atomzone 1 und 2» warten immer noch auf frische Tabletten. «Wir rechnen damit, dass im Herbst 2003 die neuen Packungen verteilt werden», sagte Max Zulliger dem Beobachter – das war vor fast anderthalb Jahren. Zulliger ist Sprecher der Berner Firma Atag, die im Auftrag des Bundes die Verteilung der neuen Tabletten koordiniert. Der Herbst 2003 ist längst Geschichte, und die neuen Pillen sind laut Zulliger noch nicht einmal produziert, geschweige denn verteilt.
Zulliger erklärt diesen Schilddrüsenstreich wie folgt: Der Bund habe die Aufträge für Produktion und Vertrieb gemäss Richtlinien der Welthandelsorganisation ausschreiben müssen. Deshalb und wegen eines Rekurses sei es zu diesem Verzug gekommen.
Ausserdem müsse die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic die Tabletten zulassen, bevor diese produziert werden könnten. Das soll dieser Tage geschehen.
«Wir gehen davon aus, dass die Pillen Ende November 2004 in die Haushaltungen verschickt werden», wagt Zulliger eine neue Prognose, relativiert aber sofort: Es werde wohl eher Januar 2005. Damit der Versand nicht in den Weihnachtsstossverkehr der Post gerate. Vielleicht fürchtet man auch, dass Jodtabletten zu Weihnachten den Beschenkten in den falschen Hals geraten könnten.
© Beobachter Ausgabe 13 vom 24. Jun 2004 - Alle Rechte vorbehalten













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