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Baumaterialien: Traum vom ökologisch korrekten Haus

Text:
  • Reto Westermann
Ausgabe:
9/02

Labels für biologische Lebensmittel gehören heute zum Alltag. Bei Baumaterialien hingegen sucht man meistens vergeblich nach solchen Kaufhilfen. Das soll sich jetzt ändern.

Ökologische Lebensmittel sind in der Schweiz auf Erfolgskurs. Kürzlich publizierte Umsatzzahlen mit Zuwachsraten von 100 Prozent innert fünf Jahren belegen diese markante Steigerung. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind vertrauenswürdige Labels: «Einheitliche Labels verschaffen dem Konsumenten die nötige Marktübersicht», sagt Rolf Wüstenhagen. Er hat vor zwei Jahren am Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen den Markt für ökologische Produkte analysiert und ein Buch dazu herausgegeben.

Im Gegensatz zum Lebensmittelmarkt kennt der Bau- und Immobilienmarkt bisher nur wenige Öko-Labels. Die Mehrheit von ihnen zeichnet energiesparende Häuser oder Bauteile aus. Zu den erfolgreichen Beispielen gehört das Minergie-Label, das von den kantonalen Energiefachstellen vergeben wird, oder die Energie-Etikette für grosse Haushaltgeräte, die im Rahmen des Programms Energie 2000 vom Bund mitinitiiert wurde.

Fast im luftleeren Raum schweben die Konsumenten bisher aber bei der Auswahl ökologisch verträglicher Baustoffe. «Es ist für Laien extrem schwierig, ökologische Produkte für den Baubereich zu erkennen oder zu bewerten», stellt Felix Meier fest. Er ist beim WWF Schweiz für den Bereich Wohnen und Bauen zuständig und setzt sich für die Einführung von Öko-Labels im Baubereich ein.

Aus gutem Grund: Selbst erfahrene Fachleute tun sich schwer im Dschungel der Baumaterialien. Allein in der Schweiz werden heute auf den Baustellen mehr als 10000 verschiedene Substanzen eingesetzt. Interessierte Architekten können bei den Herstellern zwar Deklarationen einfordern, doch über das Zusammenwirken und das Langzeitverhalten vieler Substanzen ist wenig bekannt.

Welche Folgen ökologisch bedenkliche Baumaterialien nach sich ziehen können, hat sich in den letzten 20 Jahren eindrücklich gezeigt. Hochgiftige Holzschutzmittel beispielsweise haben in den achtziger Jahren für Skandale gesorgt, Bewohner gesundheitlich geschädigt und Häuser teilweise unbewohnbar gemacht. Mit Spritzasbest ausgekleidete Turnhallen mussten in den letzten Jahren für viel Geld saniert werden, und die Suva macht immer wieder auf die Gefahr von asbestverseuchten Novilon-Bodenbelägen aufmerksam. In Verruf geraten sind auch Fugendichtungsmaterialien, die das Gift PCB enthalten.

Klarheit über die ökologische Verträglichkeit einzelner Baumaterialien soll jetzt das in Deutschland neu kreierte Label Natureplus schaffen. Es wird am 5. Juni dieses Jahres in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Isoliermaterialien aus natürlichen Rohstoffen und verschiedene Holzprodukte aus deutscher Produktion gehören zu den ersten zertifizierten Baustoffen. Während sich die Schweizer Baumaterial-Produzenten noch nicht gross um das neue Label kümmern, haben die Bau- und Heimwerkermärkte von Coop und Migros sowie OBI und Jumbo bereits ihr Interesse bekundet. «Wenn Produkte mit dem neuen Label im Handel gut laufen, werden die Schweizer Produzenten bald nachziehen», ist WWF-Mann Felix Meier überzeugt.

Doch auch wenn die Verbreitung des neuen Labels für Baustoffe hier zu Lande noch auf sich warten lässt, gibt es zumindest für Heimwerker bereits Orientierungshilfen beim Materialkauf. Holz und Holzprodukte beispielsweise sind heute schon vielerorts mit dem international bekannten Label FSC (Forest Stewardship Council) ausgezeichnet. Zu den Pionieren gehören die Baumärkte von Coop, die ökologisch verträgliche Baustoffe unter dem Namen Oecoplan anbieten. Dazu zählen verschiedene Farben und Lacke sowie Holzprodukte. Um für die ökologische Qualität der Produkte bürgen zu können, hat Coop viel investiert: «Alle Oecoplan-Farben wurden zusammen mit den Herstellern und einem neutralen Spezialisten entwickelt», nennt Bruno Cabernard, Leiter des Oecoplan-Bereichs bei Coop in Basel, ein Beispiel.

Trotz aller Anstrengungen zur Schaffung von Öko-Labels für Baumaterialien: Auch in Zukunft werden noch viele nicht zertifizierte Baustoffe zum Einsatz gelangen. Wer beim Bau oder Umbau seines Hauses Wert auf die Ökologie legt, ist deshalb gut beraten, Spezialisten beizuziehen. Architekten und Handwerker mit Zusatzausbildung in Baubiologie sind dabei die richtigen Ansprechpartner, denn sie haben ein breites Wissen über natürliche Baustoffe, mit denen sich eine gesunde Wohnumgebung schaffen lässt.

© Beobachter Ausgabe 9 vom 03. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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