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Edelmarke

Noble Firma, rüde Sitten

Text:
  • Bernhard Raos
Bild:
  • Edouard Rieben
Ausgabe:
9/06

Die Konkurrenz prozessiert wegen Ideenklaus, Angestellte werden beschimpft. Die Firma Maison Mollerus ist zwar klein, aber nicht sehr fein.

(Bild: Edouard Rieben)

Antonio Stifani, Geschäftsführer der Zürcher Taschenfirma Maison Mollerus (MM), ist nicht zu beneiden. Er muss eingestehen, dass seine Firma bei der Konkurrenz abgekupfert hat: «Der seitens Louis Vuittons Anwalt erhobene Widerspruch wurde durch das Institut für Geistiges Eigentum gutgeheissen.»

Es geht um ein Taschenmodell der letztjährigen Kollektion, bei dem MM ein chinesisches Blumenmuster der französischen Edelmarke Louis Vuitton imitierte. Stifani versucht, die Peinlichkeit herunterzuspielen: «Derartige Marken-Widerspruchsverfahren stellen einen alltäglichen Vorgang dar und haben mit unlauterer Geschäftsgebarung nichts zu tun.» Die Vuitton-Geschäftszentrale in Paris gibt dazu «keinen Kommentar» ab.

Das Klonen von noblen Taschen hat bei MM offenbar Methode, wie mehrere Ex-Mitarbeiter gegenüber dem Beobachter angeben: Maison Mollerus schicke seinen Lieferanten bloss Vorlagen aus Modemagazinen, und diese würden dann die Taschen im MM-Design fertigen. Antonio Stifani windet sich: In den letzten 22 Jahren sei sein Chef und Firmengründer Ernst Mollerus für das Design der Kollektion verantwortlich gewesen.

Maison Mollerus macht keine Angaben zur Bilanz und zur Erfolgsrechnung, der geschätzte Umsatz dürfte 2005 aber über drei Millionen Franken betragen haben. Tatsache ist: Das Kleinunternehmen mit seinen sechs Angestellten beschäftigt erst seit kurzem einen eigenen Art Director. «Muster können wir Ihnen nicht zur Verfügung stellen, da diese Geschäftsgeheimnisse darstellen», lässt Stifani wissen.

Auch in Sachen Produktedeklaration zeigt sich MM sehr elastisch. Die Taschen würden aus «hochwertigen Materialien in liebevoller Handarbeit von auserwählten Fach-Ateliers einzeln gefertigt», heisst es auf der Homepage. In Wirklichkeit werden die Taschen, die im Verkauf mehrere hundert Franken kosten können, von diversen Fertigungsbetrieben in Serie hergestellt.

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Vor Arbeitsgericht verlorenDas Golfsortiment etwa beschafft Maison Mollerus über einen Agenten in Asien, wie Stifani zugibt. Und einer der Lieferanten vertreibt MM-Taschen hierzulande ohne das Markenzeichen als No-Name-Produkte - nur wesentlich günstiger. Es gebe keine «Absprache oder Vertriebsvereinbarung», sagt der MM-Chef. «Den Vorwurf des Etikettenschwindels weisen wir zurück.» Pikant: Im Internet wirbt MM gleich mehrfach mit Ex-Bundesrätin Ruth Metzler als prominenter Taschenträgerin.

In krassem Gegensatz zum Auftritt nach aussen («Feinarbeit mit Feinsinn, der in guten Kreisen zu Hause ist») stehen die Erfahrungen von einem halben Dutzend ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die frühere Sachbearbeiterin Delfina Pisano*: «Ich wurde mehrfach grob beschimpft. So geht man mit Leuten nicht um.» Und ein ehemaliger Aussendienstmann: «Auf dem Bau ist der Ton feiner.» Maison Mollerus will sich dazu und zur Personalfluktuation nicht äussern.

Kürzlich verlor die Firma einen Prozess vor Arbeitsgericht, nachdem sie sich geweigert hatte, einer gekündigten Mitarbeiterin den ausstehenden Lohn zu bezahlen: Maison Mollerus musste 9’000 Franken überweisen. Da passt es ins Bild, dass der MM-Anwalt im Vorfeld mit einer Strafklage gedroht hatte, falls irgendwelche Interna öffentlich werden sollten.


*Name geändert

© Beobachter Ausgabe 9 vom 26. Apr 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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