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Fahrende

Anschluss verpasst

Text:
  • Verena Walther
Bild:
  • Thomas Andenmatten
Ausgabe:
16/04

Die Fahrenden in Sierre im Wallis zahlen zwar brav ihre Steuern. Einen Wasseranschluss erhalten sie trotzdem nicht.

Spätestens, wenn die Bäume im Frühling ausschlagen, gibts für Jakob Feubli kein Halten mehr. Der Wagen wird flottgemacht, und los gehts. Schliesslich ist er ein Fahrender, und der hat nach einem langen Winter genug von der Sesshaftigkeit.

Doch so stetig, wie es den Schweizer Scherenschleifer samt Verwandten im Frühjahr in den Wohnwagen auf die Landstrasse zieht, so zuverlässig sind Feubli und Co. im Spätsommer zurück in Sierre im Wallis. «Wir sind alle hier aufgewachsen, haben die Schulen besucht», meint Feubli. Seit 50 Jahren verbringt seine 20-köpfige Sippe den Winter auf demselben Standplatz und zahlt in Sierre auch ihre Steuern.

Dabei verfügt der karge Platz über wenig Anziehungskraft. Doch Feubli beklagt sich nicht: «Mit dem schattigen Platz und den bescheidenen Wohnverhältnissen sind wir zufrieden.» Stein des Anstosses ist die fehlende Grundversorgung: «Wenn wir endlich einen anständigen Wasseranschluss hätten, so wie das zum Beispiel in Bern, Freiburg und Zürich der Fall ist.» Dort verfügen die Fahrenden in jedem Wohnwagen über eine Zuleitung von Wasser und Strom. In Sierre müssen sie im Winter das Wasser bei einem einen Kilometer entfernten Anschluss holen.

«Wir besprechen die Sache mit dem zuständigen Amt», beschwichtigt Gemeindepräsident Manfred Stucky. Das hat er auch schon vor fünf Monaten gesagt.

Jetzt glaubt Jakob Feubli gar nichts mehr: «Man nimmt uns nicht ernst und speist uns jedes Jahr mit leeren Worten ab.»

© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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