Garten
Zündstoff Abfälle
Im Herbst fallen die Blätter – und damit vielerorts auch die Hemmungen, Grünmüll zu verbrennen. Sehr zum Leidwesen von Nachbarn und Natur.
Nebenartikel
«Beim verbotenen Verbrennen eines bemalten Schranks wurden in W. gefährliche Stoffe freigesetzt. Schwermetalle gefährden nun die Familie des Täters, dessen Nachbarn und die Umwelt…»
Klingt nach einem Krimi, der Radiospot, der im Rahmen der Anti-Müllverbrennungskampagne «Pfui Tüüfu» in den Berner Lokalstationen ausgestrahlt wurde. Doch das Problem der illegalen Abfallverbrennung ist leider Realität – und eine nur schwer zu bekämpfende obendrein: Der Anteil an illegal verbranntem Müll beträgt zwei bis drei Prozent der Hausabfallmenge von jährlich 1,5 Millionen Tonnen.
Zur Herbstzeit ist das Thema buchstäblich brandaktuell: Mit den Aufräumarbeiten in den Gärten werden vielerorts wieder dichte, beissende Rauchschwaden am Himmel hängen. Besonders heikel: «Neben Baum-, Hecken- und Strauchschnitt landet oft auch Material im Feuer, das dort nicht hingehört, etwa behandeltes Altholz und Hauskehricht», so Stephan Bögli vom Amt für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft des Kantons Bern.
Solche Vorfälle kennt man im ganzen Land. «Im Umweltbereich ist das illegale Verbrennen von Abfällen wohl eines der häufigsten Delikte», sagt etwa Martin Anderegg, Jurist im St. Galler Amt für Umweltschutz. So wurde unlängst ein Mann aus Rorschach wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Umweltschutzgesetz verurteilt – mit seinen Gartenabfällen hatte er alte Teppichreste verbrannt.
Freisetzung hochgiftiger Dioxine
Dabei sind, was das Feuern im Freien angeht, die Vorschriften eigentlich klar: «Im Garten darf nur naturbelassenes, trockenes Material, das keine Rauchentwicklung mit sich bringt, verbrannt werden», erklärt Rolf Kettler vom Buwal den Grundsatz (siehe Nebenartikel «So wird die Abfallentsorgung nicht zum Problemfall»).
Das Verbrennen von anderen, nicht organischen Abfällen wie Karton, Plastikverpackungen oder Altholz verursacht nicht nur extreme Rauchentwicklung – weswegen so mancher Nachbar am liebsten Smogalarm ausrufen würde –, sondern stellt auch eine erhebliche Belastung für Gesundheit und Umwelt dar: Illegal und somit ungefiltert verbrannter Abfall produziert 1000-mal mehr Schadstoffe, als bei der Verbrennung in einer Kehrichtanlage freigesetzt würden.
Insbesondere entstehen hochgiftige Dioxine, die sich als Russteilchen in der näheren Umgebung des Feuers wieder ablagern. «Die Schadstoffe landen direkt auf dem Gemüsebeet», so Buwal-Experte Rolf Kettler.
© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2003 - Alle Rechte vorbehalten













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