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Gebäudesanierungen

Und weg ist die Energie

Text:
  • Urs Fitze
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
3/07

In der Schweiz wird nur ein Bruchteil der Gebäude auf den neusten Stand der Energietechnik gebracht. Die EU hingegen macht vor, wie sich die Vergeudung eindämmen liesse.

Bis zu 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr benötigt ein herkömmlicher Altbau. In der energetisch sanierten Wohnung von Matthias Meier in einem Haus aus dem späten 19. Jahrhundert an der Zürcher Zwinglistrasse genügen gerade mal zwei Liter. Der Energieverbrauch liegt um den Faktor neun niedriger als zuvor, und die Kosten dafür betragen zehn Franken pro Monat - für die ganze 100-Quadratmeter-Wohnung. «Wir erreichen hier annähernd den Standard, wie er für ein Passivhaus verlangt wird», erklärt Andreas Büsser vom Zürcher Architekturbüro Viridén + Partner, das die umfassende Erneuerung durchgeführt hat. «In 25 Jahren werden solche Sanierungen Standard sein.» Das technische Potenzial sei vorhanden, und wenn man Investitions- und Betriebskosten betrachte, sei es auch rentabel.

«Vermieter können sichs nicht leisten»
Doch die heutige Realität ist eine andere: Gerade ein Prozent des Gebäudebestands in der Schweiz wird pro Jahr auf den neusten Stand der Energietechnik gebracht. Das ist viel zu wenig, um den klimapolitischen Erfordernissen des Kyoto-Protokolls auch nur annähernd gerecht zu werden. Denn immerhin verbraucht der Wohngebäudepark 27 Prozent der Energie. Dennoch sind so genannte Pinselsanierungen, bei denen die Fassade nur einen neuen Anstrich erhält und vielleicht noch neue Fenster eingebaut werden, eher die Regel als die Ausnahme. Warum geschieht so wenig?

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Die Autoren der vom Bundesamt für Energie (BFE) in Auftrag gegebenen Studie «Mobilisierung der energetischen Erneuerungspotenziale im Wohnbaubestand» sprechen von einem «teilweisen Marktversagen» und hemmenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Namentlich in Mietshäusern seien umfassende energetische Sanierungen für die Hauseigentümer finanziell uninteressant. Denn nur 50 bis 70 Prozent der Investitionskosten können nach gängiger Praxis auf die Mieter überwälzt werden, ohne dass dabei unterschieden werde zwischen einfachen Pinselsanierungen und umfassenden, wesentlich teureren energetischen Erneuerungen. Roman Obrist, Rechtskonsulent beim Hauseigentümerverband Schweiz, kritisiert denn auch die geltenden Umwälzungssätze. «Viele Vermieter können es sich schlicht nicht leisten, die Investitionskosten zu einem grossen Teil selber tragen zu müssen.» Im Übrigen mangle es auch an steuerlichen Anreizen. Und von den deutlich reduzierten Nebenkosten profitiert ein Vermieter nicht.

Aber auch Eigenheimbesitzer, so zeigt die BFE-Studie, entwickeln nur wenig Bereitschaft, mehr zu tun als das unbedingt Nötige. Von der im Grundsatz beschlossenen CO2-Abgabe auf Heizöl erwarten die Autoren der Studie im besten Fall eine «geringfügige Beeinflussung» des Erneuerungstempos. Obrist allerdings beobachtet unter den Mitgliedern seines Verbandes eine steigende Sensibilisierung für mehr Energieeffizienz. Antrieb seien unter anderem die stark gestiegenen Preise vor allem für Erdöl und Erdgas.

Anders tönt es bei der Mieterlobby. «Oft wird seitens der Vermieter von Investitionen gesprochen, wenn es nur um den Unterhalt geht», sagt Michael Töngi, Kampagnenleiter beim Mieterverband, «und Unterhalt berechtigt nicht zu Mietzinsaufschlägen.» Der Einbau von neuen Fenstern bringe ebenso wenig einen Mehrwert wie eine neue Küche, sofern diese nicht über mehr oder teurere Geräte verfüge als die alte. Auch eine neue Heizung bedinge nicht unbedingt einen Aufschlag, selbst wenn sie mit erneuerbaren Energien betrieben werde. «Die Investitionen gelten nur als Mehrleistung, wenn sie über die Kosten zur Wiederherstellung oder Erhaltung des ursprünglichen Zustands hinausgehen.» So könnten zwar die Aufwendungen für eine Isolation überwälzt werden, nicht aber die gleichzeitige Sanierung der Hausfassade.

Ein Energieausweis für Gebäude
Die Argumente der beiden Verbandsvertreter gleichen - angesichts der Dringlichkeit von energetischen Gebäudesanierungen - einem Schwarzpeterspiel. Einen Ausweg aus diesem Stillstand könnte der in einigen Mitgliedsstaaten der EU bereits eingeführte «Gebäude-Energieausweis» darstellen. Ähnlich den Energieetiketten bei Haushaltsgeräten oder Autos zeigt dieses Zertifikat auf einen Blick, wie es um die Energieeffizienz eines Hauses bestellt ist, und gibt damit potenziellen Käufern oder Mietern einen Hinweis, mit welchen Kosten zu rechnen ist. So hat sich etwa in Dänemark seit Einführung des Ausweises die Zahl der energetischen Massnahmen verdoppelt, und in Deutschland haben im Rahmen eines Feldversuchs rund 30 Prozent der Hauseigentümer energetische Modernisierungen an die Hand genommen.

Die Schweiz, in Umweltbelangen einst führend, hält sich noch vornehm zurück. Einzig der Kanton Zug ist den Beispielen aus der EU gefolgt und hat den Gebäude-Energieausweis bereits eingeführt. Die Autoren der BFE-Studie empfehlen dessen landesweite Realisierung auf freiwilliger Basis - aber erst ab 2010 soll der Energieausweis vorgeschrieben werden. Auch da sind sich die Schwarzpeterspieler nicht einig: Während Roman Obrist vom Hauseigentümerverband den Gebäude-Energieausweis als «wenig effizienten Aktionismus» erachtet, begrüsst Mieterverbandsvertreter Michael Töngi diesen als «sinnvolle Massnahme».


Buchtipp
Stefan Haas, Beatrix Mühlethaler: «Natürlich wohnen und bauen»; Beobachter-Buchverlag, 2004, 114 Seiten, CHF 24.- (für Abonnenten CHF 21.-)

© Beobachter Ausgabe 3 vom 31. Jan 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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