Generalunternehmer
Schulden à Gogo
Wo Goran «Gogo» Zeindler baut, da schläft kein Bauherr mehr ruhig. Er hinterlässt eine Spur von Schulden, Konkursen und verärgerten Gläubigern.

(Bild: art4press.ch)
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Betreibungen? Offene Rechnungen? Fehlende Abrechnungen? Das will Goran Zeindler nicht auf sich sitzen lassen: «Alles gelogen! Kommen Sie vorbei, ich kann jeden einzelnen Posten belegen.» Zum Besuch am Firmensitz der Gobau AG im schwyzerischen Wollerau kommt es trotzdem nicht: Kurz vor dem vereinbarten Termin zieht Zeindler die Einladung zurück und will sich nur noch am Telefon äussern.
Es gibt auch so genug zu besprechen, die Vorwürfe gegen Goran «Gogo» Zeindler wiegen schwer. Der gelernte Zimmermann hat in den letzten Jahren im Grossraum Zürich reihenweise Bauherren oder potenzielle Eigenheimbesitzer in finanzielle Bedrängnis gebracht und Handwerker wegen nicht bezahlter Rechnungen zur Weissglut getrieben. Die Bilanz des 35-Jährigen: zwei Privatkonkurse, zwei Firmenkonkurse und zwei Unternehmen, die kurz nach seinem Ausstieg Pleite gingen. Die Betreibungen gegen seine letzte Firma, die Zeigo Totalunternehmung AG, beliefen sich bis Mitte Oktober auf Fr. 832248.40.
Mehrkosten von 550000 Franken
Zwei der grössten Posten über insgesamt 164251 Franken wurden von einem Rechtsanwalt im Namen der Familien Waser-Chiang und Godenzi aus Affoltern am Albis angemeldet. Die hatten ihr Doppel-Einfamilienhaus von der Zeigo Totalunternehmung erstellen lassen.
Zwar waren die Bauherren schon vor der Unterzeichnung des Vertrags stutzig geworden, als es verschiedene Banken ablehnten, das Haus zu finanzieren. Auch dass sich Zeindler standhaft weigerte, einen Bautreuhänder beizuziehen, der die Geldflüsse während des Baus überwachen sollte, liess das Vertrauen nicht eben wachsen. Die beiden Familien drängten deshalb auf genau definierte Zahlungsbedingungen. Als Zeindler einwilligte, gingen sie den Vertrag ein.
Ein teurer Fehler: Kurz nach Baubeginn stellte sich heraus, dass Zeindler die von den Bauherren überwiesenen Gelder nur zum Teil dazu benützte, die Handwerker zu entlöhnen. Weil ihre Rechnungen beim Generalunternehmer unbezahlt liegen blieben, stellten einige nach kurzer Zeit die Arbeit ein oder errichteten Handwerkerpfandrechte, um an ihr Geld zu gelangen. «Wir bezahlten vieles doppelt», klagt Andy Waser, «einmal an Zeindler und dann an die Handwerker, um die Pfandrechte zu löschen.»
Den Bau beendeten die beiden Familien schliesslich auf eigene Faust – und mit massiven Mehrkosten von rund 550000 Franken. Ihr Schicksal teilen sie mit den anderen vier Familien, die von Zeindler identische Häuser erstellen liessen. Auch sie schlagen sich mit Handwerkerpfandrechten von mehreren hunderttausend Franken herum.
Zeindler bestreitet jegliche Schuld am Debakel und wirft den Bauherren vor, vereinbarte Zahlungen nicht geleistet und die Verträge nicht eingehalten zu haben. Nicht er sei der Schuldner, sondern die beiden Familien und eine dritte Partei: «Von denen habe ich noch 680000 Franken zugut.» Das ist ein stolzer Betrag, zumal die Bauherren für die im Rohbau übernommenen Häuser bereits rund eine Million Franken bezahlt hatten – wovon Zeindler als Generalunternehmer und Bauleiter 215000 Franken kassierte.
Die Familien Waser und Godenzi wollen nun gegen Zeindler wegen ungetreuer Geschäftsführung rechtliche Schritte einleiten. Unter anderem erhoffen sie sich dadurch den Verbleib von 10000 Franken zu klären, die Zeindler – angeblich zur Bezahlung eines Handwerkers – in bar vom gemeinsamen Baukonto abhob. Der Handwerker bestätigte den Bauherren per Fax, dass er nie eine entsprechende Zahlung erhalten habe. Und Zeindler will plötzlich keine Stellung mehr nehmen.
Formel-1-Pläne in Panama
«Im Geschäftsverkehr mit Goran Zeindler sind klare und bindende Abmachungen zu treffen, die jegliches Risiko ausschliessen», heisst es in der Wirtschaftsauskunftei Teledata über Zeindler. Auch das hilft manchmal nichts, wie der Fall eines Zürcher Architekturbüros zeigt. Nachdem ein Projekt mit Zeindler geplatzt war, einigte man sich darauf, dass der Architekt die Kosten von rund 15000 Franken für die Arbeiten von drei Drittfirmen übernehme, bezahlbar via die Zeigo Totalunternehmung AG. Am 19. Juli 2004 verpflichtete sich Zeindler schriftlich, «Rechnungen nicht zweckentfremdend zu verwenden, sondern den Rechnungsstellern zu bezahlen». Die drei Firmen warten jedoch noch immer auf ihr Geld. Noch im Februar werde alles geregelt, verspricht Zeindler nun.
An solche Versprechungen mögen nur die wenigsten von Zeindlers Gläubigern noch glauben. «Die geschuldete Summe haben wir abgeschrieben», sagt etwa der ehemalige Fussballschiedsrichter Urs Meier, der Zeindler für rund 27000 Franken Haushaltgeräte geliefert hatte und dafür nie einen Rappen sah.
Auf Betreibungen reagiert Zeindler grundsätzlich mit Rechtsvorschlag. «80 Prozent der Betreibungen gegen mich sind unberechtigt», sagt er und verweist darauf, dass kaum ein Gläubiger Rechtsöffnung verlangt. Ein Blick in Zeindlers Konkursgeschichte zeigt jedoch, dass aufwändige Verfahren für die Gläubiger wenig Sinn machen: Alle Konkursverfahren, an denen Zeindler direkt oder indirekt beteiligt war, wurden mangels Aktiven eingestellt.
Noch grösser als sämtliche bisher aufgetürmten Schuldenberge Zeindlers sind aber seine Zukunftspläne. Mit der Gobau hat Zeindler ganz Grosses vor: Für 80 Millionen Euro baue er zurzeit in Berlin ein neues Verwaltungsgebäude für den «Tagesspiegel», mit dessen Geschäftsführer Joachim Meinhold er direkt verhandle, so Zeindler. Eine Nachfrage bei der Zeitung ergibt hingegen eine etwas andere Auskunft: «Herr Dr. Meinhold kennt Herrn Zeindler nicht und hat auch noch nicht mit ihm verhandelt», tönt es aus Berlin.
Doch Zeindler hat noch andere Trümpfe im Ärmel: Für 100 Millionen Dollar werde er demnächst in Panama eine Formel-1-Rennstrecke bauen. Es dürfte ein Unterfangen auf eigenes Risiko werden: Beim internationalen Automobilverband in Paris jedenfalls weiss man nichts von einem Grand Prix von Panama.
© Beobachter Ausgabe 4 vom 17. Feb 2005 - Alle Rechte vorbehalten













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