Juni 2005 - Plötzlicher Kindstod Beschämende Rechnung

Nach dem plötzlichen Tod eines Kindes werden dessen Eltern zur Kasse gebeten. Als sich der Beobachter und die Fernsehsendung «Quer» einmischen, korrigiert das Obergericht den Entscheid.

Vanessa Steiner wird nur dreieinhalb Monate alt: Am Morgen des 6. Februar 2005 liegt sie tot in ihrem Bettchen. Unfassbar für ihre Eltern Monika und Patrik Steiner aus Ennetbürgen NW, die ihre einzige Tochter verloren haben. Vanessas Körper wird nach Zürich überführt. Der Obduktionsbericht spricht die Eltern von jedem Verdacht frei: Der plötzliche Kindstod ist durch Herz-Kreislauf-Versagen aufgrund einer nicht erkennbaren Infektion eingetreten.

Gleichwohl sollen Steiners zahlen: für Polizei, Kantonsarzt, Verhörrichter, Überführung nach Zürich und Obduktion – insgesamt 6'000 Franken. «Dadurch fühlen wir uns schuldig am Tod unserer Tochter. Das ist einfach geschmacklos», sagten die Eltern in der «Quer»-Sendung im letzten Juni. Ihr Protest beim Nidwaldner Verhörrichter Urs Meyer war erfolglos geblieben. Doch als der Beobachter und «Quer» die tragische Geschichte aufgreifen, schlagen die Wellen hoch: Bevölkerung und Regierungsvertreter schämen sich öffentlich für das Verhalten von Meyer. Wenige Wochen später rügt das Obergericht den Verhörrichter und entscheidet: Nie wieder sollen Eltern in einem solchen Fall mit den amtlichen Kosten gestraft werden. «Nur der Verhörrichter selber hat sich leider nie bei uns entschuldigt», resümiert Patrik Steiner heute.

Dank den deutlichen Worten des Obergerichts zählt diese Geschichte zu jenem Drittel der Fälle, die nach ihrer Ausstrahlung eine positive Wende genommen haben. Insgesamt 30 Mal sagte der Beobachter im «Quer» dieses Jahr «So nicht» zu Ungerechtigkeiten wie jener in Nidwalden.

Text:
  • Christian Rensch
Bild:
  • SF DRS
22. Dezember 2005, Beobachter 26/2005