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Ökologie: Auf die Umwelt lässt sich bauen

Text:
  • Dominique Spirgi
Ausgabe:
7/03

Ökologisches Bauen hat Mehrkosten zur Folge. Dafür kann man aber Zuschüsse und vergünstigte Kredite nutzen. Und der spätere Unterhalt wird billiger.

Die optimale Isolierung der Gebäudehülle, die Solaranlage fürs Warmwasser, der Parkettboden aus umweltverträglich gewonnenem Holz: Wer beim Bauen sich und der Umwelt einen Gefallen tun möchte, muss in den meisten Fällen etwas tiefer in die Tasche greifen. «Der Bau eines Hauses nach dem Minergie-Standard kostet durchschnittlich 6,3 bis 10 Prozent mehr als ein Haus in herkömmlicher Bauweise», erläutert Patricia Bürgi vom Verein Minergie Schweiz.

Im Einzelfall kann es auch weniger sein. Der Neubau eines Minergie-Einfamilienhauses in Baar mit einer beheizten Gesamtfläche von 204 Quadratmetern etwa kostete 622160 Franken: Das waren nur 12000 Franken oder zwei Prozent mehr, als für ein entsprechendes Haus ohne Minergie-Standard hätte bezahlt werden müssen (siehe Nebenartikel «Zertifikate: Die Regeln sind streng»).

Seien es 12000, 20000 oder 30000 Franken Mehrkosten – der zusätzliche Aufwand lässt sich meist wieder kompensieren. Die jährlichen Energiekosten für das erwähnte Minergie-Haus in Baar, das mit einer Wärmepumpe beheizt wird, betragen nur 815 Franken – knapp die Hälfte des Betrags, der bei einem konventionellen Bau anfallen würde.

Ausserdem können Leute, die ihr Haus gemäss ökologischen Grundsätzen bauen wollen, auf eine Reihe von Fördermassnahmen, Steuerermässigungen, Subventionen und Vorzugskonditionen bei der Finanzierung zurückgreifen. Der Bauherr aus Baar zum Beispiel hätte bei der Raiffeisenbank von einer Minergie-Hypothek profitieren können, die einen halben Prozentpunkt tiefer liegt als der Basiszinssatz. Bei der kantonalen Baudirektion in Zug hätte er ausserdem einen Minergie-Förderbeitrag beantragen können.

Allerdings braucht es reichlich Geduld und Geschick, um herauszufinden, welche Programme wo greifen. Denn der Bund hat die Fördermassnahmen an die Kantone delegiert und unterstützt diese mit Globalbeiträgen: Die Kantone können dann frei entscheiden, was sie wie fördern wollen und was nicht.

Pech hat zum Beispiel, wer im Kanton Obwalden bauen möchte: Hier gibt es kein entsprechendes Förderprogramm. Ganz anders ist die Situation im Kanton Bern, wo 18 verschiedene Fördermassnahmen vorgesehen sind. Da hilft nur, sich auf der Website www.e-kantone.ch schlau zu machen und zu hoffen, in einem förderungswilligen Kanton zu leben.

Auch die Förderpolitik der Banken ist ziemlich unterschiedlich. Einige von ihnen gewähren auch bei Neubauten nach ökologischen Richtlinien spezielle Ökohypotheken, andere dagegen nur bei Renovationsarbeiten. Auch bezüglich Konditionen, Laufzeiten und Maximalsummen variieren die jeweiligen Bedingungen markant. Je nach Bank schwanken die Zinsermässigungen zwischen einem halben und einem ganzen Prozentpunkt. Die Laufzeiten der Ermässigungen betragen allerdings höchstens fünf Jahre, und die maximale Summe, für die die Ermässigung gilt, liegt bei Einfamilienhäusern nur in seltenen Fällen über 250000 Franken.

Die Grossbanken klemmen

Zu den fortschrittlichsten Finanzinstituten für Ökohypotheken gehören die Alternative Bank Schweiz, die Bank Coop sowie die Raiffeisenbanken. Bei diesen Banken kann man 3000 bis 5000 Franken an Hypothekarzinsen sparen.

Im Mittelfeld liegen die Kantonalbanken: Etwa die Hälfte von ihnen gewährt Vergünstigungen. Hier reicht das Sparpotenzial von 1000 bis 5000 Franken. Keine speziellen Angebote haben die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. Dies ist erstaunlich, hat ein Ökohaus doch meist einen deutlich höheren Wiederverkaufswert als ein konventionell erstelltes Haus.

Auch bezüglich der vergünstigten Hypotheken sind Geduld, Geschick und etwas Glück gefragt. Der Konkurrenzkampf unter den Anbietern hat dazu geführt, dass die offiziell verkündeten Zinssätze lediglich Richtwerte sind. Ebenso lassen sich heute die Belehnungsgrenzen für die erste Hypothek sowie die Amortisationspflicht individuell regeln.

Ausserdem dürfte manche Bank bereit sein, den Kunden beim Zinssatz entgegenzukommen, wenn Anschlussgeschäfte in Aussicht stehen. Deshalb sollte man auch von Banken offerieren lassen, die keine speziellen Ökoangebote führen.

Weitere Infos

Geschäftsstelle Minergie, Steinerstrasse 37, 3000 Bern 16, Telefon 031 352 51 11, www.minergie.ch

Passivhaus-Institut Darmstadt, Rheinstrasse 44/46, D-64283 Darmstadt, Telefon 0049 6151 826 990, www.passivhaus–institut.de

Eine Übersicht über die verschiedenen Hypothekarangebote für Minergie-Häuser finden Sie im Internet unter www.izf.ch/thema/Hypotheken.htm

© Beobachter Ausgabe 7 vom 04. Apr 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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