Umweltschutz

Die Behörden kalt gelassen

Text:
  • Katja Rauch
Ausgabe:
22/04

Da Fernwärme in der Gegend verfügbar war, durfte in einer Liegenschaft keine Gasheizung eingebaut werden. Nur waren dann die nötigen Leitungen zu lang, der Fernwärmeanbieter wollte sie nicht erstellen.

Zuerst fand es Bauleiter Pierre Komatzki nicht schlimm, dass ihm das Bauamt für den Neubau an der Affolternstrasse in Zürich-Nord den Einbau einer Gasheizung untersagte: Die Liegenschaft liege im Fernwärmegebiet der Stadt Zürich; Installationsänderungen für Gas würden daher nicht mehr bewilligt.

Die Überraschung kam, als alle sieben Wohnungen verkauft waren: Es gab keine Fernwärme. Die Leitung von knapp 100 Metern sei zu lang, teilte «Fernwärme Zürich» mit, weshalb sich ein Anschluss «wegen der verhältnismässig hohen Anschlusskosten nicht lohnt».

«Eine paradoxe Situation», so Komatzki. «Das relativ umweltfreundliche Gas gibt es wegen der Fernwärme nicht mehr – und Fernwärme dann auch nicht.» Was nun? Zum Glück waren sechs der sieben Wohnungskäufer bereit, je 10000 Franken tiefer in die Tasche zu greifen. Eine Erdsonde zieht jetzt die Wärme direkt aus der Erde. Immerhin 10000 Franken wurden vom Stromsparfonds gedeckt.

«Wir haben erkannt, dass es Leute gibt, die zwischen Stuhl und Bank fallen», so Bruno Bébié, Energiebeauftragter der Stadt Zürich. Doch die Fernwärme müsse kostendeckend rechnen. Anders sieht das Komatzki. Für ihn wären die Leitungen eine Investition. In nächster Nähe gebe es viele Hausbesitzer, die eines Tages neue Heizungen bräuchten. «Und was tun sie, wenn sie kostendeckend rechnen?» Klar: eine umweltschädliche Ölheizung einbauen.

© Beobachter Ausgabe 22 vom 28. Okt 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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