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Verkehrskosten

Gesundheit gerät unter die Räder

Text:
  • Thomas Grether
Bild:
  • Agentur Gettyimages
Ausgabe:
14/05

Autos verursachen Lärm-, Gesundheits- und Unfallkosten. Allein die Abgase töten pro Jahr 1350 Menschen. Jetzt ist erstmals klar, was uns das kostet: 4,7 Milliarden Franken jährlich.

Als das Bundesamt für Statistik Ende Juni die Strassenrechnung vorlegte, gab es darin die frohe Botschaft zu lesen: «Bund, Kantone und Gemeinden haben die Strassenausgaben im Griff.» Besser noch: Es resultiere sogar ein Überschuss von 759 Millionen Franken. «Der Strassenverkehr deckt eigene Kosten», titelten darauf die Zeitungen.

Nur ein Teil der Wahrheit


Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Denn die Statistiker rechneten die externen Kosten, die der Verkehr verursacht, nicht mit ein. Dabei liegen sie jetzt erstmals auf dem Tisch, errechnet vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE): 4,7 Milliarden Franken jährlich. Das sind Kosten für Lärm und Unfälle, Gebäude- und Gesundheitsschäden, die der Verkehr verursacht.

Autoabgase treiben die Ozonwerte weit über den Grenzwert, fördern bei Kindern Asthma und Allergien. Abgase töten laut ARE in der Schweiz jährlich 20 Säuglinge und fordern 300 Lungenkrebstote. Insgesamt verursachen Krebs erregender Feinstaub und Dieselruss des Strassenverkehrs jährlich 1350 frühzeitige Todesfälle, ohne dass sich ein einziger Rappen dieser Kosten in der Strassenrechnung niederschlägt.

Die neue Strassenrechnung sei deshalb unvollständig, sagt Christian Albrecht, Leiter der Sektion Verkehrspolitik im ARE. «Wenn wir uns der Kostenwahrheit im Strassenverkehr nähern wollen, dann müssen wir in Zukunft die externen Kosten mit einrechnen.»

Dies forderte bereits Mitte der achtziger Jahre die Kommission, die damals die Strassenrechnung zuhanden des Bundesrats entwarf. Doch die Behörden schoben den Auftrag vor sich her – niemand wollte sich am heissen Thema die Finger verbrennen. 20 Jahre verspätet will das Bundesamt für Statistik im Herbst erstmals bereinigte offizielle Resultate veröffentlichen.

Fest steht: Die Einnahmen, beispielsweise aus der Mineralöl- und der Motorfahrzeugsteuer, reichen bei weitem nicht aus, um die effektiven Kosten des Strassenverkehrs zu decken. Dies zeigen die Überschlagsrechnungen des ARE:

  • Privater Autoverkehr: Laut Strassenrechnung deckt er sich zu 106 Prozent. Externe Kosten von jährlich 3,4 Milliarden Franken ergeben jedoch effektiv eine Unterdeckung von 70 Prozent.


  • Lastwagenverkehr: Rechnet man die 1,3 Milliarden Franken Umwelt- und Gesundheitskosten mit ein, decken Lastwagen knapp ihre Kosten – und auch dies nur dank der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA).


Die Autolobby wehrt sich


Die vom ARE im Departement von Bundesrat Moritz Leuenberger errechneten Zahlen bergen Zündstoff. Kritiker wie der Automobil-Club der Schweiz (ACS) sagen, Leuenberger wolle damit Investitionen in die Bahn rechtfertigen. Externe Kosten einzurechnen sei unhaltbar, sagt ACS-Direktor Niklaus Zürcher. «Gesundheitliche Auswirkungen des Verkehrs lassen sich nicht mit Geld bemessen. Sonst müsste man beim Tourismus die Kosten von Skiunfällen auch mit einrechnen.»

Für Tilman Slembeck, Professor an der Universität St. Gallen, hingegen ist klar: Die Umwelt- und Gesundheitskosten müssen letztlich von den Verkehrsteilnehmern gedeckt werden. «Sie sind es, die fast ausschliesslich Nutzen aus einer Fahrt ziehen», sagt Slembeck. Nur wenn man realistisch rechne, lasse sich eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung fördern – und letztlich könne man nur so die externen Kosten reduzieren.

© Beobachter Ausgabe 14 vom 07. Jul 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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