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Verkehrskreisel

Einige markante Beispiele

Ausgabe:
8/04

Der Unterirdische in Frauenfeld TG


Der weltweit erste unterirdische Kreisel entwickelte sich in der Thurgauer Metropole neben dem altehrwürdigen Schloss seit 1999 zum neuen Wahrzeichen. Der massive rote Mittelzylinder und die blauen Licht- und Leitbänder beugen einem allfälligen Tunnelkoller vor. Für die gigantische Anlage, die bis zu vier Meter unter Grundwasserniveau steht, wurden 120000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben und 22000 Kubikmeter Beton und 2300 Tonnen Armierungsstahl verarbeitet. Die verkehrstechnische Exklusivität kam auf 27 Millionen Franken zu stehen.

Der Genüssliche in Rothrist AG


Der überdimensionale Becher und die drei farbigen Trinkhalme mit aufgesetzten Lippenpaaren auf dem Rothrister Grüth-Kreisel sprechen unmissverständlich für ein Getränk, genauer für Rivella. Mit den drei «Durstfarben» Rot, Blau und Grün weist der Kunstkreisel auf die Getränkemetropole hin. Im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten «50 Jahre Rivella – für eine farbige Schweiz» schenkte das Familienunternehmen die Skulptur aus Chromnickelstahl seiner Standortgemeinde. Bei der Enthüllung vor zwei Jahren lobte Gemeindeammann Felix Schönle das Objekt namens «Rondo spettacolo» als «runde Sache, im wahrsten Sinne des Wortes». Ein Jahr zuvor hatte die Firma einen Künstlerideenwettbewerb ausgeschrieben. Das Rennen machten die Aargauer Kunstschaffenden Martin Hufschmid, Metallgestalter, und Alex Schaufelbühl, Bildhauer. Die Realisierung dauerte vier Monate und fand ihren Abschluss in einem Volksfest.

Der Verspielte in Arlesheim BL


Der Kreisel an der Kreuzung Talstrasse/Bircheckstrasse in Arlesheim lässt keine Fragen offen. «Im Gegensatz zu moderner Kunst sieht man hier, was es ist», lobte der Arlesheimer Gemeindepräsident Hannes Baumgartner den formklaren Spielkreisel aus schichtverleimtem Lärchenholz bei der offiziellen Einweihung im letzten Dezember. Um die Bevölkerung bei der Gestaltung der sieben Meter grossen Kreisfläche mit einzubeziehen, hatte die Gemeinde zu einem Wettbewerb aufgerufen. Unter den zwölf eingereichten Vorschlägen stiess das schlichte Projekt von Gemeinderat Alois Schmidlin auf Zustimmung. Für die vier hellen Kugeln und das Fundament bot sich Jurakalkstein aus der Region an.

Der Zeitgeistige in Schindellegi SZ


Der Grosskreisel um die monumentale Sonnenuhr am Schnittpunkt der Verkehrsachsen aus den Regionen Zimmerberg, March und Höfe sowie Einsiedeln/Sattel sorgte für dicke Luft. Bei der ersten Ausschreibung war nämlich der Verdacht laut geworden, unter den beteiligten Bauunternehmern seis zu Preisabsprachen gekommen. Daraufhin ordnete der Regierungsrat ein zweites Wettbewerbsverfahren an. Dafür bot die Einweihung des knapp sechs Millionen teuren Bauwerks Grund zur Heiterkeit. Mit der Inschrift «Sine sole soleo» aus Chromstahllettern war Schindellegi mit seinem Latein am Ende. Diskret wies die Lachner Englisch- und Lateinlehrerin Andrea Zibung die Verantwortlichen darauf hin, dass die korrekte lateinische Schreibweise des Sinnspruchs «Ohne Sonne schweige ich» «Sine sole sileo» laute. Schon wenige Tage später war der Lapsus ausgemerzt.

Der Künstlerische in Bützberg BE


Eine Begegnung der besonderen Art machen Autofahrerinnen und Autofahrer seit drei Jahren beim Ortseingang von Bützberg, einem Dorfteil der Gemeinde Thunstetten: Im Kreisel empfängt sie eine elegant geschwungene, sieben Meter hohe Stahl-Glas-Skulptur. «Begegnung» heisst das Werk des griechischen Künstlers und Architekturprofessors Costas Varotsos. Die beiden Stahlarme auf dem massiven Betonfundament sind bestückt mit 1500 Glasdreiecken. Deren individuelle Bruchkanten verleihen der Skulptur Leichtigkeit und zaubern je nach Tageszeit ein faszinierendes Lichtspiel hervor. Das Kunststück fertig gebracht hat die dorfansässige Sponsorfirma Glas Trösch. Lehrlinge fertigten die einzelnen Stücke von Hand und klebten sie exakt nach den Entwürfen des Künstlers einzeln aufeinander.

Der Archaische in Frick AG


Auf dem historischen Pflaster von Frick ist der Dinosaurierboom nicht zu bremsen, seit 1985 in der Tongrube das fast vollständig erhaltene fossilierte Skelett eines Plateosauriers an den Tag kam. Kein Wunder also, dass eine vier Meter hohe archetypische Nachbildung den Ortseingang des Saurierdorfs markiert. Der erhabene 380-Kilo-Koloss ist das Werk des jungen Effinger Eisenplastikers Daniel Schwarz. Aus lauter kleinen Metallplatten errichtete der gelernte Huf- und Wagenschmied das Tier in monatelanger Arbeit. Bei der Einweihung vor drei Jahren schwärmte Baudirektor Peter Beyeler vom «schönsten Kreisel im Kanton» und zeigte sich erfreut, dass der Dino in leibhaftiger Gestalt in seinem angestammten Lebensraum auferstanden sei, wo er vor 210 Millionen Jahren heimisch war. Am letztjährigen Fest «200 Jahre Kanton Aargau» wurde der Gigant als Ehrengast für einen kurzen Abstecher nach Aarburg abtransportiert.

Der Bodenständige in Rudolfingen ZH


Ausgerechnet die historische Obstpresse im Zürcher Weinland erhitzte als Exponat der Schweizer Kreiselkunst die Gemüter. Sie thront überdacht am Dorfrand und macht selbstredend auf die lokale Rebbautradition im denkmalgeschützten Ort aufmerksam. Das schmucke Trottenhäuschen geriet ins Kreuzfeuer der Leserbriefschreiber. An Ort und Stelle des Kreisels sei nie ein «gesetzlich vorgeschriebenes Baugespann» gesichtet worden, monierte man, und die Ausstattung auf dem Hügelchen komme einer Aufforderung zu einer Weindegustation gleich. Zur Ehrenrettung stellten die Verantwortlichen klar: Für die Bewilligung reichte ein Kurzverfahren aus, und die Presse eigne sich nicht nur für Wein, sondern auch für Süssmost. Inzwischen hat Rudolfingen, das zur politischen Gemeinde Trüllikon gehört, wieder zum alten Trott zurückgefunden.

Der Manieristische in Hugelshofen TG


Mit der Bildaufnahme «Kreisel in Neubausiedlung» hielt die Thurgauer Fotografin Mirjam Wanner erstmals einem breiteren Publikum diese verkehrstechnische Kuriosität vor Augen. Unter dem Titel «Freie Sicht auf den Thurgau» hatte sie ihren Heimatkanton porträtiert. Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau publizierte letztes Jahr eine Auswahl ihrer Arbeiten in ihrer Publikation «facetten». Das eigenartige Konstrukt wirft Fragen auf. Handelt es sich dabei wirklich um einen Kreisel? Nein, ist die Gemeindeangestellte Katharina Grünig der Ansicht. Nach internen Abklärungen teilt sie mit, das Rondell stehe in der Überbauung Schlosspark auf Privatgrund und diene wohl als Wendeplatz. Falsch, stellt Bauleiter und Kreiselkonstrukteur Benno Kistler richtig: Der «Dekorationskreisel» sei vor allem im Sommer, wenn das Wasserspiel in Betrieb ist, ein Begegnungsort.

© Beobachter Ausgabe 8 vom 15. Apr 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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