Do it yourself Zwei linke Hände?

Renovieren
Als Laie tut man gut daran, sich auf fachlichen Rat abzustützen.

Beim Heimwerken sollten Anfänger ein paar Sicherheitsregeln beachten, bevor sie Hand anlegen.

aktualisiert am 22. Mär 2016 13:23

Laien können ohne grosse Probleme die meisten Arbeiten ausführen, die bei der Innenrenovation und der Einrichtung von Wohnungen oder Häusern anfallen: Wände streichen, Teppich oder Klickparkett verlegen, Bilder oder Regale aufhängen, Lampen an den Strom anschliessen.

Die Angebote des Baumaterialienmarkts kommen renovierungsfreudigen Laien entgegen: Viele Produkte sind speziell auf die Bedürfnisse der Heimwerker zugeschnitten und können ohne grosses Vorwissen verarbeitet werden.

Parkettböden beispielsweise lassen sich heute dank einem einfachen Klicksystem ohne Leim in kurzer Zeit verlegen. Gebraucht wird einzig eine Säge, um die einzelnen Bodenbretter auf die passende Länge zu bringen.

Auch Plättlikleber und Verputze sind fixfertig erhältlich. Und die beachtliche Auswahl an wasserlöslichen Farben macht den Neuanstrich von Wänden, Türen oder Fensterrahmen fast schon zum Kinderspiel.

Auf die Ausrüstung kommt es an

Nur überschätzen sollte man sich nicht. Als Laie tut man gut daran, sich auf fachlichen Rat abzustützen. Nebst Fachzeitschriften gibt eine Vielzahl von Ratgeberbüchern mit detaillierten Anleitungen Orientierungshilfen.

Ebenfalls hilfreich sind Heimwerker-Internetforen und die Homepages der Hersteller: Hier finden sich oft detaillierte Anleitungen für die Verarbeitung der Materialien. Zudem bieten viele Bau- und Heimwerkermärkte sowie die Migros-Klubschule spezielle Heimwerker-Workshops an. Dort lernt man etwa, Parkett zu verlegen, Mauern hochzuziehen oder einfache Möbel zu bauen. Oft lohnt es sich auch, Freunde und Verwandte zu fragen, die bereits Erfahrung mit Heimwerken haben und einem mit Rat und Tat und mit dem passenden Werkzeug zur Seite stehen können.

Neben dem nötigen Wissen braucht es für einen guten Start in die Heimwerkertätigkeit vor allem die richtige Ausrüstung mit Werkzeugen und Maschinen (siehe «Werkzeug»). Glücklicherweise lässt sich heute ein Grossteil der teuren Maschinen und Werkzeuge ausleihen. Viele Malergeschäfte sind gern bereit, Abdeckmaterial, Pinsel, Leitern und Farben gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Dazu erhält man meistens gleich auch noch fachmännischen Rat für die korrekte Ausführung der Arbeiten.

Unfällen und Fehlern umsichtig vorbeugen

Ein besonderes Augenmerk sollte beim Heimwerken der Sicherheit gelten. Die Schutzausrüstung für gefährlichere Arbeiten geht gern vergessen.

Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) verunfallen jedes Jahr rund 10'000 Heimwerker, meist bei Arbeiten auf Leitern oder bei unsachgemässem Benutzen von Maschinen. Viele Heimwerker haben zu wenig Übung oder verzichten aufs Lesen der Bedienungsanleitung. Manchmal ist die Unfallursache aber einfach ein herumliegendes Verlängerungskabel, über das man stolpert.

  • Unfallrisiko: Minimieren lassen sich die Risiken einerseits durch umsichtiges Arbeiten, anderseits durch die entsprechende Ausrüstung: Schutzhandschuhe und -brillen sowie stabile Schuhe gehören ebenso zur Ausrüstung wie Gehörschutzstöpsel und Atemschutzmasken.

  • Materialmengen: Anderen Malheuren ist weniger einfach vorzubeugen: Die benötigten Materialmengen für die Arbeiten werden gern viel zu grosszügig berechnet. Oft wird auch falsches Material eingekauft. Um später nicht mit einem halben Dutzend Kübeln Farbe zu viel oder dem falschen Leim zu Hause zu stehen, lohnt es sich, beim Kauf die Beratung im Heimwerkermarkt in Anspruch zu nehmen.

  • Zeitaufwand: Ein häufiger Anfängerfehler ist auch die falsche Einschätzung des benötigten Zeitaufwands. Gerade die Zeit, die Farben, Kleber, Lacke brauchen, um vor der Weiterarbeit auszutrocknen, wird gern vergessen. So dauert die Renovation eines Zimmers mit allen Wartezeiten statt eines Tages bald einmal eine Woche. Deshalb sollte man die Arbeiten so planen, dass während des Trocknens eines Materials an einer anderen Stelle gearbeitet werden kann.


Mit etwas Übung und Erfahrung darf man sich auch an schwierigere Projekte wagen etwa an den Bau von Möbeln oder das Erneuern der Fliesen im Bad.

Grenzen sind dort gesetzt, wo es gefährlich wird: Leitungen für Gas und Wasser sind tabu (siehe «Hände weg! Hier sind Fachpersonen gefragt»), und Elektroleitungen müssen nach der Montage vom Fachmann abgenommen werden.

Auch sonst ist Zurückhaltung manchmal besser als Drauflosarbeiten: Wo immer das Schadenspotential bei Fehlern gross ist und das nötige Wissen fehlt, ist es sinnvoll, Fachleute ans Werk zu lassen.

Ansonsten gilt: Zwei linke Hände gibt es nicht, und wer Lust und Freude mitbringt, kann morgen schon den ersten Schritt ins Heimwerkerleben wagen.

Gesundheit: So schützen Sie sich

Wo gehobelt wird, fallen nicht nur Späne – auch das Verletzungsrisiko steigt. So schützt sich der kluge Heimwerker vor Malheuren.

  • Hände: Solide, gutsitzende Arbeitshandschuhe sind bei Arbeiten mit scharfen und kantigen Materialien ein Muss. Werden Chemikalien eingesetzt, verwendet man Gummihandschuhe, die entsprechend resistent sind.

  • Augen: Bei der Arbeit mit Trenn­scheiben, Fräsen und andern schnell drehenden Maschinen gehört eine Schutzbrille dazu. Normale Brillen ­genügen nicht, da sie seitlich offen sind.

  • Füsse, Knochen: Gute, rutschfeste Schuhe sind unverzichtbar beim ­Heimwerken. Bei schweren Arbeiten wie etwa Abbrüchen sollte man Sicherheitsschuhe mit Metallkappen tragen.

  • Gehör: Viele Maschinen verursachen gehörschädigenden Lärm. Gehörschutzstöpsel sind deshalb Pflicht.


Zur Unfallverhütung gehört auch, auf Ordnung zu achten. Ein geordneter Arbeitsbereich hilft beim Verhindern von Unfällen. Bei «heiklen» Arbeiten, etwa beim Benutzen von Leitern oder beim Hantieren mit Strom, unbedingt die nötige Vorsicht walten lassen oder einen Profi beiziehen.

Werkzeug: So sind Sie gerüstet

Ohne das richtige Werkzeug steht der Heimwerker auf verlorenem Posten. Als Grundausstattung bewährt haben sich vollständig ausgestattete Werkzeugkoffer. Sie enthalten alles, was es für Arbeiten im und ums Haus braucht: Hämmer, Zangen, Schraubenzieher, aber auch einen Spannungsprüfer für elektrische Anlagen oder einen Rollmeter zum Ausmessen. Gut ausgestattete Werkzeugkoffer sind bereits für rund 200 Franken erhältlich.

Auch ein kleiner Maschinenpark sollte nicht fehlen. Eine einfache Schlagbohrmaschine, mit der man in Holz, Stahl, Kunststoff, Stein und, wenn nötig, auch in Beton bohren kann, gehört zur Grundausstattung. Praktisch ist auch der Akkuschrauber. Die kleinsten Modelle sind kaum handgross und im Sonderangebot schon für unter 100 Franken zu haben. Heimwerker, die regelmässig Arbeiten am Haus ausführen, sollten sich zudem die Anschaffung einer Stichsäge und eines Multifunktionswerkzeugs überlegen. Dieser kleine Helfer kann schleifen, sägen und fräsen.

Den finanziellen Aufwand sollte man an seinem Bedarf ausrichten. Wer nur alle paar Monate ein paar Löcher bohrt, ist mit ­einer günstigen Schlagbohrmaschine gut bedient. Wer hingegen regelmässig Arbeiten ausführt, sollte auf die teureren Markengeräte setzen. Teure Geräte, wie etwa Bohrhämmer, Trennscheiben mit Diamantblättern oder gar Kernbohrgeräte sollte man besser mieten – in Baumärkten, bei Handwerkern, Freunden oder Bekannten.

Hände weg! Hier sind Fachpersonen gefragt

Heimwerker dürfen nicht überall selber Hand anlegen: In den Bereichen Gas, Wasser, ­Abwasser und Strom setzen Gesetze, Bau­vorschriften und Reglemente den Hobbywerkern enge Grenzen.

  • Gas: Nach den Richtlinien des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs (SVGW) dürfen sämtliche Gasleitungen in- und ausserhalb eines Hauses nur von entsprechend ausgebildeten und geprüften Fachleuten installiert oder verändert werden. Das gilt selbst für den Anschlussschlauch zwischen Ventil und Kochherd.

  • Wasser: Wasser gilt als Lebensmittel – ­entsprechend scharf sind auch hier die Vorschriften des SVGW. Denn falsch installierte Leitungen können zur Keimbildung im ­Wasser und damit zu gesundheitlichen ­Problemen führen. Analog zum Gas dürfen daher bei allen Frischwasserinstallationen nur Fachleute Hand anlegen. Wer also einen Wasserhahn auswechselt, ist bereits in der Grauzone tätig.

  • Abwasser: Kleinere Arbeiten, etwa der Austausch des Siphons an einem Waschbecken, sind kein Problem. Bei Eingriffen ins Abwassersystem des Hauses ist aber meist eine Baubewilligung nötig. Der eigenhändige Anschluss des Abflusses eines ­Gartensitzplatzes an die Kanalisation ist ­illegal. Für Arbeiten am Abwassersystem sollte man eine Fachperson beiziehen.

  • Strom: Die Niederspannungs-Installationsverordnung des Bundes erlaubt alle Arbeiten an Leitungen, die durch einen FI-Schutz­schalter mit maximal 30 Milliampere Absi­cherung geschützt sind. Diese Fehlerstrom-Schutzeinrichtung schützt bei Berühren, indem der Strom abgeschaltet wird, bevor ein Körperschaden eintreten kann. Die Arbeiten müssen von einer Fachperson mit Kontrollbewilligung abgenommen werden.    
Autor:
  • Reto Westermann
Bild:
  • Thinkstock Kollektion