Renovation
Frisch ans Werk!
Heimwerker können viele Arbeiten selbst erledigen – mit seriöser Vorbereitung und fachmännischem Rat oft genauso gut wie die Profis.
Was auf den ersten Blick leicht aussieht, hat oft seine Tücken. Dies gilt für viele Sanierungsarbeiten und Umbauten. Auch bei Arbeiten, die sich viele Heimwerker sofort zutrauen – etwa ein Zimmer streichen – sollte man sich beraten lassen. «Mit dem Kauf von Farbe und einem Roller ist es nicht getan», betont Peter Zahnd, Geschäftsführer des JumboBaumarktes in Dietlikon. Noch vor dem ersten Pinselstrich müssen Heimwerker prüfen, ob der bestehende Untergrund abgewaschen oder chemisch vorbereitet werden muss. Anfänger riskieren, dass sich schon nach kurzer Zeit der ganze Anstrich von der Wand löst – womöglich samt der darunter liegenden Tapete. Gut vorbereitet können Heimwerker aber viele Arbeiten genauso gut ausführen wie ein Profi.
Doch welche Arbeiten kann ein Heimwerker getrost selbst erledigen, und was überlässt man doch besser Fachleuten? «Bei Arbeiten am Innenausbau kann man am besten selbst Hand anlegen», sagt der unabhängige Bauherrenberater Bernhard Lauper. Dazu zählen Streichen, Tapezieren, Bödenverlegen. Wer etwas handwerkliches Geschick mitbringt, kann sich auch ans Täfern wagen. Wichtig sei aber, sich selbst ehrlich einzuschätzen, so Lauper: «Wer Holztäfer anbringt oder gar ein Holzparkett verlegt, muss sich selbstkritisch fragen, ob er über das notwendige Wissen und die Geschicklichkeit verfügt.»
Die meisten Arbeiten sind nur fachgerecht durchführbar, wenn man über das nötige Werkzeug verfügt. Schon mancher Heimwerker musste seine Arbeit frustriert abbrechen, weil ihm wichtige Hilfsmittel fehlten. Peter Zahnd vom Baumarkt empfiehlt daher: «Zu einer seriösen Vorbereitung gehört, sich bereits beim Einkauf der Materialien zu erkundigen, welche Werkzeuge einzusetzen sind und ob es spezieller Hilfsmittel bedarf.»
Werkzeuge kann man auch mieten
Unverzichtbar für Heimwerker sind Hammer, Schraubenzieher-Set, Kombizange, Rollbandmeter, Wasserwaage, Teppichmesser, Bohrmaschine sowie Schrauben, Dübel und Nägel. Bei Malerarbeiten braucht es neben Farbe, Pinsel und Roller Hilfsmittel wie Abdeckmaterial oder ein Abstreifgitter, um überschüssige Farbe vom Roller abzustreifen.
Auf den ersten Blick scheint es auch nicht schwierig zu sein, Laminat zu verlegen. Doch wer sich daran wagt, sollte gut ausgerüstet sein: Ideal ist eine Stichsäge, um die Parkettdielen auf die richtige Grösse zuzuschneiden. Zudem braucht es Keile und Zugeisen, um die Dielen fachgerecht zu verlegen. Spezielles Werkzeug ist ebenfalls nötig, um Fliesen zuzuschneiden, Sanitärapparate anzuschliessen oder einen Parkettboden abzuschleifen.
Wer sich das Spezialwerkzeug nicht von Bekannten leihen kann, geht am besten in einen Baumarkt, ein Werkzeuggeschäft oder in eine Schreinerei: Dort kann man Maschinen und Spezialwerkzeug mieten. In Städten leihen viele Quartier- und Gemeinschaftszentren Maschinen und Werkzeuge zu günstigen Tarifen aus.
Wer über eine Grundausstattung an Werkzeugen verfügt und bereit ist, einige Arbeitsstunden zu investieren, kann sich den Traum vom schöneren Wohnen günstig erfüllen. «Ein Kinderzimmer zu erneuern, inklusive neuer Wand- und Bodenbeläge, Regal, Vorhänge und Lampen, muss nicht mehr als 500 bis 1000 Franken kosten», sagt Zahnd. Je nach Bodenbelag und Grösse des bestehenden Zimmers kann es jedoch rasch teurer werden.
Bauherrenberater Lauper sieht die Grenzen für Laien dort, wo die Statik des Gebäudes tangiert wird, oder bei Arbeiten am Stromnetz, der Wasser- oder Gasversorgung. Nur konzessionierte Installateure dürfen ein Gebäude ans Stromnetz anschliessen oder Arbeiten am Starkstromnetz vornehmen. Ausgesprochen heikel sind Installationen von Steckdosen. Diese Arbeiten muss eine Fachperson mindestens prüfen und abnehmen. Ähnliches gilt für die Installation von Apparaten an Wasserleitungen: Armaturen, Luftmischdüsen und Schwimmventile in Spülkästen können zwar selbst ausgewechselt werden. Arbeiten an den Hausinstallationen der Wasserversorgung dürfen jedoch nur konzessionierte Installateure durchführen.
Finger weg von allzu Kompliziertem
Bauherrenberater Lauper rät auch von Arbeiten am Dachaufbau oder der Fassade des Gebäudes ab. Zwar gilt der Ausbau eines Dachgeschosses als klassische Heimwerkeraufgabe, doch kann eine nicht fachgerecht ausgeführte Wärmedämmung oder Dampfsperre dazu führen, dass in der Dachkonstruktion schwer wiegende Feuchtigkeitsprobleme auftreten.
Überaus anspruchsvoll ist auch der Anbau eines Wintergartens. Eine solche Arbeit sollte man bei einer spezialisierten Firma in Auftrag geben. Denn ohne fundierte Fachkenntnisse und exakte Planung ist das Risiko gross, dass der Wintergarten zahlreiche Mängel aufweist: Überhitzung im Sommer, Kondenswasser und verlorene Wärmeenergie im Winter.
Wenn grössere Renovationen anstehen, sollte man unbedingt den Rat von Bauprofis und Architekten einholen. Es braucht professionelles Know-how, um die bauliche Substanz fundiert beurteilen zu können und daraus abzuleiten, welche Massnahmen dringend nötig sind.
Die Stärke eines Architekten liegt vor allem in der fachlichen Beratung des Bauherrn und im konzeptionellen Denken: Ein guter Architekt lässt es nicht bei dringenden Sanierungen bewenden, er lotet auch die Struktur und die Möglichkeiten eines bestehenden Gebäudes aus. So kann er nicht nur Sanierungsvorschläge unterbreiten, sondern auch Ideen einbringen, wie die bestehende Substanz wesentlich besser genutzt werden könnte – beispielsweise mit einem veränderten Grundriss oder einem Anbau.
Solch ein fachlicher Rat ist auch unverzichtbar, wenn das Gebäude bereits gravierende Mängel aufweist wie Feuchtigkeitsschäden oder Rohrbrüche. Denn ohne gründliche Analyse und Planung geht man das Risiko ein, dass in wenigen Jahren bereits die nächste Renovation ansteht.
Kosten: Wie viel wofür?
| Raum | Materialkosten* | Material |
| Kinderzimmer (15 m2) | 500 bis 1000 CHF | Laminat, neuer Anstrich mit Dispersion, Regale, Vorhänge, Lampe |
| Wohnzimmer (30 m2) | 2000 bis 5000 CHF | Neues Parkett in Echtholz, neuer Wandanstrich, Lampen, Teppich und Vorhänge |
| Sauna- und Fitnessraum (12 m2) | 7000 bis 8000 CHF | Sauna, Fertigdusche, Wandanstrich, Bodenbelag aus PVC, Pflanzen, Beleuchtung, Liegestuhl, Jalousien |
| Küche (20 m2) | 8000 bis 12'000 CHF | Neue Küche mit 10 bis 12 Küchenelementen: Schränke, Kühlschrank, Kochherd, Bodenbelag, Wandanstrich, Beleuchtung und Jalousien |
| Gartensitzplatz (30 m2) | 10'000 CHF | Neuer Gartensitzplatz mit Cheminée, Gehwegplatten, Split, Sonnenstoren, Glastisch, Gartenstühle mit Kissen, Bepflanzung |
| Badezimmer (8 m2) | 10'000 bis 15'000 CHF | Komplettes Badezimmer inklusive neuer Fliesen für Wände und Boden, Badewanne, WC, Lavabo, Duschvorhang, Spiegelschrank, Mischbatterien |
| *Nicht eingerechnet sind Hilfsmittel, Werkzeuge und die eigene Arbeitsleistung. | ||
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© Beobachter Ausgabe 8 vom 15. Apr 2004 - Alle Rechte vorbehalten






