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Baueinsprachen

Tun Sie den ersten Schritt, Herr Ospel!

Text:
  • Gabriela Baumgartner
Bild:
  • Roland Zumbühl, Wikipedia
Ausgabe:
16/09

Ex-UBS-Kopf Marcel Ospel möchte sein Ferienhaus umbauen. Doch die Nachbarn sind dagegen. Wir geben Tipps für ein friedliches Nebeneinander.

Hierher zieht sich Marcel Ospel gerne zurück: Das idyllische Rougemont im Distrikt Riviera-Pays-d'Enhaut (Kanton Waadt).

Marcel Ospel, Ihnen bleibt nichts erspart. Erst wurden Sie aus Ihrer Bank herausgemobbt, zahlten der UBS ein halbes Jahr später gut ein Dutzend Millionen zurück und sollen jetzt, so fordert die «NZZ am Sonntag», Ihr Privatvermögen zugunsten der UBS pfänden lassen. Doch damit nicht genug: In Rougemont in der Waadt formiert sich ziviler Widerstand gegen Sie. Dabei wollen Sie bloss Ihr rustikales Chalet umbauen. Eine Dusche solls geben und Parkplätze vor dem Haus. Ein Minimum an Komfort ist schliesslich auch im Wochenendhäuschen nicht zu viel verlangt.

Doch aus der Nachbarschaft hagelt es Einsprachen. Die Vermutung liegt nahe, dass man sich nicht so sehr an der Dusche stört, sondern an der Person des Bauherrn. Ergreifen Ihre Widersacher gegen den einen oder anderen Entscheid Rechtsmittel, können sie Ihr Bauvorhaben blockieren. Bis das Bundesgericht als letzte Instanz entscheidet, kann es noch Jahre kalt aus der Brause tröpfeln. Grässlich! Unser Tipp: Versuchen Sie, die Prozessiererei zu verhindern. Die meisten Menschen leben mit ihren Nachbarn nicht gern im Streit.

Deshalb sollten Sie all Ihren Mut zusammennehmen und einen Schritt auf Ihre Nachbarn zugehen. Gerade weil Sie die Reizfigur sind, haben Sie es in der Hand, zu einem friedlichen Ausgang beizutragen. Dazu müssen Sie als Angegriffener Verständnis zeigen. Sprechen Sie Ihre Nachbarn bei günstiger Gelegenheit an, fragen Sie ernsthaft nach, was sie an Ihrem Verhalten stört. Eine solche Reaktion wird nicht erwartet und wirkt deshalb entwaffnend und verständnisfördernd. Vielleicht lernen Ihre Nachbarn Sie bei dieser Gelegenheit von einer der Öffentlichkeit unbekannten Seite kennen und schätzen.

Aber den ersten Schritt müssen Sie machen! Beherzigen Sie ein altes deutsches Sprichwort: Begiesst man einen Streit mit Wein, richtet man mehr aus als mit einem Prozess. Ein Fläschchen Château d'Yquem wär genau richtig.

Viel Erfolg, Gabriela Baumgartner

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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