Lüften Mit dem Schimmel kommt der Zoff

Schimmelbefall
Schimmel tritt vor allem in der kalten Jahreszeit auf: Dann sind die Wände kälter als die Raumluft, weshalb die Luft an den Wänden nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann.

In der kalten Jahreszeit wird die Luft in der Wohnung feucht. Es droht Schimmel. Und damit auch Streit zwischen Mieter und Vermieter – denn es kann um viel Geld gehen.

aktualisiert am 26. Feb 2016 15:45

Am Anfang lag ein modriger Geruch in der Luft. Später fielen mir die Flecken an der Wand des Badezimmers auf. Der fensterlose Raum hat einen Ventilator, den ich bei Bedarf jeweils betätige. Zudem lüfte ich die ganze Wohnung regelmässig in vorbildlicher Weise. Oder etwa doch nicht?

Auf meine Meldung per E-Mail mit Bildern des Schadens schickte die Verwaltung sofort einen Fachmann vorbei. Seine Erkenntnis war beruhigend – für mich: Das Wasser kam von oben.

Die Besichtigung beim Nachbarn ergab Erschreckendes. Ein leckes Rohr liess nicht nur die Wände des Badezimmers feucht werden, das Wasser wanderte auch unter dem Bodenbelag quer durch angrenzende Zimmer und kroch die gegenüberliegenden Wände hoch. Schnell bildete sich Schimmel, die Nachbarwohnung musste aufwendig saniert werden. Dagegen waren das Loch in der Wand und der Bautrockner, die zwei Wochen lang mein Bad zierten, kaum der Rede wert.

Der Mieter hat eine Meldepflicht

Für den Schaden war in diesem Fall klar nicht der Mieter verantwortlich. Auch in anderen Fällen ist es für den Vermieter oft schwierig, rückwirkend eine Mieterschuld nachzuweisen. Gelingt es nicht, muss er selbst für die Sanierung aufkommen.

Oft werfen Vermieter den Mietern vor, ungenügend gelüftet zu haben. Um der Sache auf den Grund zu gehen, bleibt meist nur die Installation eines Datenloggers, der den Feuchtigkeits- und den Temperaturverlauf misst und speichert. Rückwirkend lässt sich damit allerdings kein Fehlverhalten direkt belegen.

Einfacher nachzuweisen ist eine andere Pflichtverletzung – auch im Fall der lecken Leitung: Der Mieter hat eine Meldepflicht. Wenn sich Feuchtigkeit oder Schimmel zeigt, muss er das dem Vermieter umgehend mitteilen.

Vergrössert sich der Schaden, weil der Vermieter nicht rechtzeitig informiert wurde, haftet der Mieter dafür. Auf seine Haftpflichtversicherung kann er dann nicht zählen – bei sogenannten Allmählichkeitsschäden zahlt sie meist nichts.

Weil eher ältere Bauten betroffen sind, wird es aber oft nicht ganz so schlimm: Für Bauteile und Einrichtungen, die wegen des Schimmels saniert oder ersetzt werden müssen, muss der Mieter aufgrund der Lebensdauer oft nichts mehr oder nur noch einen geringen Anteil bezahlen.

Schimmel tritt vor allem in der kalten Jahreszeit auf: Dann sind die Wände kälter als die Raumluft, weshalb die Luft an den Wänden nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann. Sie setzt das überschüssige Wasser ab, die Wand wird zunächst feucht, dann schimmlig – an schlecht isolierten Stellen zuerst.

Allerdings: Wo und wie der Schimmel auftritt, lässt nur selten einen klaren Schluss darauf zu, ob genügend gelüftet wurde.

Einzige Ausnahme: Wenn es ausschliesslich in Bodennähe schimmelt, liegt das Problem ziemlich sicher nicht im mangelhaften Lüften.

Guider – der digitale Berater des Beobachters

Mehr zu Mängeln bei Wohnungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Die Vermieter sind verpflichtet, die Liegenschaft während der gesamten Mietdauer zu unterhalten. Aber längst nicht alles, was dem Mieter nicht gefällt, ist auch ein Mangel im Sinne des Mietrechts. Guider zeigt seinen Mitgliedern auf, welche Rechte Mieter haben und wie sie mithilfe eines Musterbriefs den Vermieter auf Mängel aufmerksam machen können.

Was ist ein Mangel am Mietobjekt?
Gegen Mängel wehren
Probleme mit der Raum- oder Wassertemperatur
Lärmbelästigung im Mietrecht
Kleiner Unterhalt im Mietrecht
Mietzins hinterlegen

Richtiges Lüften beugt Schimmel vor

Oft sind neue, dichte Fenster in einem älteren Haus schuld an der Feuchtigkeit. Sind sie geschlossen, kommt kein Hauch frischer und trockener Luft mehr durch.

Manchmal trägt aber auch das Verhalten der Bewohner dazu bei: Wenn sie fast rund um die Uhr kochen, die ganze Familie täglich badet oder die Wäsche regelmässig in der Wohnung aufhängt, wird die Luft deutlich feuchter. 

Um Schimmel vorzubeugen, empfiehlt es sich, mindestens zwei- bis dreimal täglich fünf bis zehn Minuten «quer» zu lüften – also für Durchzug zu sorgen. Dadurch wird die feuchte Luft relativ schnell durch trockenere von aussen ausgetauscht, ohne dass die Innenwände zu stark abkühlen.

Den ganzen Tag über die Fenster zu kippen ist hingegen nicht nur energetischer Unsinn, es nützt auch nichts: Die Wände kühlen sich ab, Schimmel bildet sich so schon bei viel geringerer Luftfeuchtigkeit.

Zur Selbstkontrolle hilft ein Feuchtigkeitsmesser, den es bei jedem Grossverteiler für ungefähr 20 Franken gibt: Eine Luftfeuchtigkeit bis 55 Prozent ist noch in Ordnung, steigt sie darüber, ist intensives Lüften angezeigt. Hilft das nicht und liegt es auch nicht an unzähligen Pflanzen oder dauerduschenden Bewohnern, muss die Bausubstanz abgecheckt werden.

Vermieter und Hauseigentümer sollten die Sache ernst nehmen. Farbe darüberzustreichen reicht nicht. Auch austrocknen, ohne die Schimmelsporen abzutöten, hilft nichts: Dann vermehren sie sich erst recht. Sie befallen unter Umständen sogar Sofas, Gürtel und Kleider – eigentlich alles, was zum Beispiel wegen Hautkontakt Nährstoffe bietet.

Bei nur kleinerem, oberflächlichem Befall raten Fachleute zu Javelwasser oder über 70-prozentigem Alkohol. Tritt Schimmel nur auf Kittfugen auf, kann man ihn getrost sein lassen. Geht er aber tiefer oder sind grosse Flächen betroffen, gilt es genauer abzuklären, woher er kommt und mit welchen Massnahmen er sich nach­haltig entfernen lässt. Meist ist der Beizug von Fachleuten unumgänglich.

Mieter und Eigentümer: 
Das sind Ihre Rechte

Als Mieter sollten Sie Schimmelbefall immer sofort dem Vermieter melden. Solange der Mangel besteht, haben Sie Anspruch auf eine Mietzinsreduktion – auch rückwirkend auf den Zeitpunkt, ab dem der Vermieter Kenntnis erhielt.

Die Höhe der Reduktion ist abhängig vom Ausmass des Befalls und damit von der Beeinträchtigung im Wohnkomfort. Einem untätigen Vermieter kann man notfalls Dampf machen, indem die ganze Miete auf einem Sperrkonto bei der Schlichtungs­behörde in Mietsachen hinterlegt wird.

Und wenn der Vermieter trotz Meldung nichts tut und Ihre Möbel deswegen Schaden nehmen, wird er auch noch schadenersatzpflichtig.

Das sollten Vermieter wissen:
Als Eigentümer haben Sie bei einem Neubau fünf Jahre Garantie. Stellen Sie innert dieser Zeit Feuchtigkeit fest, die auf eine mangelhafte Bausubstanz zurückzuführen ist, melden Sie das sofort dem Vertragspartner (Generalunternehmer/Verkäufer). Weist er Ihre Ansprüche zurück, müssen Sie diese vor Ablauf der fünf Jahre vor Gericht geltend machen. Zuständig ist zunächst die Schlichtungsbehörde (auch Friedensrichter oder Vermittler genannt).

Da Verfahren in Bausachen meist sehr mühsam sind, versuchen Sie am besten, mit dem Vertragspartner ein neutrales Gutachten in Auftrag zu geben. Lässt sich die Sache so nicht lösen, kommen Sie um den Beizug eines Rechtsanwalts kaum herum.

So wird die Luft rein - und der Schimmel hat keine Chance

  • In jeder Wohnung ohne automatische Lüftung mindestens drei- bis viermal täglich lüften: Fenster ganz öffnen und für Durchzug sorgen. Fenster in Kipp­stellung bringen nichts, weil so der Lüftungseffekt praktisch gleich null ist. Dafür kühlen die Wände aus, und es geht viel Wärmeenergie verloren.

  • In kühleren Räumen (bei zum Beispiel 16 Grad im Schlafzimmer) muss mehr gelüftet werden.

  • Je kälter es draussen ist, umso weniger muss gelüftet werden.

  • Die ideale Raumtemperatur im Winter liegt bei 20 bis 21 Grad, die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 60 Prozent.

  • Luftbefeuchter sollten nur gezielt an kalten Wintertagen eingesetzt werden. In luftdichten Wohnungen sind sie gänzlich unnötig. Und: Reinigt man sie nicht regelmässig, werden sie zur Keimquelle.

  • Automatische Lüftungsanlagen dürfen nicht ausgeschaltet werden. Halten Sie sich an die Betriebs- und Wartungs­anleitung des Herstellers.

  • Lüftungsschächte und -geräte, aber auch Durchlässe und Filter regelmässig kontrollieren und wenn nötig wechseln.

  • Ein guter Hinweis auf die Luftqualität ist der Gehalt an Kohlendioxid, der sich mit CO2-Messgeräten selbst messen lässt (sogenannte «Luftampeln»): Je schlechter ein Raum durchlüftet ist, desto höher ist der CO2-Gehalt.

  • Feuchtigkeit in Bad oder Küche sofort abführen: Nach dem Baden oder Duschen Fliesen und Fugen möglichst mit einem Lappen oder Gummischaber trocknen. Nicht von einem Zimmer ins andere lüften, um so die Feuchtigkeit abzuführen.

  • Grosse Schränke oder Möbel nicht direkt an die Wand stellen, vor allem nicht an Aussenwände. Abstand: fünf Zentimeter.

  • Keine blosse Symptombekämpfung bei Schimmel: Javelwasser, Ethylalkohol oder andere Schimmelpilzentferner helfen kurzfristig, beheben aber die Ursache nicht. Zur wirk­samen Sanierung muss die Ursache der zu hohen Feuchtigkeit vom Fachmann bestimmt und behoben werden.

Welche Auswirkungen hat Schimmel auf die Gesundheit?

Es existieren unzählige Schimmelarten; für gesunde Menschen richtig gefähr­liche gibt es in unseren Breitengraden aber kaum.

Auswirkungen können die Sporen dennoch haben: Sie können Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen sowie Allergien auslösen, bei kleinen Kindern und älteren Menschen auch Asthma. Lebensgefährlich werden kann der Pilz für Menschen mit vorbestehenden Krankheiten wie Asthma oder einer Immunschwäche. Im Zweifel gilt: Arzt aufsuchen.

Schimmel im Keller: Wer haftet für Schäden?

Tritt in der Wohnung Schimmel auf, gilt das als Mangel – ausser Sie seien wegen ungenügenden Lüftens selbst dafür 
verantwortlich.

Verursacht Schimmel jedoch Schäden 
an Dingen, die Sie im Keller lagern, ist 
die Rechtslage nicht so eindeutig. Denn: Es gibt keine Vorschriften, wie feucht ein Keller sein darf.

Jedenfalls gehören nur Dinge in den Keller, die Schimmel keinen Nährstoff bieten. Lederschuhe und Sportausrüstungen, die nicht regelmässig und gründlich gereinigt werden können, ge­hören also nicht in einen Keller. In solchen Fällen wird der Vermieter nicht schadenersatzpflichtig.

Hat er aber falsche Instruktionen erteilt oder gab es im Keller nie Zeichen von Feuchtigkeit, muss der Vermieter für die Schäden an Ihren Gegenständen geradestehen. Allerdings nur dann, wenn sie tatsächlich noch einen Wert hatten.

Hanneke Spinatsch

Buchtipp

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Autor:
  • Patrick Strub
Bild:
  • Getty Images