St. Gallen
Frieren für 2500 Franken
«So gefroren wie diesen Winter habe ich noch nie», erzählt Othmar Scherrer. Er hat mehrmals die Temperaturen im Haus in Flums SG gemessen, wo er mit seiner Familie ab Oktober eingemietet war.
Frösteln liessen 14 Grad im Bad und 15 Grad in der Küche. Das Kontrastprogramm lieferte die Stube mit Kachelofen, wo das Thermometer bis zu 36 Grad anzeigte. Die gleichen Erfahrungen machte Vormieter René Gätzi: «Null Wohnkomfort. Es wird extrem warm, kühlt aber sehr rasch wieder ab.» Er ist bereits nach sechs Monaten wieder ausgezogen, wie nun auch Scherrers.
Mängelrügen beim Vermieter Hansueli Sturzenegger, Kaminfegermeister und St. Galler SVP-Kantonsrat, fruchteten nämlich nichts. Im Gegenteil: Er heize falsch, musste sich Mieter Scherrer anhören.
Das Klima zwischen Mieter und Vermieter wurde immer frostiger – und die Mängelliste immer länger: Scherrers reklamierten siedend heisses Duschwasser, Rauchemissionen in der Küche und eine mangelhafte Elektroinstallation. Sie forderten eine Mietzinsreduktion: Sturzenegger kassiert 2500 Franken plus gut 300 Franken Nebenkosten – ein stolzer Preis für einen Acht-Zimmer-Altbau im ländlichen Flums.
Schliesslich traf man sich vor der Schlichtungsstelle, wo Kantonsrat Sturzenegger eine Mietreduktion von 500 Franken pro Monat akzeptierte. Ex-Mieter Othmar Scherrer willigte grollend ein: «Ich wollte nicht monatelang prozessieren.»
Hansueli Sturzenegger will sich nicht zum Fall äussern: «Die Angelegenheit wurde sachlich erledigt», beschied er dem Beobachter. Seine Kühlkammer ist bereits wieder zur Vermietung ausgeschrieben.
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 11 vom 27. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten



