Zügelfirmen
Gut gewählt ist halb gezügelt
Die billigste ist nicht immer die beste - doch wie findet man die richtige Zügelfirma? Offerten einholen ist ein wichtiger Schritt. Aber nur der erste.
Wer ein Zügelunternehmen sucht, hats nicht leicht. In Kleininseraten überbieten sich Firmen mit Tiefstpreisen. Wie in allen Branchen gibts auch hier schwarze Schafe, die mit tageweise angeheuerten Leuten und einem Lastwagen schnelles Geld machen wollen.
Wichtig ist, so früh wie möglich verschiedene Offerten einzuholen. Allerdings sind diese Offerten oft nur schwer vergleichbar. Manche Firmen notieren eine Pauschale, andere einen Stundenansatz. Bei den einen sind die Nebenkosten aufgelistet, andere verrechnen «gemäss dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag».
Eine Pauschale hat den Vorteil, dass man im Voraus genau weiss, mit wie viel man rechnen muss. Sie ist verbindlich. Da aber die tatsächliche Zügeldauer auch von einer erfahrenen Firma nur geschätzt werden kann, schliesst eine Pauschale immer auch eine Sicherheitsmarge ein, mit der sich das Unternehmen gegen den unvorhersehbaren Arbeitsaufwand absichert. Bei guter Vorbereitung und Mithilfe fährt man deshalb mit einem Stundenansatz günstiger, weil dann nur der tatsächliche Aufwand bezahlt werden muss.
Gute Vorbereitung spart bares Geld
Das A und O einer günstigen und reibungslosen Züglete ist eine gute und weitreichende Vorbereitung. Mit ihr lässt sich massiv sparen. Konkret: Der ganze Hausrat soll so verpackt sein, dass er sich kompakt und rationell tragen lässt. Alles, was einzeln herumliegt, bedeutet zusätzlichen Weg und damit zusätzliche Kosten.
Zur kostensparenden Vorbereitung gehört auch das Demontieren der Möbel. Aber aufgepasst: Wer handwerklich nicht geschickt ist oder knapp an Zeit, überlässt das Demontieren besser den Profis, die dann mit entsprechendem Werkzeug und Know-how anrücken. Das ist zwar teurer, erspart aber Ärger, kaputte Möbel und verletzte Daumen.
Selbstverständlich kann man die Profis auch packen lassen. Viele Zügelfirmen stellen nicht nur Packmaterial zur Verfügung, sondern auch Packerinnen und Packer. Das wird aber teuer.
Um eine fundierte Offerte zu bekommen, lädt man am besten zwei, drei Firmen zur Besichtigung ein. Es gibt Firmen, die sich prinzipiell alle Wohnungen anschauen. Andere betreiben diesen Aufwand nur ab einer bestimmten Grösse; ansonsten verlassen sie sich auf ihre Erfahrungswerte. Vergewissern Sie sich, dass die Offerte gratis und unverbindlich erfolgt.
Bei der Besichtigung ist wichtig, dass man nicht nur die Wohnräume zeigt, sondern auch Estrich, Keller, Garage und Balkon. Dass man auf Spezielles hinweist, zum Beispiel auf ein schweres oder nicht demontierbares Möbel. Und dass man nichts verspricht, was man nicht einhalten kann («alles Heikle und die Pflanzen transportiere ich selber»).
Den Zügelaufwand bestimmen folgende Faktoren:
- Grösse der Wohnung und Anzahl Möbel;
- Weg zwischen Transportwagen und Haustür beim Ein- und Ausladen; massgebend sind die Distanz und allfällige Hindernisse;
- Stockwerk;
- Lift: Ist einer in genügender Grösse vorhanden? Bei Neubauten: Ist der Lift betriebsbereit?
- Treppenhaus: Ist es eng, verwinkelt? Sind Gegenstände so weggeräumt, dass sie die Zügelleute nicht behindern?
- Wie weit ist die Züglete vorbereitet? Ist alles rationell verpackt?
- Distanz vom alten zum neuen Ort?
- Sind die versprochenen Helferinnen und Helfer da? Wie effizient arbeiten sie?
- Am neuen Ort: Sind die Schachteln so markiert, dass sie sofort am richtigen Ort deponiert werden können? Besteht ein Plan, wo die Möbel hinkommen sollen, oder müssen die Zügelleute lange auf Anweisungen warten?
Auch Reisezeit kostet
Mit einem Möbellift lässt sich das Zügelgut zwar elegant in die Höhe hieven. Aber die Miete lohnt sich nur, wenn der Lift optimal plaziert werden kann, das Treppenhaus eng ist oder viele schwere Einzelstücke zu transportieren sind.
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Ein Umzug umfasst die Zeit von der Abfahrt am Domizil der Zügelfirma bis zur Rückkehr dorthin, also auch die gesamte Reisezeit. Die schriftliche Offerte nach Aufwand sollte folgende Angaben enthalten:
- Datum und Zeitpunkt des Umzugs. Vorsicht: An Samstagen werden zuweilen höhere Ansätze verrechnet als an Werktagen.
- Auf- und Abladeadresse.
- Transportgut, eventuell mit einer Schätzung des Volumens.
- Stundenansatz für den Möbelwagen mit Fahrer. Der Preis richtet sich nach der Fahrzeuggrösse (man rechnet 8 bis 10 Kubikmeter Volumen pro Zimmer).
- Stundenansatz für jeden zusätzlichen Mann. Weniger Leute sind nicht unbedingt billiger.
- Schätzung der Umzugsdauer - am besten mit oberer Limite, damit man mit anderen Offerten vergleichen kann (eventuell Kostendach vereinbaren).
- Zahlungsart: Vielerorts wird nach alter Branchenusanz immer noch Barzahlung verlangt. Es gibt aber auch Firmen, die eine Vorauszahlung verlangen und für den Rest eine Rechnung stellen oder Checks oder Kreditkarten akzeptieren.
- Bei einer Pauschalofferte muss man unbedingt klären, ob wirklich alles inbegriffen ist. Sind im Kleingedruckten keine Extras aufgeführt, die die Rechnung dann doch noch erhöhen?
Um einen Auftrag zu bekommen, gibt es Anbieter, die eine kurze Umzugsdauer schätzen. Berechnet wird dann aber der tatsächliche Aufwand. Solch tiefen Schätzungen kommt man nur auf die Schliche, wenn man verschiedene Offerten einholt.
Es gibt auch Anbieter, die mit tiefem Stundenansatz locken. Die Frage ist aber, was dieser einschliesst. Vielleicht ist nur der Lastwagen gemeint, und alles andere kommt noch dazu...
So oder so gilt: Bestehen Sie auf einer schriftlichen Offerte. Fragen Sie bei Unklarheiten nach. Klären Sie unbedingt ab, welche Leistungen inbegriffen sind und welche nicht. Visitenkarte einer seriösen Firma ist nicht nur eine detaillierte und saubere Offerte, sondern zum Beispiel auch ein informativer Prospekt. Man kann nach dem Verhältnis zwischen Festangestellten und Temporärpersonal fragen oder um Referenzen bitten. Oder vielleicht führt auch eine Empfehlung aus dem Bekanntenkreis zur richtigen Adresse.
Zügeln ist auch für trainierte Leute ein hartes Stück Arbeit. Pausen sind deshalb wichtig. Nach Branchen-usanz haben Zügelmänner Anspruch auf 30 Minuten Pause pro vier Stunden Arbeitszeit. Die Mittagspause hingegen zählt nicht als Arbeitszeit.
Unterschiedlich handhaben Zügelfirmen die Verpflegung. Bei den einen wird sie verrechnet, bei andern nicht. Falls es in der Nähe kein Restaurant gibt, kann es nützlich sein, eine Mahlzeit zu organisieren. Ohnehin wichtig ist, Alkoholfreies gegen den Durst und Handfestes für eine kleine Zwischenverpflegung bereitzuhalten.
Trinkgeld: Nach einer sonderbaren Branchenusanz heisst es in den Richtlinien des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag: «Nicht eingeschlossen sind die ortsüblichen Trinkgelder an Packer und Transportpersonal.» Manchmal wird das Trinkgeld gleich mit auf die Rechnung gesetzt. Unsere Meinung: Trinkgelder gehören nicht auf die Rechnung. Sie sind freiwillig und sollen sich nach der Zufriedenheit der Kundin oder des Kunden richten.
Zuschläge: Vorsicht vor dem Kleingedruckten!
Nebenkosten werden in Offerten leicht überlesen, kommen aber manchmal teuer zu stehen. Auf folgende Punkte sollten Sie besonders achten:
- Ist die Mehrwertsteuer in der Rechnung inbegriffen oder nicht? Wie steht es mit Kilometerzahl, Zügelhilfen, Spesen?
- Versicherung: Was deckt ein allfälliger Zuschlag ab, was nicht? Bei wertvollen Gegenständen oder Umzügen über längere Distanzen kann sich eine Zusatzversicherung lohnen.
In ihren 1998er Richtlinien sieht die Astag folgende Zuschläge vor: - Möbellift: 135 Franken pro Stunde mit Bedienung
- Klavier: mind. 155 Franken; Flügel: mind. 260 Franken
- Gegenstände über 100 Kilo (z.B. Öfen, Geldschrank):
50 Franken pro 100 kg, mindestens 100 Franken - ab 3. Stockwerk: vier Franken pro m3 und Stockwerk ohne Lift, zwei Franken pro m3 und Stockwerk mit Lift
- bei mehr als 15 Meter Distanz zwischen Möbelwagen und Eingang: vier Franken pro m3 je weitere 15 m
© Beobachter Ausgabe 2 vom 14. Jan 1998 - Alle Rechte vorbehalten








