Ein industriell gemästetes Huhn endet nach sechs Wochen als Nugget oder auf dem sogenannten Fitnessteller. Egal, ob das Tier männlich war oder nicht. Nicht so beim Federvieh, das Eier legen sollte.

Üblicherweise piepst ein Küken am 20. Tag im Ei, und am Tag darauf hat es sich durch die Schale gepickt. Wie Tausende weiterer Küken in den Harrassen einer professionellen Brüterei Tierhaltung Wie billig darf das Poulet sein? , egal, ob ein Geflügel zur Mast oder zum Eierlegen gezüchtet wurde.

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Ist das Legeküken weiblich, wird es an eine Hühnerfarm geliefert. Dort produziert die Henne etwa ein Jahr lang jeden Tag ein Ei. Dann wird sie geköpft und verwurstet oder zu Hühnerbouillon verkocht.

Ist das Küken männlich, überlebt es nicht einmal die erste Nacht. Hähne legen bekanntlicherweise keine Eier, und mit den Genen von Mastgeflügel Tierhaltung Den Himmel sehen die «Optigal»-Hühner der Migros nie können sie nicht mithalten. Brüder von Legehühnern aufzuziehen, lohnt sich nicht, denn Mastgeflügel setzt vier Mal schneller Fleisch an. Also werden Legeküken bei lebendigem Leib von einer Maschine zerstückelt. Das hat die Schweiz vor kurzem verboten. In Europa ist die Schweiz das erste Land, das so ein Verbot ausspricht. Es gilt vom nächsten Jahr an.

9 von 10 männlichen Küken werden vergast

Das Verbot trifft aber nur die wenigsten der 3,2 Millionen männlichen Küken, die sich mühsam ins Leben gepickt haben. Neun von zehn Hähnchen werden in einer der zwei grossen Brütereien in der Schweiz mit dem Treibhausgas Kohlendioxid vergast. Mehrere Sekunden lang strampeln und ringen die kleinen Kerle um Luft, nach ein, zwei Minuten sind sie tot. Ihre schlaffen Körper werden verarbeitet, in Dosen abgefüllt und Katzen und Hunden verfüttert, oder sie landen als Müll in den Biogasanlage Obst und Gemüse in Plastik Das Gurken-Dilemma . So wird mit ihnen Strom für unsere Smartphones erzeugt.

Seit Jahren versucht die Wissenschaft, das Geschlecht der Küken bereits im Ei zu erfahren. Dann würden die Eier schon gar nicht ausgebrütet, sondern zermalmt, wenn ein Hähnchen schlüpfen könnte. Bis eine Methode sicher ist und zahlbar, halten die Produzenten aber an der Vergasung der Küken fest.

«Es macht keinen Sinn, ein Tier zu töten, das nichts vom Leben gehabt hat als ein paar Stunden. Das hat kein Tier verdient.»

Roman Clavadetscher und Valérie Cavin

Roman Clavadetscher und Valerie Cavin aus Malans GR.

Quelle: PD

Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten kümmert das wenig, es scheint bloss zu zählen, was auf dem Kassabon steht. Manche Bauern halten das Schreddern der Küken wie auch das Vergasen für respektlos. Etwa Roman Clavadetscher aus Malans, einem Weindorf in Graubünden.

Seit sieben Jahren zieht er Küken der Rasse Brown Nick auf. Die Küken schlüpfen aber nicht auf seinem Hof, sondern in einer Schweizer Brüterei. Im laufenden Jahr haben Clavadetscher und seine Partnerbetriebe rund 15'000 junge Güggel eingestallt.

Bauer Clavadetscher sagt: «Es macht keinen Sinn, ein Tier zu töten, das nichts vom Leben gehabt hat als ein paar Stunden. Das hat kein Tier verdient. Wir sollten respektvoll umgehen Crowdbutchering Das ganze Tier essen mit dem Leben, das geschenkt wird.»

Im Schnitt wird ein Güggel bei ihm 84 Tage alt. Er kann über die Wiese hinter einem Käfer herrennen, ein Gräslein abrupfen, einen Wurm aus der Erde zerren oder sich in einem Busch verstecken und im Stall ein Sandbad nehmen. Dann wird er auf dem Hof geschlachtet.

Clavadetscher verkauft die Güggeli als Bruderhähne im Zehnerpack zu 71.50 Franken. Er sagt, die Nachfrage nach den Güggeli steige jedes Jahr. Trotz dem relativ hohen Preis. «Die Kunden kaufen aber immer öfter Teile wie Brust, Schenkel, Steak oder Flügel und weniger den ganzen Hahn. Der wiegt nach dem Schlachten etwa 800 Gramm.»

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René Ammann, Redaktor
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