Das Geschäft mit MSC-Fisch boomt. Jedes Jahr werden mehr als zehn Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte von zertifizierten Fischereien gefangen. Das sind 15 Prozent der weltweiten Fangmenge. Doch das blaue Label steht in der Kritik: weil immer wieder Delfine qualvoll in Fangnetzen verenden oder auch MSC-Fischereien den Meeresboden mit gewaltigen Schleppnetzen umpflügen.

Jetzt tauchen weitere Vorwürfe auf. Weltweit 58 Umweltorganisationen, Händler und Fischereien kritisieren, dass auf einigen MSC-zertifizierten Schiffen nach wie vor Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten werden. Sie fordern vom MSC endlich wirkungsvolle Massnahmen gegen das illegale Shark-Finning.

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«Nicht akzeptabel»

Iris Ziegler von der Schutzorganisation Sharkproject sagt: «Es ist nicht akzeptabel, dass diese bestialische Praxis schon seit mehreren Jahren vom MSC toleriert Umwelt Es stinkt nach Bschiss und der gleichzeitig gefangene Thunfisch als ‹Beitrag zur Schonung der marinen Ökosysteme› deklariert wird.»

Neben Greenpeace und dem südafrikanischen Fischereiministerium hat auch die Migros den offenen Brief unterzeichnet. Die Migros, die selber MSC-Fisch verkauft, habe in direkten Gesprächen mit dem MSC immer wieder das Thema Finning angesprochen. «Es ist für uns deshalb ein logischer Schritt, dass wir auch den Brief unterzeichnet haben», sagt eine Sprecherin.

Coop, Lidl und Aldi haben den Protestbrief nicht unterschrieben. Man nehme die Kritik am MSC aber ernst und sei laufend in Kontakt mit der Organisation. Der direkte Austausch mit dem MSC sei zielführender, heisst es bei Coop. Aldi Suisse stehe weiterhin hinter dem MSC-Standard, solange man nachvollziehen könne, dass der MSC «die berechtigte Kritik» ernst nehme und an Verbesserungen arbeite.

Kann man MSC-Fisch immer noch mit gutem Gewissen verspeisen? «Natürlich ist es besser, zertifizierten Fisch Importfisch Legal, aber nicht unbedingt nachhaltig zu kaufen. Aber für die Bestände in den Meeren wäre es eigentlich besser, keinen Fisch mehr zu essen», sagt Kerstin Glaus vom Verein OceanCare. Wer nicht darauf verzichten will, solle höchstens einmal im Monat Meerfisch essen. «Alternativ sollte man die einheimische, lokale Fischerei unterstützen, die per se immer nachhaltig ist.»

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