Der tiefste Steuerfuss weit und breit und eine Jahresrechnung mit Gewinn eigentlich hätte die Gemeindeversammlung Ende letzten Jahres zufrieden sein können. Wäre da nicht der Gestank, der seit Wochen zum Gemeindesaal hinüberweht.

Rund um die beiden neuen unterirdischen Abfallcontainer waren in den letzten Monaten immer wieder stinkende Haufen von Kehrichtsäcken entstanden. Dabei hatte es sich die Gemeinde gerade erst 100000 Franken kosten lassen, mit den bisherigen Containern die üblen Gerüche aus dem Schlossquartier zu verbannen.

Zwei moderne «Subvil»-Container ermöglichen es den Grengemern, mit einem elektronischen Schlüssel ihren Abfall zu wägen und per Säule im Boden zu versenken. Pro Kilo Müll werden dem Benutzer am Jahresende 29 Rappen belastet, zusätzlich zur Grundgebühr von 110 Franken. Das von der Luzerner Firma Villiger ausgeklügelte System ist mit einer Entsorgungsfirma verbunden, die den Füllstand über SMS ablesen kann.

Aber das Abfallproblem ist schlimmer statt besser geworden: Einerseits blockieren einzelne Bewohner die Säule mit Sperrgütern. Anderseits scheint das Murtner Entsorgungsunternehmen die Container zu selten zu entleeren.

Greng trennt nicht gern Dies soll umgehend behoben werden. Gemeindeammann Eduard Scherz will den Abfallsündern mit «Erziehungsmassnahmen» beikommen. Die Grengemer schieben die Schuld derweil von einem Nachbarn zum andern: «Den vielen Gutbetuchten hier ist es egal, wie viel ihr Abfallsack kostet», erklärt die Pächterin der «Schloss-Taverne». Der mangelnde Wille, den Abfall zu trennen und die Abfallmengen zu reduzieren, hat noch andere Gründe: Bis vor einigen Monaten kippte man in Greng einfach noch alles, was man loswerden wollte, in den Container, ohne einen Rappen dafür zu bezahlen.

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Ausserdem befinden sich die nächsten Sammelstellen für Altglas und andere Wertstoffe in Merlach und Murten. So muss der zuständige Gemeinderat Peter Götschi regelmässig den Stau in der Säule auflösen. Offiziell äussern will er sich nicht. Und Gemeindeschreiberin Jacqueline Pellanda wimmelt die Anfrage des Beobachters ab: «Der Gemeinderat Greng hat beschlossen, das Thema Kehricht nicht noch mehr aufzubauschen, und dankt Ihnen für Ihr Verständnis.»

In Morges funktionierts Dass es mehr an der Dorfbevölkerung als am System liegen könnte, beweist die Stadt Morges, wo vor Jahresfrist sechs Subvil-Anlagen eingeführt wurden: «Nach Startschwierigkeiten funktionierts perfekt», bestätigt der dortige Verantwortliche, Michel Bersier. Auch Hersteller Paul Villiger vermutet, dass es den Grengemern an Entsorgungsdisziplin mangelt. Ausserdem habe der Gemeinderat gegen seine Empfehlung vier statt sechs Kubikmeter grosse Container gewählt. Villiger nimmt an, dass die Dorfbewohner mehr Abfall als die Durchschnittsverdiener produzieren «da fahren ja vor allem Porsches herum».

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Der Spott, dem Greng nun ausgesetzt ist, kommt nicht von ungefähr: Der Weiler, etwa zwei Kilometer vor dem Murtner Stadtrand, geniesst in der Region Sonderstatus, seit ein Ritter im 14. Jahrhundert die Wiese von Gruein vom Lausanner Bischof übernommen hat. Das Schloss der Adelsherrscher von Greng wurde vor einiger Zeit in komfortable Wohneinheiten umgebaut. Daneben entstanden 24 exklusive Einfamilienhäuser. Der Weiler ist durch die zwei Meter hohe Schlossmauer abgeschottet, der barocke Park von 15000 Quadratmeter Grösse für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Ihre Steueroase müssen die Grengemer derzeit verteidigen, weil der Kanton kleine Gemeinden fusionieren will. Murten kämen die Steuerfranken aus Greng gelegen. Doch daraus wird nichts, solange man schwarze Zahlen schreibt und genug Leute für die öffentlichen Ämter findet. Und das Abfallproblem? «Wenns nicht funktioniert, schneiden wir die Säcke auf und suchen nach Hinweisen auf deren Besitzer», heisst es bei der Gemeinde.

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