Ein fünfeinhalb Jahre alter Verdingbub war zu Tode gequält worden, der ganze Körper war mit Striemen übersät. Der Bub wog noch 13 Kilogramm. «Das Vertrauen des Volkes in die Aufsichtsbehörden ist erschüttert», schrieb der Beobachter damals. Es gebe Behörden, die «aus Sparsamkeitsgründen oft nicht eben wählerisch sind mit den Pflegeplätzen». Und er kritisierte, dass Gemeinden die Kinder oft aus Spargründen verdingten; das sei billiger, als der Mutter einen angemessenen Betrag auszurichten, damit sie ihre Kinder selber erziehen könne.

Um der Misere im Pflegekinderwesen ein Ende zu bereiten, rief der Beobachter 1946 zur Selbsthilfe auf: «Das Volk soll mithelfen!» Wer ehrenamtlich einer «Vereinigung zum Schutz der Pflegekinder» beitreten wolle, solle sich melden. 2000 Interessierte meldeten sich. Der Redaktor schrieb darauf enttäuscht: «Vor Jahren sind auf einen Wettbewerb im Beobachter, bei dem die Preise in Ankenballen bestanden, um die 50000 Anmeldungen eingegangen.» – «Ja, wenn wieder ein Fall an die Öffentlichkeit gelangt, wie der von Frutigen, dann sind es Hunderttausende von Frauen und Männern, die entrüstet fordern, dass da ‹etwas geschehen müsse›.» Der Appell des Redaktors nützte: Es meldeten sich schliesslich 5000 Freiwillige.

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