In der Schweiz wurden Menschen bis Anfang der achtziger Jahre ohne Gerichtsurteil in Gefängnissen und Strafanstalten weggesperrt. Nun hat das Parlament ein Gesetz beschlossen, das Betroffene rehabilitiert – der Staat gesteht damit ein, dass den sogenannten administrativ Versorgten Unrecht zugefügt wurde. Geld sollen sie aber nicht bekommen.

Auf ihr Schicksal hatte der Beobachter erstmals vor sechs Jahren aufmerksam gemacht, mit einem Artikel über die 1967 als 17-Jährige im Frauengefängnis Hindelbank versorgte Ursula Biondi. Der Beitrag löste in breiten Kreisen Em­pörung über die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen aus. Zwei Bundesrätinnen entschuldigten sich öffentlich.

Soforthilfe ab diesem Sommer

Trotz der symbolischen Gesten verpasste es die Schweiz, auch Heim- und Verdingkinder, Zwangssterilisierte und Zwangsadoptierte zu rehabilitieren. Diese waren ebenso Opfer von Behördenwillkür wie die administrativ Versorgten. Ihnen wurde meist zur Last gelegt, sie führten ein «liederliches Leben» oder seien «arbeitsscheu». 2004 wollte der Nationalrat zwar Zwangssterilisierte für das erlittene Unrecht entschädigen. Doch das ausgearbeitete Gesetz wurde auf Antrag des damaligen Justizministers Christoph Blocher beerdigt. Später lehnte es das Parlament auch ab, die Geschichte der Heim- und Verdingkinder aufzuarbeiten.

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Immerhin äufnete man einen Soforthilfefonds, der bereits vom Sommer an Betroffenen in Geldnot helfen soll. Nicht vom Tisch ist die Forderung aller Betroffenen nach einer finanziellen Wiedergutmachung.