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Fürsorgerische ZwangsmassnahmenEntschädigung der Opfer

Die Berner Kantonsregierung schlägt vor, einen nationalen Unterstützungsfonds für Verdingkinder, Heimkinder, administrativ Versorgte und Zwangssterilisierte einzurichten.

Eduard Steiner (links), Bernadette Gächter und Paul Pfenninger sind Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen (siehe Artikel zum Thema).
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Die Berner Kantonsregierung stellt sich hinter einen entsprechenden Vorstoss der grünen Grossrätin Christine Häsler.

Justizdirektor Christoph Neuhaus: «Tatsächlich leiden noch heute Betroffene unter ihrer Vergangenheit, sind trauma­tisiert und leben häufig in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen.» Es sei deshalb angezeigt, neben der moralischen Wiedergutmachung auch die «Mög­lichkeiten einer finanziellen Entschädigung zu prüfen».

Neuhaus will die Idee des Härtefall-Fonds in der Konferenz der Kantonsregierungen zur Spra­­che bringen: «Was im Kanton Bern geschehen ist, ist leider nicht einzigartig.» Deshalb brauche es eine nationale Lösung.

Bis weit in die siebziger ­Jahre wurden in der Schweiz Tausende Kinder und Jugendliche in Heime und Anstalten gesteckt, weil sie als «schwer­erzieh­bar» eingestuft wurden, einen angeblich «lasterhaften Lebens­wandel» hatten oder unehelich geboren waren. Verdingkinder mussten unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, in Kinderheimen und Anstalten kam es regelmässig zu Gewaltübergriffen und zu sexuellem Missbrauch. Der Kanton Bern hat sich bereits im Herbst 2010 an der öffentlichen Veranstaltung in der Strafanstalt Hindelbank beteiligt. Damals hatten sich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und verschiedene Kantonsvertreter bei jenen Betroffenen ent­schuldigt, die ohne juristisches Verfahren teils jahrelang im Gefängnis verwahrt wurden.

Bern setzte auch eine Historikergruppe ein, die die damalige Praxis der Fremdplatzierun­gen untersuchte. Der Bericht dazu soll im März veröffentlicht werden. Gleichzeitig will sich Justizdirektor Christoph Neuhaus bei ehemaligen Verding- und Heimkindern öffentlich für das ihnen zugefügte Leid entschuldigen.

Veröffentlicht am 01. März 2011